Uganda-Tagebuch von Dirk Growe
An dieser Stelle berichtete Dirk Growe über seine Reise nach Uganda (vom 24. März bis 5. April 2009). Am 3. April eröffnete er die von LandsAid seit 2006 geförderte und seit 2007 gemeinsam mit Sternstunden ausgebaute Gesundheitsstation in Karuguuza. Im Zuge seines Aufenthalts besuchte er weitere Projekte. Hintergrundinformationen zu Uganda finden Sie hier.
24./25. März 2009
Abreise in Kaufering gegen 8 Uhr bei 3 bis 4 Grad und leichtem Schneefall. Nach sehr genauen Sicherheitskontrollen in Muenchen, einem sehr turbulenten Flug nach Cairo, vier (!) weiteren (wenn auch weniger strengen) Sicherheitkontrollen und noch einem, diesmal sehr angenehmen, Flug komme ich puenktlich gegen 3:45 Uhr in Entebbe, Uganda, an.
Die Temperatur liegt bei 22 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist unglaublich hoch. Trotz des Aufenthalts in Cairo habe ich erst jetzt das Gefuehl, in Afrika anzukommen. Die Passkontrolle verlaeuft mit dem bereits in Berlin besorgten Visum sehr schnell, mein Gepaeck erwartet mich auch schon. Zwei Mitarbeiter des Kolping Guest House empfangen mich am Ausgang. Zusammen mit einer Krankenschwester (sie ist unterwegs fuer eine Mission), die in Kabaale arbeiten wird (ich habe sie schon beim Zwischenstopp in Cairo kennengelernt), geht es mit rasanten 80 km/h ueber die unbeleuchtete ca. 42 km lange Landstrasse nach Kampala.
Je naeher wir Kampala kommen, umso staerker wird der Verkehr - und das, obwohl es 4 Uhr nachts ist. Gleichzeitig auch der sehr eigene Geruch: Kampala riecht, nach Grossstadt, Rauch, Menschen, Leben; leicht abgestanden und das Ganze vermischt mit der extrem hohen Luftfeuchtigkeit.
Gegen 5:30 Uhr bin ich in der angenehmen Unterkunft. Nachdem ich mein eigenes Moskito-Netz aufgebaut habe (das vorhandene hat leider Loecher und einen offenen Seiteneingang), versuche ich noch zwei Stunden Schlaf bis zum Fruehstueck zu bekommen; was mir nur bedingt gelingt, da selbst in Kampala die Natur deutlich lauter und anders als in Deutschland ist. Die bisherigen Eindruecken erscheinen mir auf jeden Fall auf allen Sinneseben intensiver.
26./27. März 2009
Ich liebe es, mir Staedte zu erlaufen. Ich bilde mir dann immer ein, ein Gefuehl fuer die Stadt und die Menschen zu bekommen, und meist sieht man deutlich mehr vom alltäglichen Leben, als vom Taxi oder den oeffentlichen Verkehrsmittel aus.
In Kampala ist das allerdings nicht moeglich: Der Verkehr ist unglaublich, er ist unbeschreiblich, nahezu moederisch. Eine Infrastruktur ist nicht vorhanden, fast alle Gullydeckel fehlen (ich hatte davon in einem Reiserfuehrer gelesen, aber nicht ganz geglaubt). Man muss man sich ständig vor den tiefen Loechern auf den Seitenraendern in Acht nehmen! Hinzu kommt der Linksverkehr, an den man sich erst gewöhnen muss. Ich schaue beim Ueberqueren der Strasse immer in die falsche Richtung. Das kann wirklich lebensgefaehrlich sein. Bei dem ganzen Chaos laesst mich ein Gedanke nicht los: Infrastruktur - was koennte eine vernuenftige Infrastruktur hier alles aendern. Waehrend ich es tatsächlich schaffe, einige Besuche per pedes zu erledigen, muss ich mir fuer die Fahrt zu UNHCR und dem German Coaching Center (Hand-in Hand e.V) einen Fahrer und Wagen mieten. Ich habe mir noch einmal den Termin beim deutschen Botschafter bestaetigen lassen, und mit Mr. Godfrey von der Diozoese in Hoima telefoniert. Er wird mich am Montag in Kampala abholen.
Montag, 30. Maerz 2009
Nach einem ruhigen Sonntag in Kampala mache ich mich mit meinen Fahrer (anders ist der Verkehr in Kampala leider nicht zu bewaeltigen) auf den Weg zur Deutschen Botschaft. Kurzfristig hatte ich am Montag vor meinen Abreise noch einen Termin beim Botschafter Herrn Buchholz bekommen. Das sehr angenehme Gespraech drehte sich um die Arbeit von LandsAid und die allgemeine Situation in Uganda. Sehr gefreut hat mich, dass der Botschafter zugesagt hat, an der Eroeffung des dritten Teils der von LandsAid und Sternstunden e.V. gefoerderten Gesundheitsstation der Emesco Development Foundation am kommenden Freitag als Gastredner teilzunehmen.
Gegen 12 Uhr wurde ich dann vom Wagen des Bischoffs von Hoima in Kampala angeholt. Zusammen mit George, dem Fahrer, Frank, einem Priester in Ausbildung, und Godfrey, Projektleiter in der Dioezoese des Bischofs, machte ich mich auf den 200 km weiten Weg nach Hoima. Positiv ueberrascht wurde ich vom Zustand der Strasse, die nach Aussage von George die Beste in Uganda ist und erst vor wenigen Monaten fertig gestellt wurde. Auf halbem Weg begann dann "offiziell" die Regenzeit: mit kraeftigem Strömen, das uns bis Hoima begleitete. Nach zweieinhalb Stunden erreichten wir das "Bishop's House", wo ich fuer die Nacht eingeladen war.
Hier gab es nach Vorstellung zahlreicher Mitarbeiter ein Lunch im Kreis von aktiven und ehemaligen (Erz-)Bischoefen und Priestern. Mit dem Schatzmeister der Diocoese, dem Projektleiter und dem Bischof besprach ich schließlich den geplanten Bau einer Gesundheitsstation in Bulisa am Lake Albert, ein moegliches zukünftiges Projekt. Danach zeigte mir der Projektleiter Frank noch das Schulungsrestaurant der Diozoese. Dort machen Waisenkinder und benachteiligte Jugendliche eine Ausbildung bei laufendem Betrieb.
Dienstag, 31. Maerz 2009
Gegen 7 Uhr Aufbruch nach Bulisa. Fuer die gerade einmal 90 km lange Strecke werden wir wegen des Strassenzustandes und der beginnden Regenzeit, die die Situation noch einmal deutlich verschlimmert, ca. drei Stunden brauchen. Auch wenn ich eigentlich vorgewarnt war, so hat mich der Zustand der Strassen doch ueberrascht. Die Strecke ist auch ausserhalb der Regenzeit ohne Gelaendewagen kaum zu meistern (auch wenn einige einheimische Fahrer es trotzdem versuchen). Selbst als Beifahrer ist die Fahrt anstrengend, bald werden auch die Gespraeche im Auto deutlich weniger, man konzentriert sich auf das naechste Schlagloch. Oft sind die 30 bis 40 cm tiefen Loecher nur im Schritttempo zu durchfahren. Langsam veraendnern sich die Doerfer am Wegesrand. Die Steinhaueser weichen immer oefter Bauten aus Lehm.
In Bulisa selbst werden wir von oertlichen Priester empfangen. Wir besuchen ein weiteres Dorf, die moegliche Stelle des Gesundheitszentrums. Der Besuch macht eindringlich deutlich, dass eine Gesundheitsstation auf jeden Fall sinnvoll ist: Hauptkiller ist auch hier die Malaria, die in den meisten Faellen einfach zu spaet behandelt/erkannt wird und dann toedlich endet.
Nach der Ruechkehr aus Bulisa werde ich von einem Wagen von der Emesco Development Foundation abgeholt. Am Freitag findet ja dort die große Einweihung statt. Aufgrund eines verungluechten PKWs (kein Gelaendewagen!) und des einsetzenden Regens erreichen wir Kuruguuza erst gegen 19:30 Uhr. Die letzte Stunde fahren wir fast im Dunkeln, was die Reise noch abenteuerlicher und nach einer gewissen Zeit einfach nur noch noch anstrengend macht.
Gegen 22 Uhr noch ein kurzes Gespraech mit Emily, dem Direktor der Foundation, der kurz ins Hotel gekommen ist. Dann geht es bei jetzt durch den Regen doch leicht gesunkenen Temperaturen (22, statt wie in den Tagen zuvor in Kampala noch 28 Grad) ins Bett.
Mittwoch, 1. April 2009
Der Tag beginnt mit kuehlen 18 Grad. Gegen 11 Uhr machen wir uns mit dem Gelaendewagen auf den dreissigminuetigen Weg zur St. Veronica School. Unsere Vorstellungen von einer Schule kann man bei einem solchen Besuch nicht ansetzen: Die Schule liegt abseits der Siedlungen und reicht fast in den Urwald. Die Bauten bestehen, mit Ausnahme der von LandsAid gefoerderten Latrinen, ausschliesslich aus Lehm, entweder versehen mit einem Stroh- oder Wellblechdach.
Der Empfang ist mehr als herzlich. Alle Lehrer, Elternvertreter und wichtige Personen des Dorfers sind gekommen. Der Direktor hat ein riesiges Programm vorbereitet und natuerlich muss ich als Ehrengast auch eine Rede halten. Als ich den Hintergrund der Spenden erlaeutere, die die Kinder des Doerpener Kindergartens St. Elisabeth und der Neckarsulmer Hermann-Greiner-Realschule gesammelt haben, zeigen sich die Teilnehmer sehr beeindruckt. Vor allem das mitgebrachte Wandbild mit den Fotos der Kinder aus dem Kindergarten nehmen die fast 100 Schulkinder begeistert in Augenschein. Nach etwa vier Stunden Programm, Mittagessen und dem Besuch einer regulaeren Englisch-Schulstunde fuer die Kinder der ersten Klasse geht es zurueck nach Karuguuza.
Am Mittwoch werde ich die Mugalike Parents School (ca. 1,5 Stunden Fahrtzeit) und KCRC besuchen.
Gruesse an alle aus Uganda!
Dirk
Donnerstag, 2. April 2009
Bei den letzten Vorbesprechungen mit Emely zur Vorbereitung für die Eröffnung des Gesundheitszentrums wurde klar, dass die Nationalhymne von Uganda auf der Eröffnung gesungen wird. Da es LandsAid gelungen ist, den deutschen Botschafter Reinhard Buchholz für die Eröffnung zu gewinnen, musste ich kurzfristig, um diplomatische Verstimmungen zu verhindern, eine Version der deutschen Hymne für die Eröffnung besorgen. Emely hat klar gemacht, dass vor allem die anwesenden Mitglieder des ugandischen Parlaments dies so sehen würden. Dem Internet sei dank, gelang es mir eine geeignete Version zu besorgen und nach einigen verzweifelten Versuchen auch auf der Musikanlage abzuspielen. Nachdem damit das diplomatische Protokoll gewahrt war, machte ich mich zusammen mit Fred, dem Halbbruder von Emely, im Geländewagen auf den Weg zur Mugalike Parents School. Nach ca. 1,5 Stunden Fahrtzeit erreichten, bei fast guten Bedingungen der Wege, wir die Schule. Die Mugalike Schule hat, mit 238 Schülern im Vergleich zur St. Veronica Schule fast doppelt so viele Schüler. Ein weiterer Unterschied ist, dass vier feste Schulräume vorhanden sind. Fünf weitere und absolut notwendige Räume sind von den Eltern mit eigenen Mittel begonnen worden, konnten aber leider aufgrund von fehlenden Finanzmitteln leider nicht vollendet beendet werden. Die aufgenommen Fotos zeigen deutlich den Unterschied zu den fertigen Räumen. Die unfertigen Räume werden trotz ihres Zustandes als Klassenräume genutzt.
Zusammen mit den Baumaßnahmen wünschen sich die Eltern für die Schule eine Getreidemühle, die neben den Schülern auch allen Bewohnern des Dorfes zur Verfügung stehen soll und damit sowohl die Lebensmittelversorgung der Schüler, wie auch die Einkommenssituation des ganzen Dorfes verbessern würde. Die zusätzlichen Kosten hierfür dürften bei ca. 950,- Euro liegen. Es würde mich freuen, wenn es uns gelingen würde hierfür einen großzügigen Einzelspender gewinnen zu können. Absolut traumhaft wäre die zusätzliche Ausrüstung der Schule mit einer kleinen Solaranlage, die es den Schülern ermöglicht, auch nach der Dunkelheit oder in den frühen Morgenstunden ihre Hausaufgaben zu erledigen. Am Äquator wird es sehr früh dunkel und elektrischen Strom gibt es weder an der Schule noch in den Dörfern der Schüler.
Freitag, 3. April 2009
Der Tag der Eröffnung ist gekommen und wie auch schon in den Tagen zuvor legen sich die Mitarbeiter der Emesco Development Foundation noch einmal richtig ins Zeug. Die letzten Vorbereitungen für die erwarteten 400 bis 500 Besucher werden in Angriff genommen. Ich bereite meine Rede vor und bin auch hier wieder über die zahlreichen, formalen Faktoren erstaunt, die ich beachten muss. Alle am Bau Beteiligten und wichtigen offiziellen Anwesenden müssen in der Rede entsprechend berücksichtigt werden. Der Ehrengast sollte eigentlich der Minister of State for Health Honorable Dr. Richard Nduhuura sein, der aber aufgrund einer Staatsangelegenheit sehr kurzfristig absagte.
Aus deutscher Sicht war dies aber nicht zu unglücklich, da dadurch der deutsche Botschafter zum Ehrengast wurde. Grundsätzlich genießt der Ehrengast eine besondere Rolle und wird von allen Rednern in ihren Ansprachen (insgesamt acht) besonders geehrt. Die zweite wichtige Persönlichkeit, die uns die Ehre bei der Einweihung gab, war Minister of State for Internal Affairs und Member of the parliament of Buyanja Country Honorable Mr. Matia Kasaija. Mit ungefähr zweistündiger Verspätung zerschnitt dieser zusammen mit dem Botschafter dann das Band zum Eingang des neuen Gebäudes des Gesundheitszentrums und eröffnete damit die Einweihung auch offiziell.
Was folgte war ein mehr als vierstündiges Fest mit Besichtigung des neuen Gebäudes, Reden, zahlreichen Gesangseinlagen (Schulkinder, Frauen des Dorfes, einer Boygroup aus Hoima und einem gemischten Gesangsduo mit einem Lied über Frieden) und – nicht ganz unwichtig für die sicherlich 500 Besucher und zukünftigen Nutzer - freiem Essen und Getränken. Vor allem der deutsche Botschafter sammelte Pluspunkte beim Publikum, als er die ersten Sätze seiner Rede in der lokalen Sprache hielt. Grundsätzlich möchte ich die Gelegenheit nutzen und dem Botschafter und seinen Mitarbeiterinnen noch einmal für seine Teilnahme an der Eröffnung ausdrücklich danken. Immerhin musste er eine mindestens siebenstündige Fahrtzeit für seinen fast fünfstündigen Besuch auf sich nehmen. Gleichzeitig muss ich auch Emely und seinen Mitarbeitern ein großes Lob aussprechen für die tolle Planung und Durchführung der Einweihung.
Nach der Einweihung besuchte ich noch Stephen Abitegeka von KCRC. Im letzten Jahr haben wir KCRC mit ihrem HIV-Projekt unterstützt. Auch hier nutzte ich die Gelegenheit, mir die Unterlagen noch einmal anzusehen bzw. noch einmal das Projekt durchzusprechen. Stephen und seine drei größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiter haben gute Arbeit geleistet und es ist sehr schade, dass es uns in diesem Jahr noch nicht gelungen ist, weitere Spenden für die HIV-Tests von KCRC zu gewinnen. Insgesamt war die Arbeit von KCRC und ähnlichen Projekten in Uganda sehr erfolgreich.
Gegen acht Uhr treffe ich mich mit Emely und seinen Mitarbeitern im Starlight Hotel und zum ersten Mal fällt nach den zahlreichen Projektbesuchen die Spannung ein wenig vom mir ab und ich genieße ein Nile Spezial (Bier) und auf dem Spieß geröstetes Ziegenfleisch.
Samstag, 5. April 2009
Der Minster of State for Internal Affairs hatte mich bei der Eröffnung kurzfristig zum gemeinsamen Frühstück gegen acht Uhr eingeladen. Vorher musste ich allerdings noch meine Sachen packen, da es gegen 10 Uhr Richtung Entebbe zum Flughafen gehen sollte. Auf dem Weg zum Haus des Ministers höre ich gegen acht Uhr auf einmal die Stimme von Emely im Radio und nachdem der Name LandsAid gefallen ist wird klar, dass es die Eröffnung und der Besuch des Botschafters als erste Meldung in die lokalen Nacht geschafft haben.
Die Fahrt nach Entebbe und vor allem die lange Wartezeit im Flughafengebäude sind ermüdend und ich verschlafe fast den ganzen Flug nach Kairo. Gegen 18 Uhr komme ich nach zwei problemlosen Flügen in Kaufering an und lande dann nach einem kurzen Blick in meine E-Mails gegen 21 Uhr in meinem eigenen Bett, wo ich das erste Mal seit fast zwei Wochen ohne Moskito-Netz einschlafe.
Wenn Sie die Arbeit von LandsAid in Uganda unterstützen wollen, können Sie dies über das Spendenformular tun.
Spendenkonto 10022
VR Bank Landsberg am Lech
BLZ 700 932 00






