Thailand-Tagebuch von Diane Steinert

Diane Steinert hielt sich von November 2007 bis Februar 2008 in Chiang Mai, Thailand, auf und unterrichtete dort Waisenkinder an der "School For Life" als Englisch-Lehrerin und Kunst-Therapeutin. Sie schrieb regelmäßig Tagebucheinträge für LandsAid, die Sie hier nachlesen können.

 

 

Montag, 12.11.2007

In wenigen Stunden geht’s los! Die Reisetasche und der Rucksack sind gepackt, das Handgepäck steht bereit.

Ich bin ganz kribblig, freue mich sehr – jetzt.

Der Abschiedsschmerz ist überwunden. Ich habe mich von meinen Freunden verabschiedet, von der Landschaft hier (gestern empfand ich sogar das nasskalte Regenwetter als wunderbar), dem Haus und dem Garten.

Die Familie kommt zum Schluss dran…

Vorgestern fragte ich mich, was mich eigentlich geritten hat, nach Thailand zu gehen? Warum nicht hier bleiben, in dem geregelten Alltag, mit seinen Gewohnheiten?

Aber nein, jetzt sehe ich das anders. Ich denke, es ist etwas ganz Besonderes, was ich da erleben darf. Mit seinen Vor- und Nachteilen… Mit seinen ganzen Erfahrungen.

Und wenn ich auf „wetteronline“ schaue und nach den Temperaturen in  Chiang Mai, der Sitz der School for Life (SFL), schaue, dann finde ich diese schon nicht schlecht: 31° C. Und da es mir nicht heiß genug sein kann, sind das wunderbare Aussichten.

Die letzten Tage und Wochen gab es einiges zu tun, mein Kopf war voll mit Dingen, die ich unbedingt tun „muss“, die ich nicht vergessen darf. Bis ich mir irgendwann sagte: “Nein, das kann’s so nicht sein. Ich will nicht abgekämpft in den Sitz des Fliegers sinken und denken, endlich weg hier, weg von dem Stress.“ Und es ist Ruhe eingekehrt.

Ich gehe sehr gelassen an die ganze Sache heran und ich fühle mich sehr gut aufgehoben bei LandsAid (ich sage das jetzt freiwillig) und mit Mareike Potrikus von der SFL habe ich auch einen sehr netten Kontakt. Es fühlt sich alles sehr stimmig an.

So, jetzt bin ich gespannt, was es das nächste Mal zu berichten gibt?!

 

 

Dienstag, 13.11.2007

Ich sitze in einem Café auf dem Flughafen in Bangkok. Es ist ein Trubel hier!

Aber überall das berühmte Lächeln.

Ich zahle hier für einen Cappuccino (ganz wie zu Hause) umgerechnet ca.

1,40 €, 70 Baht. Vorhin habe ich in einer Garküche, irgendwo im Keller des Flughafens gegessen. Eine Portion Reis mit Fleisch und Bohnen, 25 B. Das sind etwa 50 Cent.

Der Abschied gestern fiel mir sehr schwer… Trotzdem fühlte es sich zu jeder Zeit gut an, dass ich nach Thailand gehe.

Der Flug von München nach Bangkok ging 9 ¾ Stunden und war angenehm, so weit man das in der Enge des Flugzeuges sagen kann. Es gab Essen, danach konnte ich schlafen,  und auch sonst ging alles recht schnell. Ich hatte mir viel Lesestoff mitgenommen, aber ich holte kein Buch heraus.

Ich kam schließlich um 11.35 Uhr an, mein Anschlussflug ging erst abends um 19.45 Uhr. Ich musste mich den ganzen Tag auf dem Flughafen rumdrücken, was ich als nicht schlecht empfand. So hatte ich Zeit um anzukommen, Tagebuch zu schreiben und auszuruhen,  bis die neuen Eindrücke auf mich niederprasselten…

 

Beim Einchecken nach „Chiang Mai“ habe ich einen „groben Schnitzer“ gemacht. Da ich Übergewicht beim Gepäck hatte, musste ich nachzahlen. Dazu musste ich an einen anderen Schalter, ca. 20 m weiter. Und was tat ich? Ich ließ Reisepass (mit integriertem Visum) und Flugbuchung einfach bei der Dame liegen, schlenderte ganz in thailändischer Ruhe zum Zahlen, und dann wurde es mir mal kurz heiß. Ich beendete die Zahlung mit Kreditkarte (weil man die ja auch nicht aus den Händen geben soll) und hetzte in nicht thailändischer Ruhe zum Check-In-Schalter zurück. Die Dame dort gab mir mit einem strahlenden Lächeln die Unterlagen zurück. Da ich immer an das Gute im Menschen glaube, habe ich das nicht anders erwartet – trotzdem. Ich habe aus der Situation gelernt…

Außerdem habe ich gelernt: es wären den ganzen Tag über Flüge nach Chiang Mai gegangen. Ich hätte nicht den ganzen Tag auf dem Flughafen verbringen müssen.

 

In Chiang Mai wurde ich dann von einer Volontärin, Tina, Charlotte (die hier ihre Doktorarbeit schreibt), einem Farmer und einem Jungen der SFL abgeholt.

Gleichzeitig fuhren eine ehemalige Volontärin, Susanne und ihre Freundin mit.

Während der Fahrt zur SFL saß ich, zusammen mit Tina, hinten auf der Ladefläche des Pritschenwagens, mit dem ich abgeholt wurde. So fuhren wir bei lauer Luft und einem wunderbaren Sternenhimmel zur SFL im Distrikt  „Doi Saket“. Mein erster, richtiger Eindruck von Thailand…

 

 

Mittwoch, 14.11.2007

Die Nacht ist voll von vielen verschiedenen, andersartigen Geräuschen draußen. Auf der einen Seite eine völlige Stille, daneben die undefinierbaren „Dschungelgeräusche“. Vergangene Nacht schreckte ich irgendwann wegen einem dieser undefinierbaren Tiergeräusche „neben meinem Kopf“ an der Außenwand auf.

 

Morgens schlief ich aus. Als ich dann auf sein konnte, führte Susanne mich und ihre Freundin auf dem Gelände herum und gab mir erste Infos.

Wir waren u.a. in einem Computerraum, PCs, samt Zubehör, alles vorhanden. Nur das Wesentliche fehlt. Der Strom. Oder besser gesagt, das Verlängerungskabel, das den PCs und dem ganzen Equipment den Strom gibt.

Susanne erzählte, dass es zu ihrer Zeit sechs funktionierende PCs gab, jetzt sei wieder etwas umorganisiert worden, ja, und nun mal sehen…

 

Mein erster Eindruck von SFL: alles gut wie’s ist. Natürlich kann man noch viel machen. Aber 1. sind wir nicht in Deutschland, und 2. wird doch einiges gemacht (was mir Susanne bestätigte).

Mittags wollte ich mit zum  Englisch-Unterricht einer Voluntärin gehen. Der fiel aus, weil eine andere Veranstaltung war. Das sei hier so. Der Unterricht fällt einfach aus, und erfahren davon tun man entweder zufällig, oder gar nicht, bzw. dann, wenn keine Schüler kommen.

Am Spätnachmittag richtete ich mir mein Zimmer einigermaßen nett ein. Ich stellte mit Hilfe der Frauen meinen Schrank um, fegte und putzte und packte meine Sachen aus.

Die Möbel bestehen aus einfachen Mitteln. Das Bett wurde sehr massiv aus Ästen gezimmert und es ist unverrückbar. Die Matratze sind zwei Turnmatten.

 

Vorhin lud Susanne die Lehrer noch zu einer kleinen Party ein. Bis zum Schluss wusste niemand von uns „Farangs“ (wie die „Weißen“ hier genannt werden; ich glaube, es heißt „Langnasen“), ob jemand erscheint oder nicht.

Mit der Zeit trudelten nach und nach ein paar Lehrer ein. Es wurde ein sehr netter Abend. Auf diese Weise lernte ich auch schon ein paar Lehrer kennen. Und konnte mir in Ruhe ihre fremd klingenden Namen merken, was sehr schwierig für mich ist.

Obwohl die Lehrer mehr oder weniger gut Englisch sprechen dachte ich mir, dass ich zu Hause hätte „Thai“ lernen sollen, nicht Englisch. Ich vermute, die Sprachbarriere ist groß, aber mal sehen…

Einen neuen „Nickname“ (Zweit-/Spitzname) habe ich auch gleich verpasst bekommen. „Kru Di“, was so viel heißt wie „Lehrerin Di“. Alle haben hier ihren Zweitnamen, und da Diane sehr schwierig für die Thailänder ist, machten sie „Di“ daraus. „Di“ würde auf Thai „gut“ heißen. Mich würde interessieren, was das Wort sonst noch alles bedeutet?

 

 

Donnerstag, 15.11.2007

Heute wachte ich morgens früh auf. Ich denke, der Jetlag ist überwunden.

Um 7.45 Uhr gab’s Frühstück. Das sieht ungefähr so aus, als würden wir in Deutschland morgens um acht Uhr ins thailändische Restaurant zum Essen gehen. Es gab warmes Gemüse und Reis. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das  morgens schon essen kann - aber kein Problem.

Danach war ich beim „Morning Call“.  Der Schulleiter hielt eine Rede (im Anschluss daran musste ich mich offiziell vorstellen), es wurde der „Kings Song“, die Königshymne, gesungen (ihren König lieben die Thais über alles), dann gab es eine Art Morgenmeditation sowie einen Meditationstanz. Wer den „Sonnengruß“ aus dem Yoga kennt, kann sich diesen Tanz in etwa vorstellen, nur viel langsamer. Ganz kapiert habe ich den Ablauf dieses Teils des Tages nicht. Aber ich habe die nächsten Monate ja noch genügend Zeit, um die Dinge zu beobachten…

 

Um 9.30 Uhr begann der Unterricht. Ich begleitete zwei Voluntärinnen zum Englischunterricht der P6 (der sechsten Stufe). Der Unterricht wurde in der „Assembly Hall“, der Versammlungshalle, abgehalten. Wir hockten alle auf dem Boden, Teile der Schüler lagen auch.

Mein Eindruck von der Stunde: ich fand einige der Schüler recht disziplinlos. Der Eine holte irgendwann eine Art Gameboy heraus und spielte, der Andere krabbelte zu ihm rüber und schaute, was er macht.

Eine Voluntärin meinte später dazu, dass das so sei. Man dürfe nicht laut werden, außerdem könne es passieren, dass die Schüler bei zu viel Strenge nicht mehr kommen würden. Ich denke, dass man sich, ohne laut zu werden, doch nicht alles gefallen lassen muss. Auch als „Farang“ nicht. Bei den Thai-Lehrern geht’s ja auch. Aber vielleicht muss ich mich noch eines Besseren belehren lassen ?

Die nächste Unterrichtsstunde bei der P5, die in der Regel viel anstrengender sei als die P6, war „ganz normal“. Wie Schüler halt so sind. Ein Junge schrieb vom Heft eines Mädchens etwas ab, aber „heimlich“.

 

Um 12.00 Uhr gab’s wieder leckeres Essen. Danach machte ich mich daran, meine Tagebuchaufzeichnungen in den Laptop einzugeben weil es hieß, man könne wieder ins Internet.

Um 17.00 Uhr war von drei Lehrerinnen ein Badminton-Turnier angesagt. Wir Deutsche waren da, Kinder waren da, aber die drei Damen blieben weg. Ist vermutlich etwas dazwischen gekommen… Susanne traf eine der Drei auf dem Weg zum Sportplatz und man sagte: „See you later“, was in Thailand aber nichts heißen will…

Letztendlich spielten wir Deutsche mit den Kindern. Ich spielte nach Jahren mal wieder Badminton, was sehr viel Spaß machte.

Danach wurde geduscht, was in Thailand auch sehr wichtig ist, und dann gab’s um 18:00 Uhr wieder Essen.

Zum Abendessen erschienen die Kinder ebenfalls geduscht und gewaschen, mit frischen Kleidern und hübsch hergerichtet.

Nach dem Abendessen gab’s nochmals Andacht und Meditation.

Spätestens um 21.00 Uhr müssen alle im Bett sein. Auch die älteren Jugendlichen…

 

 

Freitag, 16.11.2007

Es ist kurz nach 21.00 Uhr, alle sind im Bett und es ist alles wie ausgestorben hier. Diese wunderbare Stille mit den Geräuschen der Natur im Hintergrund…

 

Nach dem Frühstück und dem „Morning Call“ ging ich mit Susanne und Charlotte in die „Assembly Hall“, um mit den Kindern zu malen und zu spielen.

Es ist sehr überraschend für mich, wie schnell die Kinder und Jugendlichen doch Zutrauen zu mir fassen. Die einen mehr, die anderen weniger, aber alles in allem sind die Kinder sehr offen und freundlich.

Irgendwann kam ein schmächtiger, dünner Junge  plötzlich zu mir her gestürmt und fiel mir um den Hals. Ein Mädchen malte ein sehr schönes Bild für mich, traute sich aber nicht, es mir zu geben. Ein anderes Mädchen musste gehen um  mich zu holen, dann bekam ich das Bild überreicht.

 

Nachmittags fuhren dann alle „Volunteers“, (die Ehrenamtlichen), nach Chiang Mai. Ich beschloss, alleine hier zu bleiben um erst einmal richtig hier anzukommen und mich nicht gleich mit Eindrücken von Chiang Mai

„vollzustopfen“. Es gibt noch so viel von der Farm und ihrer Umgebung zu sehen und außerdem habe ich in den nächsten Wochen noch genügend Zeit, nach Chiang Mai zu gehen.

Ich wollte ins Internet, meine Tagebuchaufzeichnungen losschicken und Mails nach Hause schicken, aber es funktionierte wieder nicht. Ich war zu langsam. Als es gestern hieß, das Internet funktioniert wieder, hätte ich sofort losrennen müssen. Das nächste Mal weiß ich’s…

 

Um 18.00 Uhr hörte ich den Gong und dachte, es gäbe Abendessen. Aber alles war wie ausgestorben. Die Kinder waren beim „Shopping“. Es ist wohl so üblich, dass die Voluntäre meist eher zufällig von solchen Aktivitäten erfahren…

Ich stellte mich auf einen „Fasten-Abend“ ein und schlenderte zu den Mädchen-Unterkünften. Einige saßen draußen vor dem Fernseher (ja, es ist so warm, dass man in T-Shirt und Sandalen draußen sitzen kann!) und riefen mich gleich, als sie mich sahen. Eine holte einen Stuhl, die Andere bot mir ihre Chips an… Ich setzte mich zu ihnen hin, schaute mit ihnen „Thai-Fernsehen“, mampfte meine Chips und beobachtete sie. Es war kaum möglich, mich mit ihnen zu verständigen. Ich spreche kein Wort „Thai“, die Mädchen kaum Englisch. Nur mit einem Mädchen konnte ich einwenig sprechen. Mit den Anderen ging es nur über Blickkontakt. Ich bin sehr gespannt…

Auf dem Rückweg ging ich noch bei den Jungs vorbei. Ein Teil der Jungs wohnt in Schlafräumen mit  6 Jungs drin, der andere Teil, ich glaube die Jüngeren, wohnen in einem Schlafsaal mit ca. 20 Betten…

Auch die Jungs sind sehr offen und freundlich.

Ich ging wieder zurück zu meinem Zimmer, machte es mir gemütlich, und irgendwann tönte wieder der Gong. Diesmal gab es etwas zu Essen, halt zwei Stunden später, um 20.00 Uhr. Die anderen Voluntäre bereiteten mich diesbezüglich schon aufs Wochenende vor. Am Wochenende gäbe es nur zwei Mahlzeiten am Tag und man müsse immer die Ohren spitzen, wann der Gong ertönt. Das kann zu jeder Zeit sein, halt zwei Mal am Tag…

 

 

 

Samstag, 17.11.2007

Morgens um 7.30 Uhr wurde ich von thailändischer Popmusik geweckt. Aus den Lautsprechern der „Assembly Hall“ schepperte es, was das Zeug hielt.

Ich schaute, ob es etwas Besonderes gibt. Aber nein, die Kinder hatten halt Wochenende.

Gegen 9.30 Uhr gab es dann Frühstück. Da ich von den zwei Mahlzeiten am Tag aus ging, haute ich mir um diese frühe Uhrzeit vorsorglich mindestens 15 fritierte Hähnchenteile rein. Ich dachte: „Wer weiß, ob’s überhaupt noch was gibt heute?“

Später ging ich dann zum Schulleiter um nachzufragen, ob ich mit meinem Laptop auch ins Office gehen kann. Ich erklärte ihm, dass ich für LandsAid schreiben wolle.  Er meinte, auf dem Gelände sei „Wireless Lan“, aber wenn es nicht funktionieren würde, könne ich jederzeit ins Office. Und so hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, mit LandsAid und mit meiner Familie zu schreiben. Klasse! Außerdem unterhielt ich mich mit einer Lehrerin die sehr gut Englisch sprach. Wenn ich Fragen hätte und Hilfe bräuchte, könne ich mich an sie wenden. Das ist ja schon mal etwas.

Auf dem Rückweg sah ich, dass einige Leute in der Küche zu Gange waren. Ich ging hin und sah beim Kochen zu, unterhielt mich mit einer anderen Lehrerin und mit ein paar Kindern, so weit es ging. Für jeden der gerne kocht ist hier das reinste Paradies. Es gibt alle möglichen Zutaten, vom frischen Gemüse bis zu Langusten – und vielen undefinierbaren Sachen...

Am Wochenende hat der Koch frei, und so kochen die Lehrer mit Hilfe der Kinder. Der Mörser stand auf der Küchenarbeitsplatte, die Lehrerin barfuß auf einem Schemel, weil sie sonst zu klein zum mörsern gewesen wäre (was vor allem an dem riesigen Mörser lag). Viele Zutaten kamen in den Mörser und wurden zu einer leckeren Soße verarbeitet, dazu Papaya und als Beilage natürlich Reis.

Auch bei dieser Arbeit lag wieder eine total freundliche und friedliche Stimmung über allem.

Und entgegen meiner Annahme gab’s dann um 13:00 Uhr schon wieder etwas zu essen (und abends nochmals). Also ich denke, dass man auch in Thailand zunehmen kann…

Mittags machte ich’s mir dann gemütlich und um ca. 16.00 Uhr beschloss ich, die Badminton-Sachen, den Diabolo und die Jonglierbälle zu nehmen und zu schauen, ob ich Interessenten finde. Alles war wie ausgestorben, nur bei den Jungen-Unterkünften sah ich ein paar Jungs. Ich ging hin und wurde sofort bestürmt und die Bälle und der Diabolo wurden mir aus den Händen gerissen. Die Meisten verloren bald das Interesse, nur zwei machten weiter. Ich beschloss, mich hinzusetzen, zu beobachten und „geduldig“ zu warten, bis die Beiden keine Lust mehr haben. Irgendwann kamen zwei Jungs und holten sich zwei Badmintonschläger um zu spielen, ein Dritter schaute zu. Nach einer Weile nahm ich mir ein Herz (ich bin mir oft sehr unsicher, wie ich mich den Kindern gegenüber verhalten soll, will keine Grenzen überschreiten), schnappte mir ebenfalls zwei Schläger und ging zu dem Jungen hin. Mit Begeisterung sprang er auf, um mit mir zu spielen. Kurze Zeit später kam der Nächste und wollte mit mir spielen. Nach und nach kamen immer mehr Kinder dazu, auch Mädchen, und alle Spielsachen waren in Benutzung. Es war total nett mit den Kindern, das ganze „Gewusel“ dort.

Soweit es die Spielerei zuließ, beobachtete ich den Einen oder Anderen.

Da war zum Beispiel ein kleiner Junge, körperlich gesehen etwa 5 Jahre alt, der mit einem Flick-Flack auf die Wiese kam. Er machte irgendwelche Kampffiguren, und ruck-zuck war er, wie ein kleines Äffchen, auf einem Baum und genauso schnell wieder unten. Später zeigte er mir dann, wie er auf einem Bein springen kann. Aber „nicht nur“ auf einem Bein einwenig rumhüpfen. Ich stand nämlich am Hang und er hüpfte, mindestens fünf Mal, als ob das nichts wäre, leicht und federnd, um mich herum. Wenn ich’s mir überlege, ich würde vielleicht 3-4 Hüpfer schaffen…

 

 

 

Montag, 19.11.2007

Am Sonntag konnte ich endlich mal mit zu Hause telefonieren. Eine Voluntärin brachte mir aus Chiang Mai eine SIM-Karte und Telefonguthaben mit. Mit dieser thailändischen SIM-Karte und einer bestimmten Vorwahl kann man recht günstig nach Deutschland telefonieren.

Ich telefonierte dann auch 1 ½ Stunden. Es tat richtig gut, einige der Eindrücke und Erlebnisse erzählen zu können. Irgendwie strömte die letzten Tage alles auf mich ein, wie ein sehr bewegter Fluss. Nur fremde Menschen, die fremde Sprache, das fremde Essen, die verschiedenen Befindlichkeiten etc. Es macht natürlich sehr viel Spaß, das alles zu beobachten, aber es tat gut, über alles zu reden.

Momentan habe ich das Gefühl, dass es ruhiger wird. Ich bekomme immer mehr „sortiert“, wobei das Sortieren bestimmt drei Monate dauert…

 

Nach dem Frühstück, heute mit frischem, knackigem, kurzgebratenem Gemüse (und natürlich Reis), war ich beim „Morning Call“. Der verlief heute etwas anders, weil es eine Umstrukturierung in neue „families“ gab. Wie es bisher genau ablief, weiß ich nicht, und diesbezüglich gab es schon einige Änderungen, wie mir eine Voluntärin erzählte. Doch nun ist es so, dass es 8 Familien mit ca. 15 Kindern gibt. Jede Familie (familiy) wird von zwei Betreuern betreut. Bisher übernahmen auch Lehrer die Betreuungsaufgabe, nun gibt es eine Trennung von Betreuung und Lehren. Ich stelle mir das so besser vor, da die bisherigen „Betreuer-Lehrer“ vermutlich ganz schön viel am Hals hatten.

Nach dem „Morning Call“ hätten eigentlich die Voluntäre Unterricht gehabt, bei dem ich mitgemacht hätte. Der wurde aber kurzerhand vom Schulleiter übernommen, deshalb beschloss ich, beim Unterricht der Thai-Lehrer zuzuschauen. Den Unterricht vom Schulleiter fand ich schon prima. Das sind Welten zwischen den Volontären und ihm. Klar, er kann auf Thai erklären, und er ist eine Respektsperson.

Bei den anderen Lehrern war es wie in Deutschland auch. Beim Einen wird mehr mitgearbeitet, beim Anderen weniger. Auf jeden Fall war es interessant für mich zu sehen, wie die Thais mit den Kindern umgehen und ich brauche mir nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Auch wenn man in Thailand angeblich immer lächelt (was ich in der Zwischenzeit wirklich nicht mehr bestätigen kann).

 

Nachmittags im Office unterhielt ich mich mit einem Lehrer, der mir Fotos zeigte von Ausflügen zu den „Hilltribes“, zu den Bergdörfern. Die meisten Kinder der SFL kommen aus diesen Bergdörfern, sozusagen aus dem Dschungel, von diversen Stämmen. Ursprünglich waren es nur solche Kinder, in der Zwischenzeit hat es sich vermischt. Auch durch den Tsunami sind viele Kinder aus dem Süden hier her gekommen.

Dieser Lehrer ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Manchmal ist er Mann, manchmal Frau, ganz wonach ihm ist (körperlich ist er ein Mann).

 

Um 17:00 Uhr ging ich mit einer Voluntärin zum Sport. Zuerst spielten wir mit den Kindern Basketball, später gab es noch Aerobic. Der(die) oben genannte Mann-Frau machte die Stunde. Er machte das richtig klasse – und alleine ihm zuzuschauen war köstlich.

Er hat sehr schöne Bewegungen, viele Frauen könnten sich da etwas abschneiden. Ich kann ihn sehr gut verstehen, dass er diesen weiblichen Teil auch ausleben will. Und wenn das hier so geht, ist das ja sicherlich sehr positiv für ihn.

 

 

 

Dienstag, 20.11.2007

Es ist halb zwei Uhr nachmittags und es regnet in Strömen – obwohl es momentan nicht regnen dürfte, da die Regenzeit vorbei ist. Aber auch die Thais sagen, dass das Klima verrückt spielt. Wie überall…

Ich sitze hier in meinem Zimmer an meinem kleinen Tischchen, schreibe Tagebuch und hoffe, dass es bald wieder Strom gibt, weil mein Akku langsam den Geist aufgibt.

Apropos Strom: ich habe jedes Mal ein sehr zwiespältiges Gefühl, wenn ich den Stecker in die Steckdose stecke. Da funkts und machts und tuts… Und doch kommt immer wieder Strom raus…

Mit dem Internet ist das auch wieder so eine Sache. Gestern ging nur kurz etwas, heute fuhr jemand mit dem Auto an den Pfosten mit dem Kabel und nun hängt das Kabel da. Bin gespannt, ob das heute noch etwas wird ? Ich weiß auch nicht, ob LandsAid bisher meine Tagebucheinträge bekommen hat ? (Anm. LandsAid: haben wir, manchmal eben etwas verzögert.)

 

Durch den Regen ging dann heute nichts mehr. Das Internet funktionierte sowieso nicht, der Strom fiel aus und mein Akku machte, wie gesagt, schlapp.

Etwa um 16.00 Uhr kam ein Mädchen, um mich abzuholen zum Badminton spielen. Ich hatte ihr mittags schon versprochen, dass wir heute spielen werden. Vorgestellt hatte ich mir so gegen fünf, aber ich hatte keine Chance. Sie wich nicht von meiner Seite, bis ich endlich kam. Eine Voluntärin kam schließlich auch mit und wir hatten, trotz des verregneten Mittags, einen netten Spätnachmittag zusammen. So etwas ist hier halt auch möglich: es regnet und regnet, und kurze Zeit später scheint die Sonne. Wir waren zwar im Matsch unterwegs, aber die Sonne schien immerhin…

 

Ein Junge fuhr mit einem alten Fahrrad in der Gegend rum. Das Fahrrad war total verrostet, hatte im Hinterreifen keine Luft mehr, es ist ständig die Kette runtergegangen, und trotzdem hatte der Junge die größte Freude mit dem Ding. Er fuhr uns zwischen den Füßen herum, erwischte die Eine oder Andere Matschpfütze, machte Vollbremsungen. Ich spürte richtig seine Lebensfreude, und wie ihm der Schalk im Nacken sitzt… Zum Thema „Schalk im Nacken“ – da gibt’s sowieso einige Kandidaten…

 

Dann gab’s auch schon wieder Abendessen und später die Abendmeditation.

Meditation finde ich etwas unpassend. Oft sind es für mich endlose „Predigten“ – was gepredigt wird ? Das habe ich noch nicht genau herausgefunden. Außerdem ist es auch ständig anders.

 

 

Donnerstag, 22.11.2007

Heute hatte ich meine erste Unterrichtsstunde. Meine Klasse ist die P4. Was kann ich dazu sagen ? Wo soll ich anfangen ?

Die Lehrerin, die hauptverantwortlich für den Englischunterricht war, ist nicht mehr hier. Diese Frau sei auch der Ansprechpartner für uns Volontäre gewesen, was wir bezüglich Unterricht zu tun haben.

Da sie nicht mehr hier ist, kann mir auch keiner sagen, was ich in Englisch zu unterrichten habe.

Das nächste große Problem ist, dass es an Lehrern, vor allem Englischlehrern, fehlt. Normalerweise ist es so geplant, dass ein Englischlehrer und ein Voluntär zusammen die Englischstunde halten. Das macht auch Sinn. Der Englischlehrer erklärt in Thai, der Voluntär kümmert sich um den englischen Part.

Momentan ist es so, dass wir Volontäre alleine mit den Kindern sind. Und dementsprechend läuft der Unterricht ab. Das kann man sich ungefähr so vorstellen: ein Thai steht vor einer deutschen Schulklasse, er spricht kein Deutsch, und will den Kindern Thai beibringen. Und als i- Tüpfelchen: Es sprechen nicht einmal alle Kinder Deutsch. Eigentlich müssten sie zuerst einmal richtig Deutsch lernen.

Mit ein Problem ist vielleicht auch, dass die thailändischen Lehrer extrem wenig verdienen. Die haben ein Studium, verdienen aber gerade einmal 6000-9000 B, das sind nicht einmal 150 € im Monat. Dass da das Engagement mit der Zeit nachlässt ist auch verständlich.

Deshalb müssen wir Voluntäre den Englischunterricht der P4, P5 und P6 übernehmen.

Mit der P5 begannen wir heute, ein Lied einzuüben. Ein Bob Marley Song. Immer wieder der gleiche Refrain, mit einfachen Wörtern. Aber es ist kaum möglich, allen den Text beizubringen.

Um 11.00 Uhr hatte ich dann zum ersten Mal die P4. Da der Schulleiter betonte, es sei gewünscht in „Projekten“ zu arbeiten sagte ich, ich würde den Englischunterricht im Zusammenhang mit Kunst unterrichten. Ich überlegte mir:

„Diane, was kannst Du, wo siehst Du eine Möglichkeit, dreimal die Woche 50 Minuten mit den Kindern etwas zu machen und nebenher Englisch zu unterrichten ?“ Sicher nicht, in dem ich an die Tafel stehe, etwas erzähle, das niemand versteht und auch keinen interessiert.

Und so schaute ich gestern und heute nach Malutensilien und  regelte es, dass ich um 11.00 Uhr einen Schlüssel zur „Art Gallery“ habe und vor allen Dingen auch, dass die P4-Kinder um 11.00 Uhr zur Art Gallery kamen – das ist ja auch nicht so selbstverständlich.

Zuerst tappte ich dann noch in einen Fettnapf. In der Art Gallery steht ein Schrank mit Malutensilien und ich folgerte, der sei für jedermann. Außerdem waren jede Menge Stoffe und bemalte Kleidung in dem Schrank. Ich dachte mir, dass es ja schade um die Sachen ist und brachte sie zum Office. Als ich später dann in die Art Gallery zurück kam stellte sich heraus, dass die ganzen Sachen jemand gehören und dass dieser Jemand dort Stoffmalerei macht.

Es saßen verschiedene Kinder dabei die irgendetwas malten oder Musik machten. Eine nette Runde…

Um 11.00 Uhr stand ich also da und keiner dieser Runde machte irgendwelche Anstalten, den Raum zu verlassen oder den kommenden P4-Schülern Platz zu machen (die Klasse kam!!!).

Anfangs waren es noch nicht alle, aber als sie die Farben sahen, waren sie doch interessiert. Letztendlich trudelten alle ein (Ob es wirklich alle waren? Keine Ahnung), die nicht dazugehörigen Schüler verließen den Raum, der Lehrer mit seiner Stoffmalerei blieb sitzen und machte weiter – was mir im Endeffekt noch zu Gute kam.

Ich stellte mich vor, sagte, was ich mit ihnen machen will und vermute, dass die wenigsten ein Wort verstanden haben. Aber mit Hilfe von Gebärden vielleicht doch ?

Ich hatte mir eine Übung ausgedacht, die ich innerhalb von wenigen Minuten wieder verwarf, weil mir klar war, dass sie zu kompliziert ist.

Letztendlich ließ ich alle ihren Namen auf ein großes Papier schreiben und erklärte nebenbei die wichtigsten „Vorstellwörter“. „My name is…“ etc. Ich ging davon aus, dass diese einfachen Floskeln verstanden werden. Aber nein. Ich erkannte, dass einige Kinder nicht ihren Namen auf Englisch schreiben können oder das englische Alphabet beherrschen. Sie saßen vor ihrem weißen Blatt Papier und schauten mich mit großen braunen Augen an und ich schaute mit großen grünen Augen zurück. Dabei kam mir dann der andere Lehrer zur Hilfe. Ich brauchte einige Zeit bis ich überhaupt kapierte, wo das Problem liegt ! Letztendlich hatte jeder seinen Namen auf dem Papier, alle malten kräftig (auch die, die vorhin nicht den Anschein machten mit zu machen, weil irgendwelche Comic Hefte wichtiger waren) und die Stunde war ruck-zuck vorbei. Sehr erstaunt waren sie auch, als ich die Blätter einsammelte. Die ersten beiden Mädchen die fertig waren, wollten das Blatt zusammenfalten und einstecken. Ich denke, dass sie das so gewohnt sind. Ich nahm die Blätter und erklärte, dass die Bilder noch nicht fertig seien und dass wir das nächste Mal weiter machen…

So sah und hörte ich auch die Namen. Ich hatte keine Chance, mir die zu merken. Einen merkte ich mir, weil er Englisch klingt: Joy. Ach ja, und ein Jimmy.

 

 

Samstag, 24.11.2007

Ich könnte schon wieder ein Buch schreiben über die letzten beiden Tage. So viele Eindrücke, Ereignisse und Erlebnisse ! Ich bin ganz erschlagen.

Dieses Wochenende ist ein ganz besonderes Wochenende. Das „Loy Krathong“- Fest. Es soll das Schönste aller Feste in Thailand sein, und dementsprechend wurde heute gefeiert ! Schule fiel aus, weil alle den ganzen Tag in der „Assembly Hall“ saßen, und sangen und musizierten und machten und taten. Den ganzen Tag, nur unterbrochen durch’s Mittagessen.

Irgendwann morgens war ich eine Zeit lang bei einer Farm, wo  Bananenboote gebaut wurden.  Eine Lehrerin zeigte mir wie das geht. Da kann man sich total verkünsteln; ich kriegte es natürlich nicht gescheit hin. Ein Mann machte wunderbar filigrane Kunststücke aus Bananenblättern (die Boote bestehen aus Bananenpflanze, Blumen, Räucherstäbchen und Kerzen, es gibt sie in riesengroß und klein).

Nachmittags wurden irgendwann Gruppen gebildet. Jede Gruppe studierte etwas ein und musste es dann vorführen. Das war total witzig. Ich musste mich bei der Performance zum Affen machen. Mir wurde ein Satz auf Thai beigebracht, den ich natürlich total falsch sagte und meine Gruppe kriegte sich nicht mehr ein vor Lachen. Über andere Leute können sich Thais kaputt lachen…

Mit einem Jungen hatte ich eine nette „Unterhaltung“. Er setzte sich neben mich, wollte mit mir reden, aber die Sprachbarriere… Mit Zeigen und Körpersprache sagte er, dass er ein „Lahu“ (einer der Bergstämme) sei, er erklärte mir die unterschiedliche Kleidung der „Lahu“ und „Akha“ etc. Letztendlich klappte es dann doch…

Abends fuhren wir alle zusammen mit dem Pick-up nach Chiang Mai. Ich hinten drauf mit drei weiteren Jungs. Zwei der großen „Lausbuben“ waren dabei. So hatte ich ausgiebig Zeit, sie zu beobachten. Und ich merkte, wie ich einige von den Kindern schon in’s Herz geschlossen habe…

Zuerst gingen wir alle zusammen zum Essen, danach zum Fluss, wo die Bananenboote eingesetzt wurden. Und mit dem Boot sandte man auch seine Wünsche für das kommende Jahr aus.

Außerdem wurden eine Art Heißluftballons hoch gelassen. 4-5 Leuten zündeten zusammen einen Ballon an und ließen ihn steigen – ebenfall begleitet mit Wünschen.

Alles in allem war es ein wunderbarer Abend ! Wir lachten, hatten Spaß miteinander, die Jungs waren begeistert von ihren Krachern (das muss wohl C.G. Jungs „kollektives Bewusstsein“ sein – ich glaube, überall auf dieser Welt stehen Jungs auf Kracher), wir Voluntärinnen hatten immer ein Mädchen am Arm. Als wir zwischendurch über einen Lehmhügel steigen mussten, waren die Jungs ganz Kavalier und halfen uns drüber, so weit das ging. Ich hatte den Eindruck, dass die kleinen, leichten Thais nicht so tief einsanken wie wir…

 

Samstag morgen gingen wir Voluntärinnen frühstücken, danach bummelte ich einwenig durch die Stadt. Weitere Eindrücke von Thailand – vor allem massenhaft Farangs (ich vermute, es waren mehr Touristen als Thailänder). Um ehrlich zu sein: ich war geschockt. Die anderen Beiden vermuteten, dass das mit „Loi Krathon“ zu tun hat (wir fanden gestern Abend auch fast keine Unterkunft mehr). Ich hoffe es…

Abends trafen wir uns etwas außerhalb von Chiang Mai mit den Kindern und Lehrern zu einem großen „Loi Krathong“-Fest. Schon auf der Hinfahrt standen wir im Stau. Das Fest war, genau betrachtet, furchtbar für mich, da Menschenmassen der Horror für mich sind. Zwar Thailänder, weil die Farangs vermutlich in Chiang Mai hockten, aber ich fragte mich kurz schon, was ich hier mache ?

Und dann wurde es noch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Es gab auf einem großen Platz zuerst eine Art Gebet zu Buddha, dann wurden wieder, wie am Vortag, die Heißluftballons hoch gelassen. Nur diesmal nicht nur ein paar, sondern Tausende (eine Lehrerin sagte, ca. 200.000 Stück) !!!

Diese ganzen Menschenmassen ließen alle Heißluftballons hoch, und das fast zur gleichen Zeit. Der Himmel war ein Lichtermeer und nach wenigen Minuten schien es, als hätte es tausende von Sternen am Himmel. Einfach überwältigend !!! Wir standen alle zusammen und waren hin und weg. Kurz darauf gab es noch ein schönes Feuerwerk, unsere Jungs schmissen wieder mit ihren Krachern rum, mit den Mädchen machten wir Fotos.

Alles in allem: nochmals ein sehr, sehr schöner Abend.

  

 

Sonntag, 25.11.2007

Es ist 17.00 Uhr und ich kam gerade eben aus Chiang Mai zurück. Als ich vorhin das letzte Stück zur SFL zu Fuß ging, fühlte ich mich richtig glücklich. Es war wie ein nach Hause kommen. Aus der lauten, überfüllten, vor allem mit Farangs überfüllten Stadt, in den Dschungel mit dem guten Duft, den Tiergeräuschen und dieser Stille.

Am Eingangstor begegnete ich zwar gleich einer griesgrämigen Lehrerin, aber das tat meiner Freude keinen Abbruch (vielleicht ein bisschen). Soweit zum Thema „ständig lächelnde, überaus freundliche Thailänder“. Das kann vermutlich nur jemand schreiben, der nie viel weiter als in den Touristenhochburgen wie Phuket oder Pattaya war. Da ist das Lächeln vermutlich eingefroren. Zumal das Lächeln sich in barer Münze auszahlt. Und die Thailänder sollen ein sehr materielles Volk sein.

Hier ist das jedenfalls nicht so. Morgens um viertel nach acht beim „Morning Call“ sieht man die Menschen hier mit ihren ganz normalen Befindlichkeiten. Und das ist nicht immer lächeln. Ganz im Gegenteil. Da steht ein ganz normaler Arbeits- bzw. Schultag bevor…

Morgens feierten wir Voluntärinnen mit einem leckeren, ausgiebigen Frühstück nach „Continental Art“ Geburtstag. Es gab Rührei, Croissants, Butter, Marmelade und leckeren Milchkaffee.

Mittags gegen 15.00 Uhr machte ich mich auf den Rückweg von Chiang Mai zur SFL. Die anderen Beiden bleiben noch einen Tag länger in der Stadt, ich versuchte mein Glück mit dem Taxi. Von Chiang Mai ging es mit dem ersten Taxi nach Doi Saket, dort musste ich umsteigen um weiter bis zum königlichen Gebiet „Huay Hong Kai“, auf dem die SFL ist, zu fahren.

In Doi Saket wurde es mir dann schon mal kurz mulmig. Ich musste an der letzten Haltemöglichkeit des ersten Taxis aussteigen. Dem Jungen, den ich im Taxi nach der Haltestelle fragte, traute ich instinktiv nicht so ganz, was das Aussteigen anbelangte. Ich stieg zwar letztendlich an der richtigen Haltestelle aus, aber als ich einen Satz mehr Englisch mit ihm sprechen wollte als: „Where do you come from ?“  merkte ich sehr schnell, dass das einer seiner wenigen Sätze ist (bloß war ich da schon ausgestiegen). Er konnte mir mit meinem zweiten Taxi also nicht weiter helfen. Ich sprach verschiedene Leute an, zeigte mein Zettelchen, wo ich hin will, doch keiner kapierte, was ich meinte. Sprachlich war schon gar nichts drin…

Ich fragte mich kurz, ob ich manchmal nicht zu gutgläubig bin ? Setze mich in ein Taxi, lasse mich in eine Stadt fahren, in der ich noch nie war (ich war mir auch nicht mehr sicher, ob ich in Doi Saket ausgestiegen war), ohne Karte, ohne Sprache, nicht ein Schild in Englisch.

Letztendlich hätte ich halt eine Voluntärin angerufen, die hätte einen Rettungstrupp schicken müssen. Aber wohin überhaupt ?

Schließlich kam ein hilfsbereiter Thailänder, der mich vermutlich beobachtet hat,  aus seinem Garten und zeigte mir, zu welchem Taxi ich muss. Von da an lief alles problemlos. Ich wurde am Tor des Königsprojekts rausgelassen, lief keine drei Minuten und wurde von einem Mopedfahrer gefragt, ob ich mit will. Wieder 5 Minuten später kam ein Autofahrer vorbei, mit dem ich dann ein Stück fuhr. Den Rest ging ich zu Fuß, was total gut tat. Und nun bin ich wieder hier…

 

 

 

Dienstag, 27.11.2007

In dieser Woche bin ich zum ersten Mal so richtig eingespannt.

Am Montag hatte ich die P6 alleine, am Dienstag die P4 und die P5. Es machte einerseits sehr viel Spaß, andererseits ist es auch sehr anspruchsvoll. Zumal man nie weiß, was einen erwartet…

 

Am Montag lernte ich mit den Kindern das Lied „Holiday“ von den Scorpions. Die waren total begeistert und machten klasse mit. Wir hatten eine prima Stimmung und über zwei Jungs war ich (mal wieder) total erstaunt. Ein „ich habe keine Lust auf Unterricht-Junge, der am Ende der Stunde nicht mehr ging, weil er sich so sehr für den Text interessierte und die Aussprache in Thai aufschreiben wollte. Und ein Junge der mich verblüffte, weil er eine besonders gute Aussprache hatte und sehr viel wusste.

Nachmittags war ich beschäftigt mit dem Vorbereiten des Unterrichts für die nächsten Tage. Ich saß fast den ganzen Nachmittag da und überlegte mir die „optimale Lösung“, wie man den Unterricht gestalten könnte. Damit es für uns Voluntäre einfacher wird, und dass die Kinder auch mehr Spaß haben.

 

Ich glaube, dass manche Kinder richtig Angst vor der Englischstunde haben. Denen graut es davor, etwas sagen zu müssen. Und andere wären so fit, mit denen könnte man wirklich weiter kommen, wenn sie gezielter gefördert werden würden. Aber dazu fehlt es halt an Lehrern…

 

Am Dienstag hatte ich die P5, die „schlimme“ Klasse. Mit denen übte ich das Lied „Three little birds“ von Bob Marley, und es machte auch mit denen sehr viel Spaß. Die waren „brav“ und machten prima mit.

Nach der P5 war die P4 angesagt. Mit denen bin ich immer alleine, und die sind ganz „harmlos“. Da ich diese Klasse mit Malen sehr gut ruhig halten kann habe ich beschlossen, mir jeden einzeln vorzuknüpfen und zu schauen, was der Einzelne kann; um mich an den Schlechten zu orientieren.

Einige der Kinder der SFL haben mit ca. 9-14 Jahren zum ersten Mal eine Schule besucht. Es gibt auch ein Junge, der zum ersten Mal mit 16 die Schulbank drückte. Und dass da andere Dinge Priorität haben als Englisch ist auch klar…

 

 

Mittwoch, 28.11.2007

Nachmittags war ich bei einer „Trekking-Tour“ mit dabei. Trekking-Tour ist zwar ein wenig übertrieben, eher Spaziergang, aber ich war wieder mal überwältigt…

Die SFL bietet diese Trekkingtouren für interessierte Touristen an. Da die SFL  kleine Bungalows vermietet, haben manche Leute Interesse an diesen Touren, die von den Kindern geführt werden. Der älteste Junge der SFL, der mit 16 hier her kam, inzwischen 21 ist und gut Englisch spricht, leitete diese Tour. Mit dabei waren sechs weitere „Dschungelkinder“.

An jeder zweiten Pflanze blieben sie stehen, erzählten um was es sich handelt, was man wann, wie essen kann und was nicht und welche Pflanzen tödlich sind.

Außerdem sah ich wieder dieses Phänomen, wie schnell die einen Baum hochklettern – barfuss. Unterwegs waren  alle in Flip-Flops, von wegen „gutes Schuhwerk“. Aber deswegen gehen die nicht schlechter, und auch mit Flip-Flops an den Füßen sind die Jungs mir nichts dir nichts den Baum oben…

Die Mädchen flochten Blumenkränze, Armbänder. Einfach schön.

 

Ich machte mir meine ganz persönlichen Gedanken: Haben die Kinder nicht ein ganz besonderes Wissen, das die Meisten von uns verloren haben? Ist denn Englisch wirklich wichtiger als so etwas?

Eine Voluntärin meinte dazu, mit ihrem Wissen könnten sie überleben, aber sie hätten keine Chance in der Gesellschaft. Was sind das für Chancen? Wir, mit unseren gut bezahlten Jobs und unserem Wohlstand sind ja alle so uneingeschränkt zufrieden… Als ich in die Augen der Kinder schaute, fragte ich mich, wer denn da glücklicher ist ?

 

 

Donnerstag, 29.11.2007

Heute hatte ich drei Englischstunden hintereinander. Es ist nach wie vor Herzklopfen…

Die P5 und die P6 hatte ich gemeinsam mit einer anderen Voluntärin. Es war wieder gut. Und zu Zweit ist es einfacher, vor allem die „schwierige“ Klasse.

Meine Kollegin meinte dazu, die anstrengensten seien heute auch nicht da gewesen. Ist mir eigentlich egal. Mit denen, die da waren, machte es Freude.

Und wo waren die Spitzbuben? Sie gingen heute Morgen für eine Woche ins Kloster, als Mönche. Es ist in Thailand üblich, dass jeder Junge bzw. junge Mann für eine kürzere oder längere Zeit ins Kloster geht. Ich stellte mir die Beiden vor und musste dann schon vor mich hin grinsen…

Nach dem Unterricht der P5 und P6 hatte ich die P4. Während diesem Unterricht schlappte plötzlich ein Junge der P5 an, fragte, ob er reinkommen dürfe und schaute, was wir (ich) machen. Das hat mich total gefreut, zumal er nicht zu den ehrgeizigsten Schülern zählt… Irgendwie passt es dann doch immer wieder – trotz mangelnder Sprache.

 

 

Nachmittags war „Projektgruppe“ angesagt, die aber leider ausfiel.

An der SFL gibt es drei Projektgruppen. Die „Kochgruppe“, die „Hotelgruppe“ und die „Touristikgruppe“. In jeder der drei Gruppen sind Schüler, die entsprechend für den Tourismus ausgebildet werden. In der „Touristikgruppe“ wird den Schülern beigebracht, Touristen in der SFL herum zu führen, natürlich in Englisch. Die Touristikgruppe beinhaltet auch die Trekkingtouren. Das ist der Bereich, auf den ich am meisten Lust hätte…

Die „Kochgruppe“ kocht thailändische Gerichte für Touristen, die hier einen Bungalow gemietet haben. Auch diesen Schülern wird beigebracht, sich mit ausländischen Gästen auf Englisch zu unterhalten und die thailändischen Gerichte auf Englisch zu erklären.

Die „Hotelgruppe“ wird darin unterrichtet, die Bungalows schön herzurichten und vor allen Dingen sauber zu halten. Der westliche Anspruch ist halt doch ein anderer als der thailändische...

Bin mal gespannt, wie sich mein Einsatz in einer der  Projektgruppen

entwickelt?

 

 

Samstag, 8.12.2007

Heute morgen saß ich um 7.00 Uhr im Bett und dachte: „Ich habe es schon unheimlich schön.“ Einen leckeren Kaffe an meiner Seite, die Sonne scheint, es ist schön warm, ich kann im Bett sitzen, Tagebuch schreiben, über mein weiteres Leben nachdenken und einfach das Leben genießen…

Trotz dem, dass einiges zu tun hier ist, läuft die Uhr einfach anders. Dieses Gefühl, nicht hinterher zu kommen, dieses aufgefressen zu werden von der

Zeit, das ich in Deutschland oft hatte, hatte ich hier noch nie.

Noch ein paar Worte zum Thema „warm“, über das ich oft schmunzeln muss. In Deutschland gehöre ich zu den Menschen, die oft frieren. Hier gehöre ich zu den Abgehärteten. Auch die anderen Deutschen, die schon länger hier sind, haben sich dem Klima in Thailand so angepasst, dass sie oft über „die Kälte“ klagen.

Am witzigsten finde ich die Thais, die bei 15–20° C ihre Fleece-Shirts spazieren tragen. Und beim „Morning Call“ (da war das Kälteste vielleicht

10–12° C) kommen viele dick eingepackt in Schal und Mütze. Und die neuen Handschuhe dürfen natürlich auch nicht fehlen. Im Gegensatz dazu aber viele dann ohne Strümpfe an den Füßen, sondern nur Flip-Flops.

Nachmittags wollten wir mit den Kindern malen, was aber nicht richtig in Gang kam. Zwei Mädchen malten bzw. bastelten mit uns, ein Junge kam kurz vorbei. Ansonsten malten wir am Meisten selber…

 

 

 

Montag, 10.12.2007

Gestern Morgen um 8.00 Uhr gingen meine Kollegin und ich zu Fuß Richtung Chiang Mai los. Wir wollten spätestens um 11.00 Uhr in Chiang Mai beim Frühstück sitzen - was wir auch schafften. Bis Doi Saket fuhren wir mit zwei Pick-ups, die uns unterwegs aufgeladen haben, ab Doi Saket ging’s dann für

15 B/Person (ca. 30 Cent)  bequem weiter mit dem Taxi.

Nachmittags machte ich einige Besorgungen und schrieb danach meine Weihnachtsbriefe. Das war sehr ungewöhnlich, mit kurzen Ärmeln und Sandalen dazusitzen und „Frohe Weihnachten“ zu wünschen.

Um 17.00 Uhr gingen meine Kollegin und ich zusammen auf den „Sunday Market“, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Anfangs war ich noch ganz begeistert von dem Markt (die vielen schönen Dinge !) aber gegen später – Menschenmassen ! Ich fragte mich, wo die alle her kamen ? Und mir leuchtete die Theorie ein, dass die Europäer langsam aussterben und die Asiaten zur Weltmacht werden (allen voran China)…

Nach diesem „Power Shopping“ taten mir zwar höllisch die Füße weh, aber ich war sehr zufrieden, da ich für alle „zu Beschenkenden“ etwas gefunden hatte.

Und als Entschädigung für diese Tortur lud ich meine Kollegin zu einem Glas Rotwein ein…

Wir verbrachten den heutigen Tag in Chiang Mai, weil in Thailand Feiertag ist.

Morgens gingen wir wieder Frühstücken, danach machten wir uns daran, die Weihnachtsgeschenke zu verpacken und zur Post zu bringen. Und da ging das Drama los. Bis ich letztendlich alle meine Pakete los hatte, der Willkür der thailändischen Postdamen geduldig stand gehalten und der thailändischen Post ein Vermögen in den Rachen geschmissen hatte (und für deutsche Verhältnisse viel Geld für Porto ausgegeben hatte), ging ich in ein tolles Kaffee und gönnte mir vermutlich eines der besten Stücke Torte in ganz Chiang Mai (Mousse au Chocolat-Torte, hm). Und ich war wieder versöhnt !

Gegen Abend fuhren wir zu Dritt zurück zur SFL und ich hatte wieder das gleiche Gefühl wie immer, wenn ich zurückkomme; die Freude, wieder „zu Hause“ zu sein, in der „gewohnten“ Umgebung, im „eigenen“ Zimmer.

 

 

 

 

 

Sonntag, 16.12.2007

Als ich heute Morgen um 7.00 Uhr aufstand, hatte ich das typische „SFL-Tag-Gefühl“. Ich trank meinen Kaffee im Bett, wusste nicht, wann es Frühstück gibt, wusste überhaupt nicht, was der heutige Tag so bringt…

Und nun ist es 20.45 Uhr, und ich sitze seit heute Morgen zum ersten Mal wieder alleine in meinem Zimmer, weil ununterbrochen irgendetwas war.

 

Während dem Frühstück setzte sich ein Lehrer und Mitbegründer der SFL zu mir und meiner Kollegin an den Tisch. Wir fingen an, uns über die SFL zu unterhalten. Irgendwann fragte er, ob wir den Film, der über die SFL gedreht wurde, schon gesehen hätten ? Hatten wir nicht, und so marschierten wir los,  um den Film anzuschauen. Aus dem einen Film wurden zwei, nebenher gab es wieder leckeres Essen… Danach gingen wir einwenig in der SFL herum, erfuhren, wo die ersten Häuser waren und wie das Ganze Projekt mit zwei Kindern begann (in der Zwischenzeit sind es 140 Kinder). Letztendlich luden wir ihn zu uns zum Kaffee ein und das interessante Gespräch wurde fortgesetzt. Um 13.00 Uhr gab es (mal wieder) Mittagessen. Danach machten wir mit ein paar Kindern eine zweistündige Wanderung, mit einem Touristen im Schlepptau. Es war wieder, wie immer bei diesen Unternehmungen, ganz klasse mit den Kindern. Erstens, lerne ich dadurch die Umgebung besser kennen, zweitens, bin ich sehr gerne draußen und es ist hier herrlich zu wandern und drittens bekommt man durch diese außerschulischen Aktionen nochmals einen anderen Zugang zu den Kindern. Momentan bin ich dabei zu lernen, mit der Steinschleuder zu schießen. Das klappt in der Zwischenzeit in so weit, dass ich  manchmal sogar schon recht gut mein Ziel treffe (zwar nicht „shoot birds“, aber es gibt zum Glück noch andere Ziele)… Meine beiden „Gegner“ heute Nachmittag schauten sehr erstaunt, weil sie anfangs nichts getroffen haben – im Endeffekt waren sie dann natürlich viel besser als ich… Ich habe kurz ernsthaft überlegt, mir eine Steinschleuder zuzulegen.

 

Als wir dann zurück an der SFL waren und unseren Gast „übergeben“ haben, saßen meine Kollegin und ich zusammen und dann gab’s bald Abendessen, noch kurz mit ein paar Lehrern zusammen sitzen und jetzt sitze ich hier. Gerade eben wurde der „Zu-Bett-geh-Gong“ geschlagen und an der SFL kehrt Ruhe ein – um 21.07 Uhr…

 

 

Donnerstag, 20.12.2007

Die Weihnachtsvorbereitungen sind in vollem Gange. Zwar weiß keiner ganz genau, was los ist, aber so langsam nimmt das Ganze Gestalt an.

Da momentan in jeder Hinsicht Umbruchstimmung herrscht, sind die Weihnachtsunklarheiten nur ein Teil des Ganzen…

Beim Mittagessen wurde uns gesagt, wir Voluntäre sollten heute um 13.00 Uhr in die „Assembly Hall“ kommen. Man würde zusammen mit ein paar Kindern den „Meditation Dance“ (Meditationstanz vom Morgen) üben, um ihn am 24.12. den eingeladenen Sponsoren vorzuführen. Meine Kollegin und ich waren da, alle waren da, doch plötzlich sprangen alle auf, rannten davon, wir standen rum, nach und nach stiegen fast alle in irgendwelche Autos und fuhren davon. Wir beide standen da, gingen wieder in unsere Zimmer und beschlossen, den freien Tag zu genießen. Und da sitze ich jetzt… Und ein paar Kinder streiften hier vorher herum.

 

Durch die Umgruppierung der Kinder in ihre neuen „families“ gibt es sehr viel zu tun. Es wird gebaut, umgebaut, umstrukturiert. Alles in allem ist die Idee, wenn sie dann mal umgesetzt ist, sicher gut.

In jeder „family“ (Familie) sind ca. 15 Kinder plus Betreuer plus Unterstützung untergebracht. Diese sind zuständig für das Wohl der Kinder. Es wird zusammen gewohnt, gespielt, gelernt. Wie in einer Familie eben. Wir Voluntäre sind ebenfalls einer „family“ zugeordnet worden. Das heißt für uns, dass wenn der endgültige Umzug stattfindet, auch wir in unsere „familiy“ ziehen müssen. Da bin ich gespannt ? Aber ich mache mir erst ernsthafte Gedanken darüber, wenn es so weit ist…

 

Gestern Abend hatten wir zum ersten Mal „Tanzprobe“ für Weihnachten. Meine Kollegin und ich sollen mit einer „family“ einen Tanz einstudieren. Das war sehr nett, und mir wurde klar, dass dieser „family“ - Gedanke auch für uns Voluntäre gut ist. Man bekommt durch die gemeinsamen Aktivitäten einen ganz anderen Bezug zueinander. Außerhalb von Schule und einwenig Sport. Wie wir Deutschen nachher wirklich mit 15 Kindern den Tag und die Nacht verbringen, gewöhnt an eigene Zimmer und Intimsphäre, das wird man sehen… Für Thailänder ist das anscheinend kein Problem. Die ganzen Lehrer wohnen schon jetzt zu Zweit in einem kleinen Zimmer. Und ein Betreuer (der Mitbegründer der SFL), ein Mann mit 33 Jahren, lebt mit 34 (kleinen) Jungs im „Dormitory“ (Schlafsaal). Ich glaube, es kann sich jeder vorstellen (zumindest jeder mit Kindern), was für eine Aufgabe und was für ein Einsatz das ist… Zumal das alles Kinder sind, die aus gestörten Verhältnissen kommen oder ein schweres Schicksal hinter sich haben. Ich habe die größte Achtung vor ihm.

 

Seit gestern habe ich außerdem eine neue „Mitbewohnerin“ in der Dusche. Und zwar eine Spinne. Und wenn ich sage „Spinne“ dann meine ich "Spinne“, kein „Spinnchen“, wie in Deutschland. Sie ist zwar nicht groß, dick und schwarz, aber dafür ist sie groß, langbeinig (ca. 20 cm) und verdammt schnell. Wie wir beide miteinander zurechtkommen werden, bin ich mal gespannt. Ich vermute, sie hat genauso viel Angst vor mir wie ich vor ihr…

Und gerade hat ein Riesengecko so laut geschrien, dass meine Kollegin und ich beide aus dem Zimmer kamen. Wo der wohl hockt ?

Ich finde die einerseits ganz klasse, weil ich dank ihnen so gut wie kein Ungeziefer im Zimmer habe. Die fressen alles (vielleicht übernimmt ein großer Gecko auch die Spinne für mich. Aber dann wäre er ja in meinem Bad, und das weiß ich auch nicht, ob ich das will ?) auf. An die kleinen Geckos habe ich mich gewöhnt, die sind total niedlich. Und es macht mir auch nichts aus, dass sie mein Waschbecken als ihr Klo ausgesucht haben. Aber die Großen sind halt richtige Reptilien…

 

 

 

Samstag, 22.12.2007

Bis ich heute Morgen in einem Guest-House (Gästehaus) in Chiang Mai landete, machte ich die Erfahrung mit einer weiteren „typischen“ Thai-Verhaltensweise. Und zwar mit dem „Nicht-das-Gesicht-Verlieren“.

In jedem Reiseführer kann man lesen, dass ein Thai nie „nein“ sagt (ich habe auch noch nie eine eindeutige Antwort auf die Frage bekommen, was „nein“ auf Thai heißt), nie jemanden kritisiert, öffentlich Missbilligung äußert oder zugibt, dass er etwas nicht weiß.

Morgens um halt zehn hatte ich die Möglichkeit, mit einer Lehrerin nach Chiang Mai zu fahren. Bis nach Chiang Mai verlief die Fahrt problemlos. In Chiang Mai fragte sie mich, wo ich hin wolle ? Ich sagte, dass ich zum „Tha Phae-Gate“ wolle, dass sie mich aber überall aussteigen lassen könne: „I can take a Taxi“.

Wir fuhren weiter, in die Stadt. Sie murmelte ein paar Mal: „Taxi, Taxi“, fuhr aber an den Taxis vorbei. Irgendwann kamen wir in die Gegend des „Tha Phae-Gates“. Ich sagte, sie könne mich aussteigen lassen, worauf sie nicht reagierte. Wir fuhren weiter, ich dachte, sie lebt in Chiang Mai, sie kennt bestimmt einen Weg, wie man direkt zum Gate kommt. Wir fuhren wieder vom Gate weg, ich überlegte: „Vermutlich Einbahnstraße.“ Wir fuhren und fuhren, ich kannte mich in der Zwischenzeit nicht mehr aus. Langsam kamen wir wieder Richtung Gate, ich sah ein Schild, dass hier links abzubiegen sei. Sie fuhr vorbei. Ich dachte wieder, sie kennt bestimmt einen besseren Weg. Das „Tha Phae-Gate“ war in Sicht… Wir fuhren wieder irgendwo hin, wo ich keine Ahnung hatte, wo ich bin. Langsam dämmerte es mir. Ich fragte mich: “Weiß sie womöglich nicht, wo das „Tha Phae-Gate“ ist ? Hoffentlich lässt sie mich jetzt hier nicht aussteigen.“ Ich hatte keinerlei Orientierung mehr. Weiter ging die Fahrt… Irgendwann wusste ich wieder, dass das „Tha Phae-Gate“ höchstens 150 m entfernt ist. Ich sagte zu ihr: „Da vorne ist das „Tha Phae-Gate“.“ Die Antwort: „This is not „Tha Phae-Gate“.“ Ich wusste es besser! Und überlegte mir, wie ich jetzt am Besten aus der Situation heraus komme, zumal ich bemerkte, dass sie schon wieder irgendwo hin fährt und ich u.U. wieder die Orientierung verliere. Ich dachte: „Nix wie raus hier, solange ich noch weiß, wo ich bin“, und sagte zu ihr, dass sie mich hier rauslassen könne, da ganz in der Nähe mein Guest-House sei. Sie hielt an, ich stieg aus und war in wenigen Metern beim „Tha Phae-Gate… Letztendlich fuhren wir 45 Minuten von der SFL bis nach Chiang Mai und nochmals 45 Minuten in der Stadt herum.

Ich weiß nicht, an was es im Endeffekt lag. Kennt sie sich in Chiang Mai wirklich nicht aus ? Oder lag es mal wieder an der Sprachbarriere ? Sie ist eine Lehrerin, die immer so tut, als beherrsche sie die englische Sprache, zumindest einigermaßen. Ich vermute, dass sie außer den üblichen Floskeln kein Wort kann…

Zum Thema „Sprache“ noch eine lustige Begebenheit: Irgendwann standen meine Kollegin und ich nach dem Mittagessen herum, da sagte ein dreizehnjähriger Junge im Vorbeigehen voller Innbrunst: „I love you!“ Ich dachte zuerst, ich habe mich verhört, musste lachen und sagte zu ihm: „I don’t think, that you love me“, was er sicher nicht verstanden hat (ich kenne seine Englischkenntnisse). Er hat diesen Satz irgendwo aufgeschnappt und ihn vermutlich an mir ausprobiert…

 

 

 

Montag, 24.12.2007 - Heilig Abend

Der heutige Tag begann wie ein normaler Schultag. Kurz nach 6.00 Uhr Wecken, Frühsport für die Kinder, für mich im Bett sitzen, lesen, Kaffee trinken, den Tag gemütlich beginnen (die einzige Hektik: schnell bzw. früh genug bei der Waschmaschine zu sein, damit man zum Zug kommt).

Nach dem Frühstück und dem „Morning Call“ mussten sich einig „stylen“ und für ihren Auftritt fertig machen, da wichtige Sponsoren zu Besuch kamen. Wir Lehrer und Voluntäre bekamen extra für diesen Anlass alle die gleichen Anzüge im Nord-Thailand-Stil.

Um 10.00 Uhr kamen die Herrschaften an. Davor war Generalprobe, die ein Durcheinander war, wie so oft bei Generalproben. Der Auftritt war dann aber klasse. Ein paar Mädchen führten einen traditionellen Thai-Tanz auf, mit schönen Kleidern und Frisuren und perfekt geschminkt. Im Hintergrund ein paar Jungs, die mit der großen Trommel und verschiedenen Becken den Takt angaben. 

Als Einführung führte ein Junge eine Art Performance an der großen Trommel auf. Als ich das sah, blieb mir wieder der Mund offen stehen. Der war so ausdrucksstark - da bin ich immer wieder aufs Neue total perplex. Diese „Lümmels“, die von einer Sekunde zur anderen zu völlig verschiedenen  Persönlichkeiten werden und total in ihrem Element sind…

Nach dem Empfang gingen wir alle zusammen in die „Assembly Hall“, wo Reden und Ansprachen gehalten wurden. Reden hören sich die Thais sehr gerne (noch lieber als die Deutschen). Manche können wirklich stundenlang, ohne Unterbrechung Monologe halten…

Nachmittags telefonierte ich lange mit meiner Familie. Danach übten wir Voluntäre unseren Auftritt für das Weihnachtsfest morgen. Wir machen Karaoke (auf das die Thais total stehen), singen Marianne Rosenberg „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“. Eine Voluntärin und ich trällern das Lied in das Mikrofon, die Anderen sind die „Background-Tänzerinnen“. Was wir lachten – und was ich hier für Zeugs mache ! Ich glaube, jeder der mich kennt kann sich nicht vorstellen, wie ich auf einer Bühne stehe und Marianne Rosenberg singe. Ich kann es eigentlich auch nicht…

Abends saßen wir Voluntäre zusammen, da es an der SFL keinen „Heilig Abend“ gab. Irgendwann kamen noch zwei Thai-Lehrer dazu und wir hatten einen schönen Abend. Nein, um es ehrlich zu sagen: wir hatten ein Besäufnis. Wir machten Witze, lachten uns schief und krumm und man hörte uns im ganzen Gelände (Anm.: am darauf folgenden Tag wurden wir mehrfach darauf angesprochen). Der Tag endete also nicht wie ein normaler SFL-Tag…

 

 

 

Dienstag, 25.12.2007 - 1. Weihnachtsfeiertag

Und das ungewöhnliche Weihnachten ging weiter… Morgens übten wir mit unserer „familiy“ den Tanz für den Abend. Andere families taten seit einer Woche, stundenlang nichts anderes. Unser Haufen konnte sich gerade mal ein halbes Stündchen aufraffen.

Um ca. 16.00 Uhr bekamen wir Voluntäre dann den Startschuss, wir sollten kommen (nachdem wir bis 15.50 nicht genau wussten, was denn wann ? wo? wie ? Sache ist). Wir mussten als „Engel“ erscheinen. Dazu wickelten wir Bettlaken um uns und schmückten unser Haupt mit Goldkränzen. Und man fand uns wunderschön (und als es Dunkel wurde musste man nur schauen, wo es glitzert) …

Auf einem großen Feld war wie eine Art Krämermarkt mit Kleidungs-, Schuh- und Essensständen, extra für die SFL, aufgebaut. Jeder bekam Gutscheine für 500 B um sich Kleidung zu kaufen und 100 B für Essen und Trinken.

Als ich mir Schuhe aussuchte, musste ich die aber aus irgendwelchem Grund nicht bezahlen. Auch Essen musste man letztendlich nicht bezahlen. Ich musste schauen, wie ich meine 500 B an den Mann bringe und kaufte mir eine Jacke und ein warmes Sweatshirt (es soll wieder kälter werden…).

Während dem „Shopping“ begannen die verschiedenen Auftritte (ich war so mit Einkaufen beschäftigt, dass ich meinen eigenen Auftritt mit der „family“ verpasste). Irgendwann kamen 3 Einlagen von Transvestiten. So was von schräg !!! Ich habe gelesen, dass man solche Shows in den Touri-Hochburgen besuchen kann. Aber hier in der Schule habe ich das nicht erwartet. Wieder mal kriegte ich den Mund nicht zu.

Und es ging krass weiter. Von einer Minute zur Anderen, mitten in dieser verrückten Stimmung, wurde der Schalter umgelegt. Man dachte an die Tsunami-Opfer von vor drei Jahren. Wir ließen Loi-Kratong-Ballons aufsteigen, es wurden Kerzen angezündet und alle versammelten sich um den Weihnachsbaum. Dort wurde gesungen und zum Schluss umarmte man sich. Viele Kinder kamen her; mit den Einen war die Umarmung eher oberflächlich, mit den Anderen sehr intensiv und emotional… Es herrschte eine sehr feierliche und bewegende, vielleicht auch traurige Stimmung.

Und danach – klapp – Schalter wieder um, singen, tanzen, fröhlich sein…

Die Transvestiten kamen nochmals auf die Bühne (und in die Menge). Diesmal noch verrückter als beim ersten Mal.

Ich unterhielt mich mit einer Voluntärin mal darüber, wie das hier wohl läuft mit Aufklärung ? Während dieser Show dachte ich mir: „Die wissen alles.“

Diese Mentalität der Thais, „sabai, sabai“ (Spaß, Spaß), ist für uns Deutsche schon sehr ungewöhnlich. Doch ich beobachtete auch Kinder, die sich nicht sofort wieder in die spaßige Meute schmeißen konnten…

Eine „familiy“ hatten einen Auftritt mit Feuerspucken und Feuerakrobatik. Wieder war ich erstaunt, was die verschiedenen Kinder alles können. Aber die Spucke blieb mir wieder weg (zum wievielten Male die letzten beiden Tage ?), als der stellvertretende Schulleiter auf die Bühne gerannt kam, einem Jungen die Fackel aus der Hand nahm, und kurz eine Feuershow vom Feinsten abzog. Mit Fackel schmeißen, zwischen den Beinen durch, dann die zweite Fackel etc. Irgendwie können hier sehr viele etwas Besonderes, außerhalb ihres „normalen“ Alltags. Und das dann aber mit einer Perfektion !

Ganz zum Schluss hatten wir Voluntäre unseren Auftritt. Dazu äußere ich mich nicht, nur, perfekt war der nicht…

Alles in allem war es wieder ein besonderer Tag. Vor allem finde ich es erstaunlich, wie diese ganze Sache innerhalb von ein paar Stunden hochgezogen und aufgebaut wurde (am Morgen war noch keine Bühne oder sonst irgendetwas weit und breit zu sehen). Einerseits ist es sehr oft chaotisch hier, aber wenn etwas Wichtiges geplant ist, vor allen Dingen, was Spaß macht und Freude bringt, dann machen die Thais das mit einer Hingabe zum Detail und dem oben genannten Perfektionismus, wie ich es so nicht kenne.

 

 

 

Freitag, 28.12.2007

Am Donnerstag war zum letzten Mal Unterricht im alten Jahr. Ich beschloss, das lange Wochenende zu nutzen um nach „Sukhothai“ zu fahren. Sukhothai liegt ca. 400 km südlich von Chiang Mai entfernt, war die erste Hauptstadt Thailands und erlebte ihre Blütezeit von der Mitte des 13. Jh. bis zum Ende des 14. Jh. Die Zeit Sukhothais gilt als „goldenes Zeitalter“ der thailändischen Kultur. Die Ruinen von S. gehören zum Weltkulturerbe und ich wollte sie unbedingt sehen.

Am Donnerstag nach dem Unterricht fuhr ich nach Chiang Mai. Dort übernachtete ich und fuhr am Freitag mit dem Zug nach Phitsalunok. Von dort ging es mit „Tuk-Tuk“ und Bus nach Sukhothai.

Als ich am Bahnhof in Chiang Mai auf meinen Zug wartete kam ein Zug aus Bangkok an und es strömten eine Menge Touristen an. Mir wurde in dem Moment wieder klar, dass ich momentan hier mit den Menschen richtig lebe, dass Nähe entsteht und das Gefühl, dass wir im Endeffekt alle gleich bzw. eins sind. Egal ob Thai oder „German“. In dem Moment fühlte ich mich den Thais in der SFL viel, viel näher als den ankommenden „Farangs“, da wir in der SFL alle in einem Boot sitzen und dass das kulturelle Mauern niederreißt…

Ich war aber kaum in Phitsanulok angekommen, da fühlte ich mich nur noch getrennt. Ich war einer dieser „normalen“ Touristen, und bis ich letztendlich in S. ankam, gestaltete sich alles sehr anstrengend und frustrierend. Ich wurde ständig von „Tuk-Tuk-Fahrern“ belästigt, wurde herablassend behandelt und im Endeffekt auch beschissen. Ich sehnte mich nach der SFL…

Am Donnerstag morgen hatte ich zum ersten Mal mit einer neuen Lehrerin Unterricht. Das lief ganz prima bei uns und machte sehr viel Spaß. Ich war froh, dass jemand Thai spricht, sie bedankte sich fünf Mal dafür, dass ich sie so sehr unterstütze (sie wurde nämlich genauso ins kalte Wasser geschmissen wie ich auch).

Irgendwann während des Unterrichts kam ein Junge von einer anderen Klasse vorbei (einer der Spitzbuben), platzte sich neben mich und nahm am Unterricht teil. Ich war sehr erstaunt darüber, da er sonst nicht soooo interessiert ist (aber er kann wenn er will…). Noch erstaunlicher fand ich, dass er immer wieder rumposaunte: „I like English.“

In zwei Tagen zwei völlig verschiedene Aspekte des Lebens hier…

 

 

 

Sonntag, 30.12.2007

Ich machte mich vor 7.00 Uhr auf den Weg nach „Old Sukhothai“, war um ca. 7.30 Uhr dort, mietete mir ein Fahrrad, um das Gelände abzuradeln, kam aber zuerst einmal nicht am Frühstückscafé vorbei…

Letztendlich kam ich um kurz vor 8.00 Uhr im Zentralbereich an – und  war (mal wieder) überwältigt ! Keine Menschenseele beim „Wat Mahathat“ (doch, der Saubermach-Dienst); die Monumente in der glänzenden Morgensonne, die Stille, ein frischer Duft und der besondere „Geist“ (spirit) dazu… Ich saß fast eine Stunde und meditierte, ließ den Ort auf mich einwirken…

Mit der Zeit kamen weitere Touristen, ich schaute mir weitere Monumente an und beschloss gegen 11.00 Uhr, dass wieder Zeit für einen Kaffee ist. Danach ging ich nochmals zum Zentralbereich, fand es aber nicht mehr berauschend.

Die Menschen krakelten herum, Autos fuhren. Es war vorbei mit dem Zauber…

Ich frage mich in diesen Momenten immer, wie Menschen an solchen heiligen Stätten so rumtrampeln können ? Und wenn’s ums Geld geht, ist den Thais auch nichts heilig. Für 50 B kann jeder mit seinem Auto, für 10 B mit seinem Moped auf dem Gelände herum schießen…

Nach dem Mittagessen beschloss ich, zum Nordbereich zu radeln. Wie fast überall an Touristenorten trampeln sich die Horden im Zentrum auf den Füßen rum, 50 m weiter ist keine Menschenseele mehr. Genauso war es im Nordbereich auch. Als ich hinein fuhr, wurde es mir richtig unheimlich…

Dieser Tempelkomplex sieht aus, wie etwas in einem Land wie Thailand oft aussieht, dass ca. 1 km vom Massenandrang entfernt ist - zerfallen. Es war aber trotzdem interessant zu sehen, wie das Innenleben einer Buddha-Statue aussieht, wie sie im Innern „gemauert“ ist. Es standen zwei Füße alleine rum, alles war ganz schwarz. Ich weiß nicht, ob es einmal gebrannt hat, oder ob das die Luftverschmutzung angerichtet hat ?

Ich beschloss, die Ruhe zu genießen und wollte ein Nickerchen machen, lag aber keine zwei Minuten, da kam ein Polizist zu mir her und meinte, ich könne hier nicht schlafen, das sei zu gefährlich. Ich nahm ihn nicht ernst, machte keine Anstalten, mich fort zu bewegen, aber er blieb stehen und wir hielten ein Schwätzchen. Er sagte dann nochmals, dass es alleine zu gefährlich hier sei. Ich gab auf, zog meine Schuhe wieder an und machte mich davon. Kurze Zeit später sah ich, wie er und sein Kollege eine andere alleinreisende Touristin zum Zentrum zurück fuhren (Anm.: zwei Tage später erfuhr ich, dass es dort oft Überfälle auf Touristen gibt)… Ich fuhr zurück nach S., verbrachte den restlichen Tag dort und nahm heute um 8.30 Uhr (diesmal) den Bus zurück nach Chiang Mai.

Als ich um ca. 14.00 Uhr in Chiang Mai ankam, stellte sich mir die Frage, ob ich den Weg mit Taxi etc. zur SFL antrete, oder ob ich noch einen Tag in Chiang Mai verbringe. Ich entschied mich ganz klar für die SFL. Der Rückweg verlief dann so reibungslos und zügig, dass ich um 16.30 Uhr schon an der SFL war.

Ich wusste, dass nur wenige Kinder und Lehrer über Neujahr hier sind und stellte mich auf zwei beschauliche Tage allein ein. Weit gefehlt… Um 17.30 Uhr hörte ich den „Gong“ und schaute, was ansteht. Ein Lehrer fing gerade an, mit „seinen“ Jungs zu kochen. Ich half mit, wir kochten, brachten das fertige Essen ins Zimmer des Schulleiters, aßen alle zusammen, hockten herum, schauten irgendwelche „komischen“ thailändischen Musikfilme an und es war wieder ein sehr schöner Abend.

 

 

 

Montag, 31.12.2007 - Sylvester

Morgens um 10.00 Uhr fuhren alle „Übriggebliebenen“ (Lehrer, Schüler und ich)

zu „Joy’s House“ (die Gründerin der SFL) nach Chiang Mai, um Silvester zu feiern. Auf dem Hinweg wurde mir bewusst, wie selbstverständlich diese Landschaft, das Alles hier für mich geworden ist. Und mir wurde klar, dass ich in etwa zwei Monaten nicht mehr mit einer Horde dunkelhäutiger Kinder und Jugendlicher im Pick-up unterwegs bin, dass nicht mehr ständig die Sonne scheint, dass dann die Landschaft wieder ganz anders ist…

Tagsüber hängten wir alle mehr oder weniger herum. Essen, trinken, mit Touristen, die sich in Joy’s House einquartiert haben, quatschen…

Abends war dann Programm, und es war, kurz gesagt, wieder eine super

Party !!! Die „Thai-Dance-Mädchen“ traten auf, die abgedrehten Transvestiten, ein paar Jungs traten als Frau auf und der Schulleiter als Engel.

Wir bogen uns vor Lachen ! Und zwischendurch wurde getanzt wie wild.

Wenn es um Spaß („sanuk“) geht, kennen die Thais wirklich nichts. Von wegen „Gesicht verlieren“. Außerdem stehen viele glaube ich darauf, die

(Geschlechter-)“Rollen“ zu tauschen. Auch das Thema Homosexualität sehen die Thais viel ungezwungener als wir (aber dazu vielleicht ein andermal).

Um 24.00 war es dann gleich wie in Deutschland. Der Countdown lief, ein Feuerwerk wurde los gelassen, man wünschte sich ein „schönes neues Jahr“. Dabei merkte ich wieder bei meinen paar „Lieblingskindern“, wo schon viel Nähe entstanden ist, wie es einfach „anders“ ist. In solchen Momenten überlege ich jedes Mal, wieder zurück zu kommen…

Ich fuhr dann  nachts um 2.00 Uhr mit einer Betreuerin der SFL zurück zur SFL. Davor brachte sie zwei Voluntärinnen in die Stadt. Während dieser Stadtfahrt habe ich ein paar Mal gedacht: „Junge, jetzt hast Du aber Glück gehabt.“ Die raste mit ihrem massiven Landrover dermaßen durch die Straßen, dass die Menschen auf der Straße gerade noch zur Seite springen konnte. Für einen „Farang“ der das nicht gewohnt ist, lebensgefährlich (ich muss da auch mein eigenes Verhalten als Fußgänger im thailändischen Straßenverkehr ändern).

Ist das die Rücksichtslosigkeit der Thais, von der ich schon las ?

Ich war auf jeden Fall froh, mich um 3.00 Uhr todmüde in mein Bett plumpsen lassen zu können.

 

 

 

Dienstag, 01.01.2008 - Neujahrstag

Der 01.01. verlief dann sehr ruhig. Ich ging einwenig spazieren, schrieb Tagebuch, las – und landete abends wieder bei einer „Lehrer-Trink-Ess-Runde“. Es gefällt mir immer sehr, die einzelnen Leute zu beobachten. Sie sind immer sehr, sehr nett und herzlich zu mir und es macht ihnen glaube ich viel Spaß, mich bei meinen Thai-Sprach-Versuchen zu unterstützen. Ich trage auf jeden Fall zur allgemeinen Belustigung bei (was das Ansehen vermutlich steigern kann)…

Dabei frage ich mich oft, welcher überhebliche Farang behaupten kann, Thai sei eine leicht zu lernende Sprache. O.k., was Grammatik anbelangt schon (es gibt nämlich kaum eine Grammatik), aber die Sprache mit ihren 5 Tonlagen und deren verschiedene Bedeutungen so zu sprechen, dass man auch verstanden wird, das lernt keiner „mal so schnell nebenher“.

 

 

 

Montag, 07.01.2008

Am 02.01. begann wieder der Unterricht nach den Feiertagen. Seit diesem Jahr gibt es wieder eine Veränderung im Englischunterricht.

Ich unterrichte mit einer Thailänderin zusammen die M-Klassen (Mittelstufe) und nachmittags Englisch für Touristik (na ja, so heißt das…). Alles in allem klappt das prima bei uns Beiden, wir ergänzen uns wunderbar. Sie ist mir sehr dankbar, dass ich sie unterstütze wo ich kann (sie fing vor zwei Wochen neu an der SFL an und wurde, wie alle hier, ins „kalte Wasser“ geschmissen), was sie mir mindestens drei Mal am Tag sagt, und ich bin sehr froh, dass sie da ist, weil der Unterricht, vor allem wegen der Sprachbarriere, nun viel, viel einfacher ist (nebenbei lerne ich auch besser Thai). Und wie gesagt, persönlich mögen wir uns auch, so dass wir uns oft unterhalten und ich dadurch mehr über die thailändische Kultur erfahren kann.

Donnerstag und Freitag ging es mir dann gesundheitlich nicht gut. Ich hatte Schnupfen, fror, fühlte mich schlecht, hatte eine Erkältung, die zum Glück am Samstag schon wieder gut war.

Samstag morgen fuhr ich mit ein paar Leuten nach Phuket, um einzukaufen. Als ich dann sagte, ich würde zurück zur SFL zu Fuß gehen, löste das wieder absolutes Befremden aus. Die Leute im Pick-Up hielten zwei Mal an um mich zu fragen, ob ich auch wirklich zu Fuß gehen will, und die darauf folgende Mopedfahrerin fragte zur Sicherheit auch nochmals nach. Mir tat es sehr gut, mich mal wieder zu bewegen, nach den vergangenen Tagen.

Abends saß ich mit ein paar Thai-Kolleginnen zusammen. Wir kochten und aßen, redeten und lachten. Es kamen ein paar Lehrer dazu, die Gitarre wurde rausgeholt - und der Alkohol floss natürlich auch wieder.

Ich fragte, wie die Trinkgewohnheiten der Thais denn so seien ? Und bekam von einem Mann, der einige Jahre in Deutschland lebte, zur Antwort: „Die Deutschen trinken jeden Tag wenig, die Thais nur manchmal, aber dann viel.“ Also ich weiß auch  nicht ? Jetzt war ich die letzten zwei Wochen vier Mal mit Thais zusammen, und jedes Mal wurde sehr tief ins Glas geschaut... Irgendwie ist da etwas anders als bei uns. Aber es ist noch nicht richtig greifbar für mich…

Am Samstag abend machte ich mich letztendlich klammheimlich aus dem Staub, weil sie mich fast schon fest hielten und immer kräftig Whiskey

nachschenkten …

Montag hatte ich, zusammen mit meiner Thai-Kollegin, tagsüber viel Unterricht. Es macht immer sehr viel Spaß, aber es ist auch anstrengend. Der Unterricht, das Verhalten der Kinder im Unterricht, einfach anders. Ich habe z.B.: in jeder Klasse meine Pappenheimer, bei denen ich erst einmal mindestens 5 Minuten „Überzeugungsarbeit“ leisten muss, dass sie jetzt Englischunterricht haben und dass sie das können. Wenn man bei denen diese Überzeugungsarbeit nicht leistet, dann verschwinden sie, irgendwo im Dschungel...

Aber alles in allem läuft es, was mein „Thaileben“ hier anbelangt, bestens. Was das „Volontärsleben“  anbelangt, wurde die Luft die letzten Wochen immer dicker. Es gab einige Gespräche und ich hoffe, dass sich einiges entspannt. Heute kam dann auch eine Neue in unsere Gruppe, eine 22-jährige Australierin. Letztendlich waren ab dem Spätnachmittag wieder alle meine Kolleginnen „ausgeflogen“, ich kümmerte mich um die neue Volontärin und flog sehr früh, todmüde ins Bett.

 

 

 

Mittwoch, 09.01.2008

Beim Frühstück morgens sagte mir meine Thai-Kollegin, dass der Unterricht ausfallen würde –„Heute geht’s ab in den Dschungel“, zum wandern.

Und so starteten wir mit allen drei M- (Mittelstufe) Klassen und gingen wandern. Und diesmal war’s nicht nur ein Spaziergang, man kann es sogar „Trekking“ nennen. Und es machte wie immer viel Spaß. Es gab einige Rutschpartien und einiges zu lachen. Ich erfuhr wieder ein paar interessante Dinge über Natur und Pflanzen und außerdem ergab sich ein gutes Gespräch mit einem Mädchen, dass die SFL im März verlässt und zurück zu ihrer Mutter nach Phuket (im Süden, am Meer) geht.

Als wir los wanderten, passierte eine „nette, typische“ Thai-Geschichte. Ich dehnte und streckte mich, und dabei konnte ein Mädchen einen kurzen Blick unter meine Arme werfen. Sie machte mich sofort darauf aufmerksam, dass es mal wieder an der Zeit wäre, meine Achselhaare zu entfernen.

Für Thailänder stehen die Körperpflege und vor allem Äußerlichkeiten  an erster Stelle. Da sind sie dann auch gnadenlos mit ihren Äußerungen. Man wird ungeniert gefragt, ob man denn schon geduscht hätte (Thais duschen morgens und abends) und auch sonst ist Duschen ein beliebtes Thema beim Essen oder sonstigen Zusammenkünften. Für uns wäre es unvorstellbar, jemand vor versammelter Mannschaft in dieser Richtung Fragen zu stellen, oder ? Auch was die Figur und das Gewicht anbelangen, wird gesagt, was man denkt. Meine Kollegin, die hier etwas zugenommen hat, wurde eine Zeit lang drei Mal am Tag darauf aufmerksam gemacht, dass sie „zu fett“ geworden sei. Als die Truppe sich am Tisch dann ausschüttete vor Lachen, dass sie einen kleinen Busen, dafür aber einen dicken Bauch hätte, fand ich’s nicht mehr witzig. Ich glaube, unserer Mienen zu den Späßen ließen erkennen, dass das nicht unsere Art von Humor ist.  Einmal witzig, aber keine Woche lang… Das alte Thema „Gesicht verlieren“: für mich passt das nicht zusammen.

Und dann gibt es noch das Thema „Haut“. Die Mädchen kommen zu mir her, streichen mir über die Hand und sagen: „Oh, Du hast so schöne weiße Haut.“ Ich lache, streiche ihnen über die Hand und sage: „Du hast so schöne dunkle Haut.“ –„No, teacher. Du hast so schöne weiße Haut.“ Das ließe sich ewig so fortführen.

Ich frage mich dabei, was wir Frauen uns durch Gesellschaft, Kultur und Werbung alles einreden lassen ? Warum sind wir nicht stolz auf das, was wir haben ? Zumal es in Thailand fast unmöglich ist, eine Gesichtscreme ohne Bleichmittel zu bekommen. Als ich das zum ersten Mal sah, war ich geschockt.

Und die Thais können nur fassungslos den Kopf schütteln wenn sie Touristen sehen, die sich in die Sonne knallen.

 

 

 

Freitag, 11.01.2008

Wir Volontärinnen beschlossen gestern, für heute Abend die Thai-Lehrer einzuladen. Morgens gingen wir los nach Phunkum, um einzukaufen, der Tag verlief dann ganz ruhig, und abends startete dann die Party.

Anfangs war es, wie eine Party halt so ist. Sitzen, plaudern, lachen, Knabberzeugs essen… Als dann die ersten gegangen waren, saßen wir drei Volontärinnen mit zwei Thai-Lehrerinnen, die ein Paar sind, und mit einer Lehrerin, die eine Beziehung mit einer Frau hat, zusammen. Es entwickelte sich zuerst ein prima Gespräch bezüglich Homosexualität, später sprachen wir über Feminismus in Thailand.

Vordergründig scheint es, als sei Homosexualität und Transvestie viel tolerierter als zum Beispiel in Deutschland. Wenn ein Mann eine Frau sein will, ist es kein Problem, Hormone zu nehmen und sich als Frau zu kleiden. Wir haben auch hier in der Schule ein Mädchen, die ein Junge war.

Ein Lehrer unserer Schule ist manchmal Frau, manchmal Mann und er hat meines Wissens einen „Boy-Friend“. Diese sehr weiblich aussehenden und wirkenden Männer werden „Lady-Boys“ genannt. Und es gibt ein paar Frauen hier, die den männlichen Part einer Frauenbeziehung leben, sich auch männlich kleiden, das sind dann „Tom-Boys“.

Jetzt ist es so, dass bei manchen dieser gleichgeschlechtlichen Beziehungen trotzdem eine ganz klare Rollenverteilung besteht. Eine Frau ist der Mann, die andere Frau ist (bleibt) die Frau. Bei den, ich sage mal moderneren gleichgeschlechtlichen Beziehungen, gibt es diese Unterscheidung nicht mehr. Trotzdem ist äußerlich sehr gut zu erkennen, dass die eine  Frau ein „Tom-Boy“ ist. Ganz schön kompliziert, nicht ?

Und, wie wir erfuhren, wird das Thema in den Familien totgeschwiegen. Das heißt, dass die Eltern wissen, dass die Freundinnen, die ins Haus kommen, nicht „nur“ Freundinnen sind, aber darüber gesprochen wird nicht.

Da es letztendlich eine „Frauenrunde“ war, kamen wir auch auf das Thema „Feminismus“ in Thailand. Ein Thema, über das ich in meiner restlichen Zeit hier noch mehr erfahren möchte (vermutlich ein endloses Kapitel)…

 

 

 

Freitag, 18.01.2008

Am Mittwochmorgen machte ich mich, zusammen mit einer anderen Volontärin und ein paar Lehrern, früh morgens auf den Weg nach Chiang Mai. Es war „Teachers-Day“ und die Lehrer in Thailand hatten frei. Für Donnerstag und Freitag waren Examen angesagt, so dass ich auch diese beiden Tage frei hatte und die Gelegenheit nutzte, um nach Chiang Mai zu fahren.

 

Es wurde höchste Zeit ! Ich weiß nicht was die letzten Tage mit mir los war, aber ich hatte sehr das Bedürfnis, mal wieder raus zu kommen. Vor allem mit dem Essen hatte ich Probleme, es schmeckte mir überhaupt nicht mehr (das viele Fleisch ständig!) und ich hatte Sehnsucht nach europäischem Essen.

 

Diesmal war ich mit einer ganz anderen Einstellung in Chiang Mai. Sonst war es mir immer zu touristisch und zu laut. Nun betrachtete ich alles mit ganz anderen Augen und ich genoss das moderne, städtische Chiang Mai. Ich gönnte mir eine tolle Torte in meinem Lieblingscafé, frühstückte ausgiebig und gut, zusammen mit meiner Kollegin, in meinem anderen Lieblingscafé, aß mal wieder Pommes, und vor allem Unmengen von frischen Früchten.

Und ich mied vor allem thailändisches Essen.

 

Am Donnerstag machte ich mit meiner Kollegin einen Ausflug nach „Doi Suthep“, einer der berühmtesten Tempel Thailands. Auch das war zwar sehr touristisch, aber sehr schön. Ansonsten bummelte ich in der Stadt herum, schaute mir die Läden an. Alles in allem genoss ich die freien Tage in vollen Zügen und kann nun frisch gestärkt das Wochenende angehen, das glaube ich ganz schön knackig wird… 

 

 

 

Montag, 21.01.2008

Und ob das knackig war! Die letzten beiden Tage waren sehr anstrengend und ich bin froh, dass heute Examen sind und ich keinen Unterricht habe.

 

Wir Volontärinnen waren am Samstagnachmittag im Zusammenhang mit dem „Technical College, Lamphun“ eingespannt. Ca. 100 Jugendliche waren Samstag und Sonntag hier zum „English Camp“ und wir Lehrer waren für verschiedene Themen und Stationen zuständig.

Nach dem Camp war schnell duschen angesagt und Abfahrt  nach Chiang Mai zur Hauseinweihungsparty eines Sponsors. Ich konnte dem Abend nicht viel abgewinnen. Die Jungs traten zwar wieder mit ihrer genialen „Thai-Dance-Performance“ auf, und die werden von Mal zu Mal besser, das war’s dann aber auch schon. Und die vierte Party in dem Stil in einem Monat, das brauche ich dann doch nicht. Auch der Transvestitenshow konnte ich nicht mehr sooo viel abgewinnen. Ich finde sie jedes Mal krasser, aber halt doch immer dasselbe. Also man sieht, ich war nicht besonders gut drauf…

 

Die Mädchen machten auch einige Tänze. Ich bin immer ganz fasziniert von einem Mädchen. Die kann tanzen! Das super-hübsche Mädchen und dann ihre Bewegungen - klasse (ohne Tanzunterricht, die bringen sich das selber bei)! Auch sonst ist es toll, was die Mädchen immer einstudieren, nur, wie gesagt, zum vierten Mal in einem Monat…

Am Sonntagmorgen ging es dann um 8.30 Uhr weiter mit dem „Technical College“, bis um 12.30 Uhr. Danach Mittagessen, Urkundenverleihung, schnell duschen und wieder ab nach Chiang Mai. Zuerst ein kurzer Abstecher zur Hauseinweihungsparty einer Lehrerin, danach zur Hochzeit zweier Lehrer der SFL. Das mal zu sehen und mit zu erleben war beeindruckend. Die Beiden als Brautpaar zu sehen war sehr schön, wie sie nach Nord-Thai-Stil hergerichtet waren war sehr schön und überhaupt zu sehen, wie eine Hochzeit gefeiert wird war sehr schön. Abends war dann wieder „Party“ – zum fünften Mal in Folge.

 

Trotzdem war es am Sonntag anders als am Tag zuvor, feierlicher. Ich fand es zum Beispiel witzig, als die Beiden auf die Bühne mussten um Karaoke zu singen. Ein thailändisches Liebeslied. Das machten sie dann auch richtig gut. Mir schien das Ganze wie bei uns der Hochzeitstanz.

Irgendwann gegen 22.00 Uhr machten wir uns dann alle auf den Heimweg. Diese Fahrten finde ich jedes Mal von neuem faszinierend: wenn die ganze Meute, am Sonntag waren wir 4 Pick-Ups und mind. 3 normale Autos, sich Richtung SFL bewegt. Auf und in den Pick-Ups sind es ca. 15-20 Schüler und Lehrer pro Fahrzeug (die Pick-Ups voll gestopft bis zum Anschlag) die sitzen oder stehen, sich umarmen, lachen und Spaß haben.

 

Ich hatte zum ersten Mal den Gedanken, dass ich dieses Bild schon in einem Monat nicht mehr sehe...

 

 

 

Freitag, 25.01.2008

Der Englischunterricht wird von Mal zu Mal besser. Das hat sich prima eingespielt. Ich habe auch das Gefühl, dass die Schüler gute Fortschritte machen, da viele sehr interessiert sind. Mit denen, die gerne etwas „ausbüchsen“, kriegt man letztendlich doch auch meistens etwas hin, und mit meiner Thai-Kollegin verstehe ich mich auch nach wie vor bestens. Es macht richtig Spaß!

 

Am Mittwochnachmittag war ein „Highlight-Tag“. Der Musik- und Tanzlehrer hielt eine Tanzstunde mit „Standardtänzen“. Die hat er gelernt, und nun gibt er sie an der SFL weiter. Am Mittwoch war vor allem „Cha-Cha-Cha“ dran. Viele Lieder mit dem südamerikanischen (?) Rhythmus, aber mit Thai-Gesang und im Thai-Stil… Alles in allem waren die zwei Stunden so lustig, wir alberten herum und bogen uns vor Lachen! Und mal wieder richtig tanzen tat auch gut.

Ich tanzte viel mit meiner Volontärs-Kollegin, und ein paar unserer Schüler waren glaube ich ganz erstaunt, dass wir tanzen können. Sie schauten uns zu, lachten mit uns und zeigten anerkennend mit beiden Daumen nach oben.

 

Ich finde sicher nicht alles optimal hier, aber ich frage mich oft, ob irgendwo anders Kinder und Jugendliche so viel geboten bekommen? Sie haben sicher nicht so viel „Materielles“. Kein Kind hat hier zum Beispiel ein Handy. Aber es wird ständig etwas unternommen mit ihnen. Gerade eben (es ist fast 21. 00 Uhr) höre ich im Nachbarhaus, dass auch wieder kräftig getanzt wird. Und gestern Abend wurde auch getanzt. Da war ich dabei und es machte auch wieder Spaß.

Ich spüre vor allem sehr viel Nähe hier. Die kleinen Kinder sitzen ständig bei den großen auf dem Schoß, und auch die großen Jungs laufen ständig Arm in Arm umher.

 

Heute tagsüber war „Umzug“ und Saubermachen angesagt. Die einzelnen „families“ zogen in ihre Häuser und Räume, und von nun an wird dieses Konzept gelebt. Ich bin sehr gespannt, wie es sich entwickelt?

 

 

 

Sonntag, 27.01.2008

Ab Freitagnachmittag machen sich viele auf den Weg ins Wochenende. Langsam kehrt dann immer eine ganz andere Atmosphäre, die ich total genieße, hier ein. Alles wird ganz ruhig, es wirkt wie ausgestorben hier, aber eben doch nicht. Ich habe das Gefühl, dass alles intensiver wird, weil alle Zeit haben und irgendwie rumhängen.

Die Kinder hängen hier rum, waschen ihre Wäsche, kommen zu mir ins Zimmer, verschwinden wieder, kommen wieder. Man kommt mit den Leuten ins Gespräch…

 

Heute Nachmittag hatte ich wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Drei Kinder tauchten auf, ein Junge blieb hier, schaute sich meine Sachen, die ich auf dem Bett liegen hatte, an und machte keine Anstalten, wieder zu gehen. „Na gut“, dachte ich. Ich schrieb weiter mein Tagebuch, er legte sich aufs Bett, schaute Bilder an und kurze Zeit später war er eingeschlafen. Eigentlich hatte ich vor, nach Phunkum zu marschieren und später mit meiner „alten family“ zu kochen, brachte es aber nicht fertig, ihn zu wecken und schrieb weiter Tagebuch. Ich ging, machte Kaffee, er wurde wach, richtete sich kurz auf und „zack“, fiel er wieder um und schlief weiter. In dem Moment fand ich das eher lästig, weil ich merkte, wie meine „Tagesplanung“ ins straucheln kam. Gleichzeitig wurde mir wieder klar, dass sich hier innerhalb von 10 Minuten die Dinge ändern können (Ausspruch einer Lehrerin) und so schrieb ich, wieder zufrieden, weiter an meinem Tagebuch. Er richtete sich nochmals auf und fiel wieder um… Schließlich wurde er wach, mit einem zaghaften Grinsen, und krabbelte zu mir her, in meinen Arm. Ich setzte mich so hin, dass ich weiter