Uganda-Tagebuch von Marion Koerbel
Hier können Sie die Reise unserer Mitarbeiterin Marion Koerbel nachlesen, die sich von 20. Januar bis 25. Februar 2007 für LandsAid in Uganda aufhielt. Einen Eindruck von Uganda vermittelt die Bildergalerie ; und Informationen zum Projekt in Karuguuza finden Sie hier ...
Donnerstag, 18. Januar 2007 - Wiesbaden
Am Samstag um 15.10 Uhr geht mein Flieger von Frankfurt am Main über Kairo nach Entebbe - fünf Wochen Uganda vom 20.1. bis 25.2.07 liegen vor mir. Der Focus der Reise liegt auf drei Schwerpunkten:
· den Bau des Gesundheitszentrums in Karuguuza begutachten und dokumentieren,
· aktuelle Informationen zum Gesundheitswesens von Uganda zu erwerben und
· einen Überblick über zukünftige Tätigkeitsbereiche für LandsAid in Uganda zu erlangen.
In Entebbe werde ich sehr früh am Morgen, gegen 3.54 Uhr landen. Dort erwartet mich ein Fahrer der Emesco Development Foundation und fährt mich vorerst nach Kampala. Die ersten vier Tage werde ich in der Hauptstadt verbringen. Diese Zeit möchte ich für Besuche bei der Deutschen Botschaft und dem Gesundheitsministerium nutzen, um erste Informationen bezüglich der aktuellen Situation des Gesundheitswesens von Uganda zu erhalten. Diesbezügliche Vorrecherchen haben die letzten Wochen meiner Freizeit ausgefüllt. Ich bin gespannt auf den Informationsaustausch vor Ort.
Die letzten Tage in Deutschland sind gefüllt mit Reisevorbereitungen: Traveller Checks, medizinischer Prophylaxe, Absprachen mit LandsAid etc., etc.
Ich freue mich auf Uganda und die Menschen, denen ich begegnen werde!!!
Marion
Montag, 22. Januar 2007 - Kampala, Uganda
die erste e-mail aus Uganda! Ich bin gut angekommen. Emely Kugonza hat mich persoenlich abgeholt und zusammen mit einer Mitarbeiterin und dem Fahrer zu meinem Guest House in Kampala gebracht. Die Unterbringung ist sehr angenehm und sauber. Und - ein Ruhiger Platz zum Arbeiten und ausruhen. Ansonsten geht es mir sehr gut! Es ist wundervoll wieder afrikanische Luft zu atmen und rote Erde unter den Fuessen zu haben. Dies vorerst von mir
Alles Liebe fuer Euch alle bei LAndsAid
MArion
Dienstag, 23. Januar 2007 - Kampala
8.30 Uhr pünktlich zum Termin im Gesundheitsministerium (MOH). Eine Lektion ,die man in Afrika lernen muss, ist ein anderes Verständnis von Zeit zu entwickeln. Zum vereinbarten Zeitpunkt ist nur die Sekretärin im Büro anwesend, nach und nach kommen immer mehr Personen dazu. Gegen 9.00 Uhr trift schließlich der Commissioner ein......ich beschließe gegen 9.40 Uhr zu gehen, um bei meinem zweiten Termin im Mulago Hospital pünktlich zu sein.
10h im Mulago Hospital, mein Gesprächspartner ist nicht da. Ein sehr geräumiges Treppenhaus. Auf den Gängen sitzen und stehen Menschen. Ich setze mich auf eine Bank zu den wartenden Patienten und hoffe nicht vergessen zu werden. Gegen 10.20 Uhr winkt mir die Empfangsdame zu „Dr. Gregory sei nun zu sprechen“. Wir unterhalten uns in einem kleinen Raum (ca. 4x3 m), letzterer ist zur gleichen Zeit Lagerraum, Umkleideraum, Aufenthaltsraum und Arztzimmer für das gesamte Personal: Ärzte, Schwestern, Techniker, Raumpfleger etc.. Dr. Gregory, Direktor der Abteilung für „Hals, Nasen und Ohren“ im Mulago Hospital, erklärt, ein Problem unter vielen sei, dass bei dem Bau des Krankenhauses vor ca. 50 Jahren, keine Büros oder Aufenthaltsräume eingeplant wurden. Das bedeutet, dass Ärzte keinen Ort haben an dem sie in Ruhe ihre Patientenberichte schreiben können oder in denen sich das gesamte medizinische Personal zurückziehen kann.
Das Mulago Hospital ist das größte staatliche Krankenhaus in Uganda.
Mittwoch, 24. Januar 2007 - Kampala
9.00 Uhr nächster Termin im Gesundheitsministerium. Wieder ist mein Gesprächspartner in einem Meeting, ich warte – gegen Mittag entschuldigt sich die Sekretärin, ein Gesprächstermin heute sei doch nicht möglich. Ich versuche an anderer Stelle herauszufinden, wo ich eine Liste von NGOs, die im Gesundheitssektor arbeiten bekommen kann – leider ohne Erfolg, man verweist mich zum Ministerium für Innere Angelegenheiten.
Im Statistischen Bundesamt von Uganda versuche ich aktuelle Daten von Uganda zu bekommen, auch hier ist die zuständige Person gerade nicht anwesend - nächste Woche wieder – aber in dem Gebäude gibt es eine öffentlich zugängliche Bibliothek mit Informationen zum Thema Health, Gender, Development etc..Es folgt ein Besuch beim „Uganda National Forum for NGOs“. Ein Forum in dem viele, in Uganda tätige NGOs Mitglied sind. Sie vermitteln Kontakte zwischen national arbeiten NGOs und potentiellen Gebern oder stellen für letztere Verbindungen zu national arbeitenden NGOs her. Aktuel sind sie dabei ein Quallitätsmanagement für ugandische NGOs zu entwickeln. Hier erhalte ich eine Liste der NGOs, die bei ihnen registriert sind. Mein erster Eindruck von diesem Forum ist positiv, ich werde fundiert, differenziert und hilfsbereit informiert. Desweiteren Besuche ich „Oxfam“, eine große international arbeitende NGO, die insbesondere im Norden Ugandas tätig ist. Laut Aussage des Forums für NGOs, ist Oxfam in Uganda ein guter Ansprechpartner, um Informationen zur Sicherheitslage von Nord Uganda zu bekommen. Außerdem könnten sie dort Auskunft über fehlende Hilfsmassnahmen in dieser Region geben.
Freitag, 26.Januar 2007 - Kampala-Karuguuza
Um 11.00 Uhr Abfahrt nach Karuguuza. Ein Fahrer von Emesco und Carry, eine Peace Corps Mitarbeiterin, holen mich pünktlich ab. Die Fahrt dauert ca. vier Stunden. Von Kampala aus geht es Richtung Westen. Der letzte Teil der Strecke ist reine Piste. In der Regenzeit ist diese Strecke sehr schlecht zu befahren. Sobald das Fahrzeug näher kommt springen Fußgänger und Fahradfahrer in den Busch. Kein Auto reduziert die Fahrt für einen Fussgänger, hupen reicht.
Am Nachmittag erste Besichtigung der Baustelle des Gesundheitszentrums. Der Rohbau steht bereits – am Montag sollen die Dachbleche befestigt werden.
Samstag, 27. Januar 2007 - Karuguuza
Die angehängten Bilder sind von Freitag, den 26.1.2007. Emely sagte, das DAch des HC wird Montag gedeckt. Es ist beeindruckend wie organisiert hier alles verlaeuft. kaum zu glauben.
Montag, 29. Januar 2007 - Karuguuza
Heute habe ich einen Spitznamen bekommen. Im Westen Ugandas ist es üblich den Menschen, die man respektiert und denen man freundschaftlich verbunden ist einen Spitznamen zu geben. Es gibt 12 solcher Spitznamen. Mir wurde der Name „Akiki“ gegeben, was soviel heißt wie „The one who save the nation“.
Am Nachmitag ging es hinaus in ein Village mit dem Namen „Kitoma“, ca. 20 Minuten Autofahrt von Karuguuza entfernt. Hier konnte ich an einem Training zur Übertragung von HIV/AIDs teilnehmen. Es waren 50 Dorfbewohner anwesend. Fragen wie, kann HIV/AIDs von Moskitos übertragen werden, wurden diskutiert.
In den ländlichen Gegenden ist großer Bedarf an Aufklärungsarbeit zu Themen wie HIV/AIDs Übertragung, Malariaprophylaxe, Wasser und Hygiene.
Dienstag, 30. Januar 2007 - Karuguuza
leider habe ich im Moment Schwierigkeiten meine Berichte und Fotos zu senden. Zum einen ist der Generator im Hotel zu schwach, so dass ich die Berichte nicht in den LApTop schreiben kann, zum anderen gibt es Schwierigkeiten mit dem Senden der E- Mails. Die Antenne arbeitet nicht immer. So versuche ich es immer wieder.
Den ganzen Nachmittag war ich mit dem Programm Manager für „Community Health“ und Carry, der Peace Corps Mitarbeiterin von der NGO Emesco unterwegs. Wir besuchten verschiedene Dörfer in denen die NGO Emesco arbeitet. Die ländliche Bevölkerung ist hier in ein Programm eingebunden, in dem sie grundlegendes Wissen zu Hygiene, Landwirtschaft und Gesundheit lernt. In einer Gemeinschaft von ca. 100 Menschen wird ein Verantwortlicher für Gesundheit gewählt, der als sog. „Community Health Worker“ ausgebildet wird. Diese Ausbildung beinhaltet grundlegendes medizinisches Wissen. Die „Community Health Worker“ werden mit einem Fahrad und einem Erste Hilfe Kasten ausgestattet, dadurch sind sie in der Lage in Krankheitsfällen wie Malaria eine Medikation zu verabreichen. Die nächstliegende Gesundheitsstation ist oftmals viele Kilometer entfernt und schwer zu erreichen.
Mittwoch, 31. Januar 2007 - Karuguuza
Oroho ota? (Wie geht es Dir?) Kurungi! (gut!)
Ich mache Fortschritte, zumindest kann ich jetzt bereits in „Runyoro“ Grüßen. In Karuguuza, wird diese Sprache von den meisten Menschen gesprochen.
Heute besuche ich das staatliche Gesundheitszentrums von Kibaale District.
In dieses Gesundheitszentrum kommen ca. 150 Patienten täglich zu Konsultationen. Die hygienischen Verhältnisse sind schlecht, die Betten sind verrostet und die Matratzen haben keinen Bezug mehr. Es liegen vereinzelt alte Schaumstoffmatten auf den Eisengestellen. Hier ergibt sich ein ähnliches Scenario wie in den meisten staatlichen Einrichtungen: Medizinisches Personal ist unterbesetzt und schlecht bezahlt. Medikamente werden zwar kostenlos von der Regierung offeriert, tatsächlich wird jedoch gerade ein Drittel der benötigten Medikamente geliefert.
Donnerstag, 1. Februar 2007 - Karuguuza
Heute war ich bei der Wahl eines „Community Health Workers“ und der Wahl einer Verantwortlichen für „Traditional Birth Attendance“ dabei. Gleichzeitig fand ein Sensibilisationstraining für HIV/AIDs statt. Um zu diesem Ort zu kommen mussten wir eine lange unwegsame Strecke mit dem Jeep zurücklegen. Die letzte Wegstrecke war nur noch zu Fuss möglich. Im Schatten eines Baumes versammelten sich ca. 47 Menschen, um an dem Meeting teilzunehmen.
Samstag, 3. Februar 2007 - Karuguuza
An den Wochenenden ist das Büro nicht besetzt, so nutzten Emely und ich die Zeit zur gemeinsamen Überprüfung der Buchhaltung, Absprachen über Veränderungen in der Bauplanung, Kostenvoranschlägen und zukünftigen Bauvorhaben.
Am Nachmittag traf ich einen medizinisch technischen Laboranten, der im Mulagohospital in Kampala arbeitet und parallel dazu ein eigenes med. Labor unterhält. Eines der größten Probleme sei, dass es keine Spezialisten für die Wartung und Reparatur der elektronischen Geräte gäbe. Fällt beispielsweise eine Kallibrationsmaschine aus, muß ein Spezialist aus Nairobi kommen oder telephonisch Hilfesstellung zur Reparatur leisten.
Sonntag, 4. Februar 2007 - Karuguuza
Den Vormitag verbringe ich mit dem Waschen meiner Kleidung zusammen mit den Hotelangestellten. Nebenbei hören wir Emelys Stimme aus dem Radio. Gemeinsam mit einigen Regionalpolitikern wurde er geladen über das Thema „Development“ zu diskutieren. Die Sendung geht vier Stunden lang. Das Radio ist ein wichtiges Informationsmedium in Uganda.
Am Nachmittag geht es wieder ins Büro - zurück zur Kalkulation.
Montag, 5. Februar 2007 - Karuguuza
Wieder ein Tag im Büro, während ich schreibe fliegen gerade ein paar Schwalben durch den Raum und gegenüber kommen die Kinder aus der Grundschule. Es ist der erste Schultag nach den Ferien!
Morgen plane ich ein Sammeltaxi nach Kampala zu nehmen, um dort weitere Recherchen machen zu können. Einmal am Tag gegen 4.00 Uhr früh, fährt ein „Matatu“ von Karuguuza nach Kampala.
Mittwoch, 14. Februar 2007
Wir konnten in den vergangenen Tagen mit Marion telefonieren. Leider hatte sie sich auf ihrem Laptop einen Virus eingefangen, und nachdem dieser beseitigt war, hatte sie Probleme mit dem Versenden von eMail über das Internet-Cafe. Daher warten wir immer noch auf ihre neuesten Tagebucheinträge.
Samstag, 17. Februar 2007
ich versuche bereits die ganze Woche vernuenftige Berichte und Tagebucheintraege zu schreiben und zu senden. Leider funktioniert sowohl die Removable Disc nicht mehr richtig, wie auch der LapTop speichert meine Berichte nicht mehr vollstaendig. Obwohl ich ein Antivirusprogramm benutzt habe, bekam ich gerade wieder die Bemerkung Virus im System, Remove Disc kann Anhaenge nicht senden. Tut mir super leid. Marion
Die Kommunikation ist damit erst einmal auf das Telefon beschränkt..
Dienstag, 27. Februar 2007
Wieder zurück in Deutschland - Bis auf die letzten zwei Tage, in denen ich noch einmal die Baustelle des Gesundheitszentrums in Karuguuza und die Emesco Development Foundation besucht habe, verbrachte ich die letzten Tage meines Ugandaaufenthalts in Kampala. Meine Recherchen betrafen die nördliche Region Ugandas. Dort leben zum Teil 90 % der Bevölkerung in Camps, aufgrund der Rebellenaktivitäten der LRA. Mein Interesse galt einer evtl Tätigkeit LandsAids in dieser Region. Daher konzentrierte ich meine Recherchen zum einen auf die Sicherheitssituation und zum anderen auf Bereiche im Gesundheitswesen, die einer evtl. Unterstützung bedürfen.
Die Gegend mit den größten „needs“ im Gesundheitswesen ist die „Karamoja“ Region, im Nordosten Ugandas. Hier leben viele nomadisierende Viehhirten. Die Bevölkerung in diesem Gebiet gilt als oppositär zur ugandischen Regierung und deren Dezentralisierungsprozessen. Nahezu täglich kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und der indigenen Bevölkerung. Zur Zeit wurde von Seiten der UN, wie auch von Seiten verschiedenster internationaler humanitärer Organisationen von einer Arbeit in dieser Region, aus Sicherheitsgründen abgeraten.
Des weiteren besuchte ich PROMETRA (Pro Medizin Traditionell). Es handelt sich um die ugandische Tochterorganisation von Prometra International, die ca. 22 Tochtergesellschaften in Afrika, Europa, der Karibik und den USA hat. Prometra setzt sich für den Erhalt und die Erforschung der traditionellen Medizin ein. Traditionelle Heiler werden u.a. aus- und weitergebildet in Pflanzenheilkunde, Anatomie, Physiologie, Diagnostik, sowie in der Erkennung und Prävention von HIV/AIDs, Maßnahmen zur Unterstützung des Immunsystems und der psychischen Betreuung von AIDs Kranken. Insbesondere in den ländlichen Gegenden von Uganda, wie beispielsweise dem Mpigi Distrikt, steht für ca. 250.000 Menschen ein med. Arzt zur Verfügung, zusätzlich ist letzterer häufig weit entfernt (bis zu 50 km, zum Teil unwegsames Gelände). Traditionelle Heiler hingegen gibt es in jedem Dorf, auf ca. 187 Menschen kommt ein traditioneller Heiler. Da sich die arme Bevölkerung meist keine medizinische Behandlung leisten kann, oder gar einen Transport zum nächsten Gesundheitszentrum finanzieren, ist es ein Anliegen Prometras, traditionelle Heiler in ihrer Kompetenz zu unterstützten und fortzubilden, um so - ähnlich wie „community health worker“ - eine bessere med. Grundversorgung der ugandischen Bevölkerung leisten zu können.
Wieder zu Hause bin ich dabei die Ergebnisse der Recherche zu sortieren und auszuwerten. Am 15. 3. 07 werde ich bei LandsAid einen zusammenfassenden Vortrag zu meiner Ugandareise halten.
Die Zeit in Uganda war in vielerlei Hinsicht sehr bereichernd für mich. Auffallend war die ausgesprochene Freundlichkeit, Offenherzigkeit und Hilfsbereitschaft der Ugander, wo auch immer ich war. Abgesehen von der Armut und der mangelnden Infrastruktur in vielen Gegenden Ugandas, verfügt dieses Land über eine beeindruckende Landschaft, sowie über eine reichhaltige Fauna und Flora.


