„Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen.“
Bericht zum zweiten Teil des Outdoor-Seminars "Grundlagen der humanitären Arbeit"
„Aufbauseminar“ - so lautete anfangs die Bezeichnung für dieses Seminar. Nicht nur weil ein Lager und Zelte aufgebaut werden, sondern weil die im Einführungsseminar gelegten Fundamente auf äußerst praktische Weise vertieft werden. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Werkzeuge und Grundlagen im Bereich Teamarbeit: Im ersten Teil des Grundlagenseminars galt es zuerst einmal zu erkennen, welche Rolle „ich“ in einem Team am besten und effektivsten wahrnehmen kann und will. Bin ich ein „kreativer Innovator“, „zielstrebiger Organisator“ oder eher ein „systematischer Umsetzer“? Welche Konsequenzen hat das und was bedeutet das für die anderen in meinem Team? Wen brauch ich als Ergänzung, damit es in meinem Team „rund läuft“ und wir die vielfachen Aufgaben in einem humanitären Einsatz lösen können? All das sind Fragen, mit denen wir uns im Einführungsseminar eher theoretisch auseinandergesetzt hatten. Im zweiten Teil nun gibt es reichlich Gelegenheit, das Ganze in einem sehr realistischen Evakuierungsszenario zu testen. Wie verhalte ich mich unter Druck? Wenn ich müde bin? Wenn ich mit Unvorhergesehenem konfrontiert bin?
Den Veranstaltern rund um Jochen Schuppener und Michael Prestele gelingt es dabei - ohne sich krasser und umstrittener Methoden zu bedienen -, eine Situation zu simulieren, die die Teilnehmer erahnen lässt, wie es einem bei einer Evakuierung in einem afrikanischen Land ergehen kann. Dabei geht es nicht nur um Empfindungen und Gedanken, die einen dabei beschäftigen, sondern auch darum, zu lernen, was wichtig und richtig ist. Welche Dinge und Personen kann ich bedenkenlos mitnehmen, was und wen besser nicht? Wie erhalte ich lebenswichtige Informationen? An wen sollte ich mich unbedingt wenden? Welche Telefonnummern sollte ich mitführen, welches Ausrüstungsmaterial? All diese Punkte sind im Ernstfall von größter Relevanz und gerade deshalb will LandsAid diese fachgerecht, praktisch und professionell aber unkompliziert vermitteln.
Jedem Teilnehmer wird ganz schnell klar, dass es in solchen Extremsituationen schnell zu Missverständnissen, Konflikten und Streit kommen kann. Deshalb legt LandsAid großen Wert darauf, den Teilnehmern hier Werkzeuge in die Hand zu geben, die helfen, ganz gezielt mit diesen Störfaktoren umzugehen.
Auch Stress ist bei der Durchführung von humanitärer Arbeit im Ausland durch die meist ungewohnten, herausfordernden Umstände intern wie extern vorprogrammiert. Die Teilnehmer lernen während des Seminars auch, sich selber besser kennen. Gerade auch in der Hinsicht, wie sie selbst auf Stress reagieren und was sie tun können, um mit dem Stress umzugehen, was ihnen hilft und gut tut. Und wie wichtig es ist, einander zu akzeptieren, einander zu tragen und einander den Raum zu geben, den jeder Einzelne benötigt. Denn nur gemeinsam führt der Weg zum Erfolg: Den Notleidenden und Bedürftigen zu helfen.
Was, wenn irgendwem im Einsatz, bei einer Fahrt etwas zustößt? Wie kann erste Hilfe geleistet werden, wenn so gut wie nichts vorhanden ist und das nächste Krankenhaus 150 km entfernt liegt und im Ernstfall sowieso keine große Hilfe wäre? Hier gibt Sylvia Rohrhirsch überlebenswichtige Tipps und praktische Hilfestellungen.
Eine besondere Herausforderung für westliche, medizinische Fachkräfte in einem humanitären Einsatz sind auch die diversen Tropenerkrankungen. Wurde im Einführungsseminar darüber gesprochen, wie man sich selbst schützen kann, so erfahren die Teilnehmer nun, wie diese mit einfachsten technischen Mitteln diagnostiziert werden können und welche Behandlung sich empfiehlt.
Vielfach arbeiten die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen vor Ort in einem Einsatz auch neben Organisationen der Vereinten Nationen (UN). Wie diese strukturiert sind, welche Ressourcen sie dem Helfer bieten und wann und wie eine Zusammenarbeit zu empfehlen ist, wird den Teilnehmern anhand vieler Beispiele vermittelt. Dabei lernen sie auch durch praktische Erfahrungsberichte der Mitarbeiter. Mögliche negative und unerwünschte Nebeneffekte der humanitären Hilfe werden nicht ignoriert, sondern ihnen wird ins Auge geschaut. Verschiedene Fragen, die sich die Helfer stellen sollten, wenn sie aktiv werden wollen, werden bewusst gestellt, um Abhängigkeiten, Neid, Zwietracht und vieles mehr in den betroffenen Gesellschaften zu vermeiden.
Die verschiedenen neu erlernten und die bereits im Einführungsseminar erworbenen Lerninhalte, wie Umgang bei Minengefahr und Orientierung mit Karte und Kompass, können dann während eines Stationstrainings ganz praktisch im Team getestet werden.
Der zweite Teil des Outdoor-Seminars "Grundlagen der humanitären Arbeit" bietet somit eine gute Vertiefung und Vorbereitung für diejenigen, die bereits am ersten Teil teilgenommen haben, um sich hiermit noch besser auf die humanitäre Arbeit im Ausland vorzubereiten.

