Debriefing - Feedback der Teilnehmer

So beurteilen ehrenamtliche humanitäre Helfer das Debriefingangebot von Christine und Jochen Schuppener.

 

Ingrid Krafft-Otto (Krankenschwester, Bad Tölz):  

„Ich finde das Debriefing sehr gut. Für mich war es unheimlich wichtig, die Leute wieder zu treffen, mit denen ich an der "Front" war. Diese Verbundenheit und  Freundschaft, diese Dankbarkeit zu spüren, den anderen gehabt zu haben in einer Situation, in der es einem nicht immer ganz geheuer war, empfand ich als große Bereicherung, das hat mir eine andere Lebensanschauung gegeben.

 

Wichtig fand und finde ich immer wieder Themen wie Sterben und Tod zu behandeln, es gehört unmittelbar zu unserem Leben und kann in jedem Einsatz auch einen von uns treffen. Grundsätzlich denke ich, sollten solche Treffen öfter stattfinden, auch wenn es einen hohen Aufwand an Anfahrt und Kosten mit sich bringt. Sehr gut gefallen hat mir die Aufarbeitung von Themen anhand von Notizen, so hat man es einfach lebendig vor Augen und kann sich eher auch in die Gefühle des anderen hinein versetzen.

 

Abschließend möchte ich sagen, ihr seit mir, so wie wir uns kennen gelernt haben, alle sehr ans Herz gewachsen und ich habe nie zuvor im Rahmen meiner Arbeit Menschen gefunden, denen ich mich so verbunden gefühlt habe. Ich würde jederzeit mit euch bis ans andere Ende dieser Welt fahren, wenn nicht diese Arbeit unmittelbar mit einer Katastrophe verbunden sein müsste, würde ich sagen, ich freue mich darauf, euch wieder zu sehen und mit euch an irgend einem Ende dieser Welt zu helfen und Gutes zu tun. Ich danke euch, für diese Erfahrung und für eure Freundschaft.“

 

Dr. Jochen Conradt (Zahnarzt, Lörrach):

„Das Debriefing war für mich ein guter emotionaler Abschluss des Einsatzes. Es wurden verschiedene Situationen besprochen und durchgearbeitet, die im Einsatz belastend waren (Überforderungen, persönliche Inkompetenzen und die Erkenntnis nicht allen helfen zu können usw.) diese, von mir empfundenen Defizite und Traumen wurden anerkannt und Raum gegeben diese, in meine Falle an Gott abzugegeben. Das war und ist für mich sehr wichtig.“

 

Nadine Sprodowski (Ärztin, Frankfurt am Main):

"Im Oktober 2005 war ich mit einem Team in Pakistan, um nach dem verheerenden Erdbeben medizinische Soforthilfe zu leisten. Dieser Einsatz war eine ganz besonders wertvolle Erfahrung. Fast pausenlos haben wir zum Teil schwerverletzte Patienten behandeln können, wir konnten Schmerzen lindern und Hoffnung vermitteln. Besonders schön war die gute Atmosphäre innerhalb des Teams. Die Belastungen - sowohl physischer als auch psychischer Art - bei einem solchen Einsatz sind indes enorm. So plagten uns manchmal Gefühle von Unzulänglichkeit oder gar Schuld, weil wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten oft nicht optimal helfen konnten, viele Einzelschicksale machten uns tief betroffen. Hinzu kamen körperliche Erschöpfung und ständige kleinere und größere Nachbeben.

 

Es war zwar nicht mein erster derartiger Einsatz, aber zum ersten Mal gab es nach dem Einsatz das Angebot eines Debriefings, also eines moderierten Nachgespräches. Dieses fand am 06.01.06 unter Leitung von Jochen Schuppener und seiner Frau in Wetzlar statt, es kamen ungefähr 20 Teilnehmer. Ein wenig Skepsis war zu Anfang zu verspüren, vor allem fiel es vielen Teilnehmern schwer, auf die konkreten Fragen zu antworten, zu groß war das Bedürfnis, seine Erlebnisse aus den Einsätzen zu berichten. Aber gerade das zeigt, wie sehr diese Erlebnisse die Einsatzteilnehmer noch lange Zeit nachher beschäftigen.

 

Es war sehr hilfreich für mich und für alle, sich bewusst zu machen, welche Gefühle bestimmte Ereignisse in einem ausgelöst haben und diese zu benennen. Dabei zeigte sich, dass viele sehr ähnliche Emotionen und Gedanken beschäftigten. 

 

 

Dieter Schmidt (Ingenieur, Nesselwang):

Trotz einer positiven Grundeinstellung können Erlebnisse im Einsatz sehr belastend sein - sei es Krankheitsleid und Tod oder "nur" Spannungen im Team. Nach dem Einsatz ist es wohltuend, sich in entspannter Atmosphäre zu begegnen und die Erlebnisse auszutauschen, das Erlebte besser zu verarbeiten und so quasi auch abzuschließen.

 

Das Sich-bewusst-machen bzw. Wiederaufrufen der erlebten Anspannung und Gefühle stellt eine gute Möglichkeit dar, diese im Anschluss auch rational zugänglich zu machen. Es wird möglich, das Erlebte zu akzeptieren, die Leistung und Hilfe im Einsatz zu erkennen und so weitgehend unbelastet im täglichen Leben damit umzugehen bzw. dem nächsten Einsatz positiv entgegen zu sehen.

 

Neben einer guten Vorbereitung durch Schulungen im Vorfeld samt bestmöglicher Unterstützung eines Einsatzes halte ich die Durchführung von zeitnahen Debriefings für wesentliche Elemente einer professionell arbeitenden Hilfsorganisation.“

 

Esther Waßmuth (Krankenschwester, Wetzlar):

„Dieser Tag hat mir sehr gut gefallen und mir viele Denkanstöße gegeben. Es wurden Erlebnisse angesprochen, die ich zwar im Alltag schon verdrängt hatte, aber wie ich festgestellt habe, waren diese noch nicht verarbeitet. Schwerverletzte und traumatisierte Kinder nach einem Erdbeben zu versorgen, von denen einige Elternteile und andere Verwandte verloren, das geht nicht spurlos an einem vorbei. Auch dann nicht, wenn man schon einige Wochen zuhause ist und der Alltag sich wieder eingespielt hat.

Wichtig ist auch, in so einem Debriefing zu erfahren, das man nicht alleine ist, mit seinen Gedanken. Es ist sehr hilfreich, sich mit Leuten zu unterhalten, die das gleiche selbst erlebt haben, die Verständnis für das "Gefühlschaos" haben und die zuhören können. Ich habe zwar festgestellt, das Ehepartner, Freunde, etc. sich für die Erlebnisse in Pakistan interessieren, aber natürlich kann keiner von ihnen nachvollziehen, was dieser Einsatz innerlich wirklich für mich bedeutet hat und warum es mir Wochen danach immer noch so nahe geht.

Macht weiter so mit dem Debriefing nach Einsätzen. Es ist eine große Hilfe für die Helfenden !!!!“

 

 
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