Kenia-Tagebuch von Sylvia Rohrhirsch und Freia Dondorf
An dieser Stelle berichteten Sylvia Rohrhirsch und Freia Dondorf über ihre Ausbildungskurse in Erster Hilfe und Wundversorgung im Norden Kenias. Hintergrundinformationen zum Projekt finden Sie hier
Montag, 30. Oktober 2006 - Die Vorbereitungen haben begonnen
Es ist noch eine ganze Weile hin, die Reise mit Freia nach North Horr. Doch bereits vor ca. 4 Wochen habe ich mit den Vorbereitungen für die Schulung begonnen.
Als Michael und Jochen mich Anfang September fragten, ob ich mir vorstellen könnte, in Nord Kenia Kurse in Erster Hilfe und Wundversorgung durchzuführen, habe ich spontan "ja" gesagt. Aber nachdem ich allein erziehende Mama von 2 Mädchen bin - sie sind zwar schon groß (20 und 17 Jahre alt) - musste ich dies erst mal mit ihnen absprechen. Wird zu Hause alles „rund“ laufen? Nun, Christina studiert in Augsburg, für sie kein Thema, da sie ja selber bereits an einem Seminar von Landsaid teilgenommen hat und auch mit dem Gedanken spielt, nächstes Jahr an einer Dorfschule in Thailand zu unterrichten. Und Elisabeth, wie wird Sie reagieren? Ihre Antwort auf meine Zweifel: „Ich wünsche dass Du fährst! Die 3 Wochenenden sind doch kein Problem! “ Und wie schön, dass meine Eltern und meine Geschwister auch hinter mir stehen. Eine bessere Familie kann man sich nicht wünschen!
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Und wie sieht es von Seiten des Arbeitgebers aus? Einfach mal so 4 Wochen Urlaub nehmen? In der heutigen Zeit bei uns keine Selbstverständlichkeit. Aber, die Genehmigung habe ich, 2 Wochen Urlaub und 2 Wochen „Überstunden frei“. Dann kann es ja los gehen. Der Flug ist gebucht, die Tickets liegen im Büro.
Wie führt man eine Erste Hilfe Schulung durch, in einem Land so ganz anders als in Deutschland?
Welche Erkrankungen gibt es dort?
Wo liegt die Häufigkeit der Verletzungsmuster?
Wer ist genau die Zielgruppe?
Schön, dass Susanne und Albert so viele Infos aus Kenia mitgebracht haben.
Nun sitze ich regelmäßig vor meinem Laptop und erstelle ein Handout für die Menschen im Norden Kenias. Dort, wo es nicht die Telefonnummer 112 gibt, die einem innerhalb 12 Minuten einen Notarzt samt Rettungswagen vorbeischickt, der den Erkrankten dann in das für ihn geeignete Krankenhaus bringt.
Das geschriebene Wort gibt es bei den Gabbras noch nicht so lange; also möglichst einfache Sätze, viele Bilder!
Und die Zeit drängt!
Schließlich muss das Ganze ja auch noch Korrektur gelesen und dann auf Englisch und Kisuaheli übersetzt werden.
Welche Sprache werde ich sprechen?
Logisch, die Schulungen werden auf Englisch mittels Übersetzer durchgeführt, den uns die Missionsstation in North Horr zur Seite stellt.
Trotzdem, ich möchte mich auch gerne mit den Menschen in ihrer Sprache unterhalten, schließlich werden wir für einige Zeit Gast dort sein und auch einen Teil des Alltags mit Ihnen verbringen.
Wo lernt man Kisuaheli?
Kein Problem bei uns in Deutschland! In 2 Wochen beginne ich mit einem Sprachkurs. Mal sehen, mit 43 lernt man ja nicht mehr so leicht, wie mit 20. (Meine Töchter belächeln mich: „Mama, Du machst das schon“)
Dieses Mal kann ich mich wirklich in Ruhe und gut auf meine Mission vorbereiten.
Ich habe genügend Zeit mein Impfbuch und Reisepass zu kontrollieren. Ich kann mich vorher über die Sitten und Gebräuche, über die Kultur informieren. Ganz anders als im Katastropheneinsatz, bei dem innerhalb einer Stunde entschieden werden muss, ob man am gleichen Tag, spätestens aber nach 24 Stunden einsatzklar ist. Wie gut, dass Landsaid die Interessierten und ehrenamtliche Mitarbeiter für jede Eventualität in den Seminaren sehr gut vorbereitet.
Ich auf jeden Fall bin es!
Kwaheri ya kuonana – Good by – Bis bald
Sylvia
Sonntag, 26. November 2006
Habari za jioni – Good Evening – Guten Abend! Es ist Sonntag, spät abends, und ich denke es wird mal wieder Zeit, Sie auf dem Laufenden zu halten. In der vergangenen Woche gab es ein Treffen zwischen Susanne, Albert, Freia und mir. Die Schwerpunkte der Schulungen in Kenia stehen nun fest!
Als Zielgruppen, die als Multiplikatoren vor Ort anschließend tätig werden, sind definiert:
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- Lehrer der Schulen im District Marsabit, die das Wissen ihren Schülern weiter geben werden.
- Traditionelle Hebammen
- Medical Assistents, die bereits eine medizinische Grundausbildung haben, aber nicht bezüglich Erster Hilfe bei Notfällen.
- Basic Medical Assistents, die in den einzelnen Gesundheitsstationen mitarbeiten, aber keine Ausbildung haben.
- Die Polizisten vor Ort, da diese zum Teil die Verletzten transportieren und sich wohl sehr oft der Dringlichkeit eines Notfalls nicht bewusst sind, weil Sie diesbezüglich noch nie geschult worden sind.
- Die Missionare, die den eigentlichen Krankentransport durchführen und schon sehr oft vor Notfällen standen, aber ebenfalls nicht genau wussten was am besten zu tun ist.
Insgesamt werden es ca. 100 Personen sein, die in diesen 3 Wochen die Schulungen und das Training durchlaufen. Als nächsten Schritt werden wir nun Kontakt mit einem Ansprechpartner in North Horr aufnehmen, damit dort alles so weit organisiert ist und wir sofort bei Ankunft beginnen können. Die Medical Assistents und Basic Medical Assistants werden wir an ihren Arbeitsstellen vor Ort trainieren. Denn dort wo man arbeitet, macht es auch am meisten Sinn zu lernen, um das Gelernte später auch sinnvoll umzusetzen. Und wir können unser Training so besser auf die spezifischen Bedürfnisse und auf die Möglichkeiten, die an Ort und Stelle vorliegen, anpassen. Das bedeutet aber auch: wir werden oft einen halben Tag unterwegs sein, um an die einzelnen Gesundheitsstationen zu kommen! Um die Fahrtzeiten möglichst gering zu halten, sind wir sehr auf die Organisation und Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern vor Ort angewiesen. Veronika, die in Marsabit die ganze Logistik in Sachen Gesundheitswesen unter sich hat, will sich darum kümmern.
Bereits jetzt wurde angedacht, und auch die Bitte von North Horr schon geäußert, in ca. einem Jahr noch einmal das Training durchzuführen, um das Wissen aufzufrischen und zu vertiefen. Ziel ist, dass die Basismaßnahmen der Ersten Hilfe in Nord-Kenia mittels Schneeballsystem von dem von uns geschulten Personen an möglichst viele Menschen weitergegeben wird. Große Hoffnung setzen wir dabei in die Lehrer. Sie genießen in den Dörfern sehr hohes Ansehen wollen die Erste Hilfe mit in den Unterricht aufnehmen. Als zweiten Schritt können die Kinder die Maßnahmen ihren Eltern, Onkeln und Tanten zeigen und diese zeigen es dann…
Gut, dass ich mich entschlossen habe, den Kisuaheli Kurs zu besuchen. Denn nun weiß ich bereits, wie man die Leute - je nach Stand und Situation - richtig begrüßt - und was man auf keinen Fall sagen darf! So ist es doch fast überall auf der Welt: wenn die Begrüßung passt, man den Menschen zeigt, dass man sich wirklich für sie interessiert, ihnen mit offenen Herzen begegnet und sich bemüht ihre Sprache zu sprechen, dann erreicht man schneller und leichter ihre Akzeptanz, obwohl man ein Fremder ist.
Nun aber genug für heute. Ich werde jetzt meinen PC ausschalten und freue mich auf mein Bett in einem wohl temperierten Zimmer. In North Horr und Umgebung erwarten uns bis zu 45 Grad und nachts soll es nur unwesentlich abkühlen…
Kwaheri ya kuonana – Good Bye – Bis bald, Sylvia
Sonntag, 3.12.2006
Habari za mchana – Guten Tag!
Trotz meines Computerabsturzes - von meiner Seite aus steht das Handout zur Schulung der Menschen im Norden Kenias. Nun habe ich das Ganze unserem verantwortlichen Arzt Rolf Gierer geschickt, der es noch mal Korrektur liest bevor es dann auf Englisch und Swahili übersetzt werden muss.
Ursprünglich sollten die Schulungen mittels Flanellogramme (auf Tuch gedruckte Bilder) unterstrichen werden, doch leider konnte bisher keine Firma (weder in Deutschland noch im Ausland) gefunden werden, die so etwas herstellt. Kennen Sie vielleicht jemanden? Wenn nicht, ist es nicht so schlimm, denn erste Hilfe lernt man ausschließlich durch TUN.
Nun stellt sich die Frage, wie viel Gepäck haben wir dabei? Jochen hat sich schlau gemacht: Da wir mit ÄgyptAir fliegen, darf es nicht mehr als 25 kg (einschließlich der persönlichen Sachen, wie Kleidung, Schlafsack, Reiseapotheke etc.) wiegen, sonst müsste LandsAid einen teuren Aufpreis für Übergepäck übernehmen. Das heißt für uns gut überlegen und schon mal „Probewiegen“.
Ursprünglich wollten wir diese Woche mit Veronika in Marsabit Kontakt aufnehmen, aber durch die schrecklichen Überschwemmungen und laut Meteorologen noch weiter anhaltenden starken Regenfälle, haben die Leute dort im Moment wohl sichere andere Sorgen. Also werden wir noch etwas warten, bis sich die Lage - hoffentlich bald – wieder beruhigt.
Schon verrückt – nach der schrecklichen Dürre kommt die verheerende Flut. Sollte es Neues geben am Horn von Afrika, werden wir Sie auf dem Laufenden halten!
Kwaheri ya kuonana – Good Bye – Bis bald!
Sylvia
Sonntag, 24.12.2006 - Weihnachten
Inzwischen habe ich e-mail Kontakt mit Veronika aus Marsabit. Michael hat sich bereits bei seinem Aufenthalt in Kenia mit Veronika getroffen. Mitte Januar findet ein meeting in Marsabit aller head nurses and medical assistance in Marsabit statt. Veronika wird hier die Gruppen, die von uns geschult und trainiert werden sollen, zu je 20 Teilnehmern, zusammenstellen. Weiterhin habe ich jemanden gefunden, der das Handout in Swahili übersetzt und mein Kiswaheli-Lehrer hat über Freunde in Nairobi einen „Boranasprechter“ finden können, der das Ganze hoffentlich in Borana übersetzen wird.
Sylvia
Donnerstag, 1.2.2007 - Kaufbeuren
Die Zeit vergeht wie im Flug und in gut 3 Wochen sind wir schon in Kenia. Ich habe für die Geburtshilfe einiges Anschauungsmaterial ,einige Poster,,ein Becken mit dazu passender Puppe (mit tastbaren Fontanellen) besorgt. Dazu muß ich sagen ,daß ich von dem Versand Rikepa Demo fast alles gegen Spendenquittug bekommen habe. Ich habe leider von North Horr keine genauen Angaben über die Aufgaben wegen Geburtshilfe bekommen. Doch ich denke nach 36 Jahren Hebammentätigkeit kann ich das auch ohne große Vorbereitung. Unterlagen und Bücher nehme ich mit. Meine Nachtlektüre zur Zeit ist das Buch "Kauderwelch,Kisuaheli" Heute habe ich noch eine Milchpumpe (Handpumpe) erbettelt ,und bekomme noch ein paar Schleimabsauger für Neugeborene. Ich hoffe ,daß ich dann bald alle wichtigen Sachen habe.Das wäre es für heute
Freia
Freitag, 23.2.2007 - Bellenberg
In zwei Tagen werden wir abreisen! Laut Planung werden wir am Montag um 04.00 Uhr Ortszeit in Nairobi sein. Dort wollen wir alle nötigen Einkäufe erledigen, um dann am Dienstag mit dem Auto loszufahren. Wir hoffen am Donnerstag an unserem ersten Schulungsort in North Horr anzukommen.
Gestern gab es noch ein letztes Treffen mit dem verantwortlichen Projektteam im Büro in Kaufering. Die letzten offenen Fragen wurden geklärt und noch einmal ein Telefonat mit Kenia geführt.
Jetzt kann`s losgehen. Nun heißt es nur noch packen!
Bis bald aus Kenia,
Sylvia
Montag, 26.2.2007 - Nairobi, Kenia
Heute frueh um 5 Uhr sind wir endlich in unserer Unterkunft angekommen. Viel Schlaf gab es nicht, da um 7Uhr der Wecker klingelte. Wir waren heute den ganzen Tag in Nairobi unterwegs um alles noetige fuer die naechsten 4 Wochen einzukaufen. Morgen frueh um 5 Uhr geht es los nach Marsabit. Von hier aus werden wir auch das letzte mal die Moeglichkeit haben per email mit zu Hause Kontakt aufzunehmen. Wir werden jetzt noch das Auto beladen. (Die Achse muss auch noch repariert werden). Beim Abendessen wird es noch eine kurze Abschlussbesprechung geben und dann werden wir wohl tot muede ins Bett fallen.
Gruesse an zu Hause
Sylvia und Freia
Dienstag, 27.2.2007 - Nairobi
5.00 Uhr Abfahrt Nairobi.
8.00 Uhr Fruestueckspause und wieder Teilweises Entladen des Autos, da hoffnungslos Ueberladen.
Einkauf von weitern Lebensmitteln wie z.B. Kartoffeln f[r den Workshop und Stoff f[r Dreiecktuecher.
Wahrtend der Fahrt zwe kleinere Pannen. Ca. 100 km vor Marsabit auf ein Pannenauto gestossen, die Probleme mit den Raedern hatten. Ca. 2 Stunden versucht zu helfen jedoch nicht erfolgreich. Haben dort 2 Mitarbeiter der franzoesischen NGO Solidairte getroffen. Sind auf dem Weg ueber Marsabit nach North Horr. Wurden von der lokalen NGO PISP (www.pisp.de) angefordert. food security, water programm und Sanitaeranlagen. Werde versuchen evtl. morgen PISP zu besuchen. Hoffe, die Leute in North Horr noch einmal zu treffen.
Ankunft Marsabit> 22.30 Uhr
Das Wetter ist auserst ungewoehnlich fuer die Jahreszeit. Gestern Nacht hat es in North Horr geregnet. die schwuele Hitze sei laut Einheimischen unertraeglich und Malariagefahr enorm.
Hubert aus North Horr hat Malaria, die wahrscheinlich auch Leber betroffen hat. Werden versuchen in Marsabit Med. fuer ihn zu bekommen.
Weiterhin ist geplant: Treffen mit Sr. Regina wegen den Trainings in Lojangala und Korr.
Geh Jetzt ins Bett, bin tot muede!
Sylvia
Mittwoch morgen, 28.2.2007 - Marsabit
Haben heute erfahren, dass es Strieterein zwischen Borana und Gabra in der NNaehe von North Horr gab. Es wurde geschossen, wir werden sehe ob es Verletzte oder Tote gab.
Bin etwas in Eile, da wir unbedingt jetzt dann los fahren wollen.
Die Fahrt nach North Horr dauert zwischen 6 und 7 Stunden wenn alles gut laueft. Na, ja eine Panne haben wir bestimmt wieder - aber pole pole.
Leider ist es hier nicht moeglich Fotos zu schicken schade, haben extra welche gemacht.
Uns geht es allen gut, wir schwitzen nur jetzt schon wie die Ochsen :-).
Mittwoch abend, 28.2.2007 - North Horr
Heute fuhren wir von Marsabit nach North Horr. Immer wieder wurden wir unterwegs von Nomaden aufgehalten. Doch hier wollten sie von uns keine Stifte oder Geld, nur ein bischen Wasser. Der Weg zur nächsten Wasserstelle ist weit, oft 50 km oder mehr. Das Wasser ist sehr salzig. Bei 45° Hitze lernen auch wir das kostbare Nass schätzen. Nach 9 Stunden Fahrt haben wir endlich die mühsame 300 km lange Strecke hinter uns gebracht und werden mit einem herzlichen "Karibu" begrüßt. Sylvia & Freia
Donnerstag, 1.3.2007
Heute waren wir Gast in einer Secondary School. Vor ca. 80 hochinteressierten Schülern hatten wir die Möglichkeit, LandsAid und unsere Arbeit im Gabbra-Gebiet vorzustellen. 1 Stunde lang beantworteten wir viele Fragen. Zum Schluß durften wir uns ins Gästebuch eintragen. Bei dieser Gelegenheit fragte der Schulleiter, ob es nicht möglich sei, einen zusätzlichen Kurs für 10-15 ausgewählte Schüler durchzuführen. Diese könnten das Wissen dann an die Schulkameraden weitervermitteln. Sehr gerne! Am Montag von 15-18h wird der Kurs stattfinden.
Sylvia und Freia
Freitag, 2.3.2007
Um 8h begann heute das First Aid Training. Die meisten Teilnehmer waren gestern abend angereist, manche spät in der Nacht. Alle kamen zu Fuß, und das zum Teil aus bis zu 60 km entfernten Orten! Kuam vorstellbar für uns in Deutschland! Die Männer und Frauen waren alle hochmotiviert und "löcherten" uns mit Fragen. Und wenn sie müde wurden und die Konzentration nachliess, baten sie nicht um eine Pause, so wie wir es kennen, sondern sangen ein Lied voller afrikanischem Rhythmus. Ein schöner Tag!
Samstag, 3.3.2007
Graciella (Community Base Nurse) begleitete uns heute wieder auf den Markt. Gerne hätten wir die Menschen und deren Gesichter fotografiert. Doch dies wird nicht gerne gesehen. Wir verzichten auf Fotos und bewahren die Bilder in unseren Herzen! Mittags ist die Hitze enorm. Man muss vorsichtig sein, sich die Hände zu waschen, denn das Wasser aus dem Wasserhahn ist so heiß, dass man sich beinahe die Finger verbrennt.
Nach dem Bummel in der „City“ fängt die erste Schulung für die Lehrer der Community Health School und für die Mitarbeiter der Mission, in deren Gästehaus wir wohnen dürfen, an.
Nach dem Abendessen sitzen wir unter herrlichem Sternenhimmel und genießen bei angenehmer Temperatur (nur noch ca. 35 Grad) ein kühles Bier!
Grüße nach zu Hause, Sylvia und Freia
Sonntag, 4.3.2007
Das Training findet erst am Nachmittag statt, denn heute ist Sonntag und jeder geht in den Gottesdienst. Neugierige Blicke mustern uns und wir freuen uns sehr über den Applaus, als wir und unsere Arbeit der Gemeinde vorgestellt werden.
Da Gerhard passionierter Jäger und Freia Försterstochter ist, gibt es zum Mittagessen leckere Taubensuppe!
Montag, 5.3.2007
Ein großes Programm haben wir heute hinter uns:
8 – 13 Uhr letzter Schulungstag und feierliche Übergabe der Zertifikate
15 – 17:30 Uhr Seminar für die Schüler der Secondary School – wieder feierliche Übergabe der Zertifikate. Unser Lohn sind zwei traditionelle Tänze.
Insgesamt haben wir nun schon 37 Personen geschult. Zwischendrin schreiben wir den Tagesbericht und für Sie speziell das Tagebuch. Jetzt wäre eine kalte Dusche schön, doch das Wasser kommt nach wie vor spärlich und heiß aus dem Hahn!
Morgen wird Freia als Lehrhebamme speziell die traditionellen Hebammen der Gegend schulen und Sylvia wird das Ziegenprojekt besuchen, um zu überprüfen, ob die Spendengelder auch richtig angekommen und verwendet worden sind.
Dienstag, 6.3.2007
Freia hat erfolgreich einen Kurs mit 21 traditionellen Hebammen durchführen. Insgesamt konnten somit in North Horr bereits 61 Personen geschult werden. Nun stehen noch zwei weitere Stationen an (Loyangalani und Korr).
Sylvia konnte die Verantwortlichen vom Ziegenprojekt treffen. Im Schatten eines Baumes sitzend berichteten ihr die Ältesten von der Verteilung und der momentanen Lage vor Ort. Die bisherige Abrechnung des Projekts wurde ordnungsgemäß durchgeführt. Sylvia hatte auf jeden Fall einen guten Eindruck von den Verantwortlichen.
Mittwoch, 7.3.2007
Fahrt nach Loyangalani. Wir machen hier Schulungen und fahren auch noch nach Korr weiter. Die Rückreise ist dann direkt von dort nach Nairobi geplant, da in Marsabit momentan Unruhen im Gange sind. Anton Mahl wird uns voraussichtlich wieder selber nach Nairobi zurückbringen und dabei sichere Wege wählen.
Donnerstag, 8.3.2007
Mit der Fahrt von North Horr nach Loyangalani haben wir vom Land der Gabbra Nomaden ins Gebiet der Turkana gewechselt. Heute, am ersten Tag des neuen Workshops in Loyangalani, haben ca. 20 Personen am Seminar teilgenommen, viele von ihnen Lehrer. Ein Teilnehmer hat extra für das Seminar einen 120 km langen Fußmarsch auf sich genommen, den er in 3 Tagen bewältigt hat! Wir sind überwältigt, vor allem wenn man bedenkt, dass die Hitze hier noch schlimmer zu ertragen ist als in North Horr, da die Luftfeuchtigkeit noch höher ist.
Mit Moskitos haben wir im Moment nicht so sehr zu kämpfen, dafür begegnen uns hier häufig Skorpione und Giftspinnen – auch kein so tolles Gefühl.
Leider werden wir bis Nairobi nun nicht mehr mit Deutschland telefonieren können, haben dafür aber zweimal täglich Funkkontakt mit North Horr. Trotzdem werden wir versuchen, irgendwo ein noch funktionierendes Satellitentelefon aufzufinden.
Herzliche Grüße aus Loyangalani! Eure Sylvia und Freia
Freitag, 9.3.2007
Heute ist schon der zweite Tag des neuen Workshops. Gestern Abend konnte zudem kurzfristig noch ein zusätzliches Seminar für die traditionellen Hebammen organisiert werden. Es wird von Freia durchgeführt und parallel zu dem bereits laufenden Kurs stattfinden.
Morgen ist Samstag, am Nachmittag werden wir mal eine kleine Entspannungspause einlegen und einen Ausflug zu den Siedlungen am Lake Turkana unternehmen. Eine Kursteilnehmerin wird uns dazu begleiten. Vielleicht können wir ja diesmal das ein oder andere Foto machen, aber auch hier wird es nicht so leicht sein, die Leute hier glauben mitunter, dass sie durch das Fotografieren ihrer Seele beraubt werden.
Am Sonntag geht es dann auch schon wieder weiter nach Korr – ins Stammesgebiet der Rendille, wo wir uns eine Woche aufhalten werden. Anton Mahl wird uns im Anschluss wieder nach Nairobi zurück bringen, von wo aus wir uns wieder melden werden.
Montag, 12.3.2007
Afrika ist immer wieder für Überraschungen gut! Wir sind in Korr angekommen und haben hier wider erwarten eine Telefonmöglichkeit gefunden. Das nutzen wir natürlich sofort, um uns in der Heimat zu melden. Morgen beginnt hier der erste (inzischen 7.!) Kurs, bei dem wir Menschen in Erster Hilfe und Geburtsvorbereitung schulen. Mit den vergangnen Kursen haben wir bereits 91 Teilnehmer erreicht. Zum neuen Kurs, der hier schon gut organisiert und vorbereitet wurde, haben sich ca. 30 Personen angemeldet. Wir sind gespannt auf morgen.
Heute Abend versuchen wir, noch eine Email zu schicken, denn wir haben gehört, dass hier in der Nähe wohl eine Vebindung existiert! Vielleicht können wir sogar ein aktuelles Foto senden. Bis bald und viele Grüße!
Dienstag, 13.3.2007 - Korr
Die Trainings sind bisher gut gelaufen; wir haben in 7 Workshops über 120 Teilnehmer geschult. Hier in Korr ist es schwierig; die Teilnehmer sind überwiegend Frauen ohne Schulbildung, die von uns für die Teilnahme am Kurs bezahlt werden wollten. Wir haben das abgelehnt, da die Teilnahme am Kurs kostenlos ist und wir zusätzliich eine Pauschale für Transport, Unterkunft und Verpflegung bezahlen. So wissen wir jetzt nicht, ob sie morgen wiederkommen werden. Wenn nicht, haben wir nichts zu tun - wir werden morgen sehen. Ansonsten schwitzen wir vor uns hin. Neulich in Loyangalani haben wir nachts (!) 42°C gemessen.
Bei der Ankunft in Korr erfuhren wir von einem Masernausbruch - uns wurde aber gesagt, dass nur Erwachsene betroffen hätte. Kurz darauf mußten wir mit ansehen, wie ein 4 Monate altes Kind an Masern verstarb. Es gibt wohl noch mehr Kinder hier, die davon betroffen sind - wurden hier Impfprogramme durchgeführt? Von wem? Und wie gründlich?
Täglich stehen wir in Funkkontakt mit den Leuten von North Horr, die sich wirklich hervorragend um uns kümmern und eine sehr gute und wichtige Arbeit leisten.
Grüße aus Korr, Sylvia und Freia
Mittwoch, 14.3.2007 - Korr
Heute war der 2te Tag unseres Workshops in Korr. Wir waren sehr ueberascht, dass insg. 4 Tl. mehr als gestern gekommen sind. Es muss sich herumgesprochen haben, dass das Seminar der @Musungis@ ganz gut ist. (Auch ohne Bezahlung) Nachdem die Tl sich wohl schon laenger nicht mehr gewaschen haben, beschlossen wir, dass sich alle vor Beginn der prakt. Uebungen die Haende zu waschen haben. (Ist auch mit wenig Wasser mgl!)
Vorraussichtlich wird am Freitag und Samstag ein 8ter Workshop fuer die Lehrer aus Korr und Umgebung stattfinden.
Bis bald und Gruesse nach Hause
Sylvia und Freia
Samstag, 17.03.2007
Morgen ist unser letzter Tag in Korr. Es wird Zeit Abschied zu nehmen, denn am Montag werden wir uns auf den Weg nach Nairobi machen. Abschied von dem Land der Gabbras, dem Land der Turkanas, dem Land der Rendille und der stolzen Samburus. Abschied vom <vergessenen> Norden Kenias!
Wir haben gelernt sie zu lieben. Die Halbnomaden, die zum Teil in bitterster Armut leben - zumindest in unseren Augen. Den Menschen, die einen taeglichen Kampf um das Ueberleben fuehren.In einem Land, in dem staendiger Mangel an sauberem Wasser herrst, eine Schulbildung fuer die meisten unmoeglich ist und der Weg zur naechsten Gesundheitsstaion oft mehrere Tage dauert. Eine Gegend in der Strassen keine Strassen sind.
Wir werden sie in unseren Herzen bewahren - die markanten Gesichter der Alten und die lachenden Augen der Kinder, die so viel Hoffnung und Mut ausstrahlen. Noch lange werden wir ihre Lieder, den Rythmus der Trommeln und der klatschenden Haende in unseren Ohren haben, die so viel Lebensfreude und Optimismus ausdruecken.
Wir haben 3 anstrengende Wochen hinter uns. Wir hatten Hoehen und Tiefen, und wenn wir diese in eine Waagschale legen, so ueberwiegen bei Weitem die Hoehen. Wir hatten eine schoene Zeit!
Lassen Sie uns den heutigen Tagebucheintrag mit einem Satz einer Teilnehmerin unseres letzten Workshops beenden:
< In unseren Koepfen herrschte eine tiefe Dunkelheit. Doch ihr habt uns etwas Licht gebracht und uns gelehrt, wie einfach es doch sein kann anderen zu helfen >
Sylvia und Freia
Sonntag, 18.03.2007
Wie bisher ueberall war heute <grosser> Gottesdienst. Auch hier fuehrt kein Weg vorbei, uns und unsere Arbeit der Gemeinde vorzustellen - und wieder erhalten wir Applaus.
Heute hat das Impfprogamm begonnen. Wir begleiten das Impfteam in mehrer Manyattas. Doch leider, sie haben nur den Impfstoff gegen Kinderlaehmung dabei. Nicht aber gegen Masern. Der Impfstoff sei noch nicht da und man hoffe in 10 Tagen damit beginnen zu koenne. Wir zweifeln!
Sylvia und Freia
Mittwoch, 21.03.2007
Wir sind auf dem Rückweg nach Nairobi noch durch einen kleinen Nationalpark gefahren. Heute hatten wir auch Gelegenheit, den kleinen Katello im Krankenhaus zu besuchen. Er ist schon operiert worden und alles ist gut gegangen. Ich bin sogar mit ihm spazieren gewesen. Seine Halbseitenlähmung ist deutlich besser geworden. Der alte, infizierte Shunt wurde durch einen neuen ersetzt. Der Arztbericht war nicht verfügbar, wird uns aber per Fax nach Nairobi nachgeschickt.
Eine erlebnisreiche und anstrengende Zeit geht zu Ende. Wir freuen uns auf dem Rückflug nach Deutschland am Freitag.
Sylvia und Freia
Donnerstag, 22.03.2007
Wir sind wieder heil in Nairobi angekommen und geniessen die Ruhe im Guesthouse der italienischen Consolata Missionare. Heute nacht haben wir bei nur 25°C schon fast gefroren...Auf dem Weg hierher mussten wir noch einen tödlichen Unfall mit erleben, und im Nachhinein erfuhren wir, dass wir gerade noch rechtzeitig losgefahren waren - nur eine Stunde später machte eine durchziehende Regenfornt die Strecke unpassierbar.
Den ganzen Vormittag waren wir heute schon unterwegs, um noch Erste-Hilfe-Kits zu besorgen. Diese sind für bestimmte Kursteilnehmer, die so weit ausserhalb wohnen, dass sie praktisch keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben, und deren jetzt erworbenes Wissen erst mit Hilfe der dazugehörigen Ausstattung auch in die Tat umgesetzt werden kann, wenn nötig. Heute Abend werden wir noch zum Abschied mit Pfarrer Anton Mahl zum Essen gehen, und dann morgen in aller Früh zum Flughafen fahren.
Wir freuen uns schon darauf, am Samstag Abend ins Allgäu zum Einstiegsseminar zu kommen, um dort von unserer Reise zu berichten. Bis dann,
Sylvia und Freia
Sonntag, 25.03.2007 - Bellenberg
Freitag abend sind wir zu Hause angekommen und es war schön meine "Mädels" wieder zu sehen!
Das heißt jedoch nicht, dass der Einsatz zu Ende ist! Am Samstag waren Freia und ich im Allgäu beim Einstiegsseminar von LandsAid und haben einen kleinen Erfahrungsbericht den Teilnehmern abgelegt. Obwohl wir viel erzählten, haben wir bestimmt nur ein Drittel unserer Erlebnisse und Eindrücke wiedergegeben. Es braucht Zeit bis man wieder ganz hier ist! Am Montag wird eine Nachbesprechung im Büro in Kaufering stattfinden und es stehen noch Pressetermine an. Außerdem muss ich noch einen Abschlussbericht erstellen!
Geht es weiter im Norden Kenias? - Wo es an allen Ecken und Enden fehlt! Wie geht es weiter? Wir haben viele Ideen und Vorstellungen mitgebracht. Doch können diese umgesetzt werden? Wenn ja, werden wir Geld dafür haben?
Doch zuerst werde ich heute noch ein schönes Bad genießen. Die Nomaden im "vergessenen Teil Kenias" würden sicher verständnislos den Kopf schütteln, könnten sie sehen, wie unvernünftig die "Musungis" in Deutschland mit dem doch so kostbaren, sauberen Trinkwasser umgehen!
Sylvia
Im Laufe der Reise wurde deutlich, dass gerade die traditionellen Hebammen im Norden Kenias großen Bedarf an Fortbildung haben. Deshalb wird Freia Dondorf noch einmal von 20. Januar bis 15. April 2008 nach North Horr reisen. Von dort aus wird sie mehrere Dörfer besuchen, die traditionellen Hebammen schulen und sie - soweit möglich - bei Geburten aktiv begleiten.
Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten, können Sie das direkt mit einer Geldspende tun. Wir bedanken uns herzlich im Namen der Betroffenen.








