„Sehr gute Vorbereitung für einen Einsatz im Ausland – und persönlich viel gelernt“
Bericht über das Outdoor-Seminar „Grundlagen der humanitären Arbeit" (Teil 1)
„Jedem, der sich für einen humanitären Einsatz interessiert, kann ich dieses Outdoor-Seminar dringend empfehlen,“ so das Fazit von Iris Mann, Apothekerin und Lehrkraft an der Lehranstalt für Pharmazeutisch Technische Assistenten in Kassel. Iris Mann war Teilnehmerin eines Outdoor-Seminars. LandsAid hat es sich zur Aufgabe gemacht, humanitäres Personal auf die vielfältigen Herausforderungen eines Auslandseinsatzes vorzubereiten.
Teamtrainer Jochen Schuppener, der seit 1993 im Bereich der Entwicklungshilfe arbeitet, schildert seine Motivation: „Ich habe in all den Jahren so viele hoch motivierte, engagierte, aufopferungsvolle und mutige, aber auch häufig völlig unvorbereitete Menschen im Einsatz gesehen, dass ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, auf sehr praktische Art und Weise diesen Leuten das Handwerkzeug in die Hand zu geben, was elementar für das Gelingen einer Mission ist.“ In diesem Sinn erarbeitete er in Zusammenarbeit mit erfahrenen Kollegen ein Outdoor-Seminar für ehrenamtliche humanitäre Fachkräfte. „Der Erfolg oder Misserfolg eines Einsatzes, bei dem es oft um die Rettung von Menschenleben geht, hängt in großem Maße vom Zusammenhalt im Team der Helfer ab“, so Schuppener. „In einem Hilfseinsatz ist jedoch Stress vorprogrammiert, leicht kann es zu Konflikten kommen. Funktioniert das Team nicht, ist der wirkliche Erfolg der Mission selbst auch gefährdet.“
Deshalb legt LandsAid großen Wert auf eine persönliche Atmosphäre. Egal, ob es sich um Ärzte oder Pflegepersonal handelt, um Logistiker, Betriebswirte oder begleitende Medienvertreter, was zählt ist, dass man sich gegenseitig den Rücken stärkt, sich unterstützt und miteinander die Probleme angeht. Doch wie geschieht das praktisch?
Zwei Tage und zwei Nächte lang arbeiten und leben die Teilnehmer und Mitarbeiter in einem Camp zusammen. Das Programm ist eine runde Mischung aus Lehreinheiten, Workshops, praktischem Erleben und Teamarbeit. Das Ganze beginnt mit einem gemeinsamen Transfer zum Campgelände in landschaftlich herrlicher, aber abgeschiedener Lage. Jeder Teilnehmer kommt mit Rucksack, Schlafsack und Essgeschirr und erhält schon auf dem Weg ins Camp eine Übersicht über den Ablauf und die zu verrichtenden Aufgaben. Iris Mann zum Beispiel ist für den Auf- und Abbau eines Zeltes verantwortlich. Stefan Semmelroth, Marketingfachmann aus Wiesbaden, hingegen für das Versorgungszelt und die Feuerstelle. Andere kümmern sich um die primitiven Toiletten oder die Müllentsorgung. Während der Busfahrt erfahren die Teilnehmer auch, mit wem sie für die gesamte Zeit in einer Kleingruppe zusammen agieren werden.
Nachdem das Lager gemeinsam aufgebaut wurde, erfolgt eine erste Besprechung über die Dinge, die beim Aufbau gut gelaufen sind und das, was verbesserungsbedürftig ist. Alles soll möglichst praxisnah sein, auch die Lagerbedingungen. Das gefällt auch Christl Trischler, die schon mit „Apotheker ohne Grenzen“ nach dem verheerenden Erdbeben in Pakistan geholfen hat: „Die Leute sind dann besser darauf vorbereitet, was alles auf sie zu kommen kann und werden sich schneller in ein Team einfinden und mehr Verständnis für viele Unannehmlichkeiten haben, die sich aus dem Einsatz ergeben.“
Nach der ersten Nacht gibt es nach dem Frühstück einen intensiven Workshop zum Thema „Teambuilding“. „Wer bin ich?“ und „Wen brauch ich?“ betitelt Jochen Schuppener diese beiden Einheiten, bei denen es darum geht, welche Rolle man in einem Team bevorzugt wahrnimmt und welche „Typen“ man zur Ergänzung braucht. Dabei stellt er heraus, dass gerade die Personen, die uns am besten ergänzen, auch die sind, die uns am meisten „nerven“ können. Es geht besonders darum, eine größere Wertschätzung füreinander zu erreichen. Christl Trischler meint dazu: „Am meisten habe ich gelernt über Kommunikation, Teambildung und Teamstrukturierung, Umgang mit Stress und Konflikten. Ich finde es sinnvoll, wenn diejenigen, die ernsthaft bei einem Katastropheneinsatz mitmachen wollen, an einem Kurs dieser Art teilnehmen.“
Michael Prestele, stellvertretender Geschäftsführer von LandsAid und krisenerfahrener Projektkoordinator, führt die Teilnehmer anschließend in mögliche politische Strukturen in einem Einsatzland ein. Eine Hilfsorganisation, so berichtet Prestele, ist immer nur Gast in einem Land und muss sich den Strukturen vor Ort anpassen. Auch über die Teamstrukturen eines typischen Einsatzes informiert er die Teilnehmer ausführlich und anschaulich mit vielen praktischen Beispielen. Danach gibt es Tipps und Empfehlungen zum Thema Material und Ausrüstung.
Am Nachmittag gehen die Vorträge unter strahlend blauem Himmel weiter. Marcel Kruijer, Berufsoffizier und Rettungshubschrauberpilot (Fachgebiet Bergung von Minenopfern), macht die Gruppe mit der Gefahr von Landminen vertraut. Das geschieht zunächst theoretisch, bevor die einzelnen Teams später durch einen speziell mit Minenattrappen präparierten Parcours laufen müssen. Leider sind in vielen Ländern, in denen Hilfseinsätze stattfinden, auch Landminen verlegt. Wie diese zu erkennen sind und wie man sich davon fernhält, darum geht es Marcel Kruijer vor allem. Er erklärt jedoch auch, wie man sich als medizinische Fachkraft zu verhalten hat, wenn es zu einer Explosion gekommen ist. „Immer wieder sind auch Teilnehmer bei den Camps dabei“, so Jochen Schuppener, „die Minenkennzeichungen in Einsätzen vorgefunden haben, aber keinerlei Ahnung hatten, wie sie damit umgehen sollten.“ Bei manchem macht sich Betroffenheit breit.
Nach einer Einführung in die Technik des Kartenlesens und dem Umgang mit dem Kompass brechen die Teams anschließend zu einem kleinen Orientierungsmarsch auf. Während all dieser praktischen Übungen ergeben sich reichlich Gelegenheiten, als Team mit- und voneinander zu lernen, was den Veranstaltern besonders wichtig ist.
Am Lagerfeuer bietet sich dann die Gelegenheit des ehrlichen Austausches über die Erfahrungen des Tages. Ein Einsatzbericht aus Pakistan von Krankenschwester Sylvia Rohrhirsch gibt Einblick in die verschiedensten Herausforderungen, mit denen die Teilnehmer eines Einsatzes zu tun haben. Müde und satt verschwindet einer nach dem anderen in sein Zelt und in einen hoffentlich warmen Schlafsack. Nachts fallen die Temperaturen auf minus sechs Grad, einige übernachten trotzdem im Freien.
Am nächsten Morgen, nach einer Tasse Kaffee und einem einfachen Frühstück, beleuchtet Jochen Schuppener mit den Teilnehmern die Möglichkeiten und auch Tücken der Kommunikation. „Misskommunikation ist der Konfliktfaktor Nummer eins“, führt er aus und gibt den Teilnehmern Werkzeuge zur Hand, wie Misskommunikation verhindert werden kann. Axel Bethke, Geschäftsführer einer Marketingagentur aus Wiesbaden, „hat das Gefühl, durch diese Arbeit auch persönlich stark profitieren zu können.“ Über das Thema Kommunikation kommt die Gruppe schließlich auch auf interkulturelle Herausforderungen zu sprechen.
Krankenschwester Sylvia Rohrhirsch rundet die Thematik des Tages ab mit Ausführungen und wertvollen Tipps zu Eigenschutz und Gesundheitsvorsorge. Dabei spricht sie über Hygiene, Ernährung und Impfungen.
Nach dem Zeltabbau und einer Brotzeit bringt der Reisebus die Teilnehmer wieder zum Ausgangspunkt zurück. Die meisten sind voll neuer Gedanken und Ideen, aber auch ein bisschen müde.
Jeannette Junker, als Krankenschwester seit einem Jahr in Südafrika in der Entwicklungshilfe tätig, fasst schließlich für die Mitarbeiter von LandsAid ermutigend zusammen: „Ich hatte keine Vorstellung, was mich erwartet. Ein geniales Wochenende - es ist echt eine gute Voraussetzung und eine super Erfahrung, so ein Seminar mitzumachen.“
LandsAid e.V. bietet diese Seminare allen Interessierten an. Ganz gleich ob diese sich bei LandsAid registrieren lassen oder bei einer anderen Organisation mitarbeiten. Darüber hinaus möchte LandsAid e.V. diesen Service als Dienstleister auch anderen Hilfsorganisationen anbieten die evtl. nicht die Ressourcen und Mittel einer solchen Vorbereitung haben.
Nähere Infos telefonisch unter 08191-4287832 oder per eMail an Barbara Letzner.







