Tansania-Tagebuch der Dres. Susanne Holtz-Joas und Albert Joas
Das Hofstettener Arztehepaar Susanne Holtz-Joas und Albert Joas reiste von Mitte August bis Mitte September 2009 nach Tansania. Dort unterstützen sie die Arbeit eines Krankenhauses, in dem sie selbst vor Jahren als Entwicklungshelfer tätig waren. Über den Erfolg Ihres Kampfes gegen die sich ausbreitende Malaria berichten sie regelmäßig im Tagebuch. Mehr Informationen zu dem Projekt finden sich hier
Sonntag, 21. Juni 2009
Die ersten Vorbereitungen für unser Moskitonetz Projekt in Süd Tansania sind getroffen. Kontakte zu der Krankenhausleitung sind geknüpft. Um telefonieren zu können mussten wir vor 20 Jahren 6-8 Stunden auf einer Piste fahren, in der Hoffnung, dass in der nächsten Stadt die Telefonverbindung zufälligerweise funktioniert. Mittlerweile geht der Leiter des kleinen Krankenhauses in Isoko, Dr. Shibanda , zwei Stunden den Berg hinauf, um Handy-Empfang zu haben. Das macht er 1x / Woche, wenn Markttag ist und er mal das Krankenhaus verlassen kann. Er berichtet uns - und so auch der Arzt Dr. Bruno Runge aus Regensburg, der das Krankenhaus vor 40 Jahren mit erbaut hat -, dass die Malaria in dieser Bergregion aufgrund der Klimaerwärmung, dem Klimawandel dramatisch zunimmt.
Früher kamen nur Mütter aus den tiefer gelegenen Gebieten am Lake Malawi , der auf 500 Meter Meereshöhe liegt, mit ihren erkrankten Kindern viele Stunden zu Fuß, um medizinische Hilfe zu bekommen. Die Malariamücken überleben und brüten nur bei warmen Temperaturen. Früher waren die Bergregionen ein Schutz vor Malaria. Deshalb zog es auch in vergangenen Jahrhunderten die Missionare in diese Höhen. Die Menschen dort besitzen keine Immunität gegen die Erkrankung, weshalb vor allem Kleinkinder und Schwangere häufig erkranken und sterben. Dieser Gruppe wollen wir uns vornehmlich annehmen, wenn wir im August in der Ileje Region mit Hilfe der bestehenden Strukturen von Mutter-Kind-Vorsorgeprogrammen die in Tansania produzierten Mückennetze kaufen. Dazu benötigen wir dringend Spenden!
Freitag, 31. Juli 2009
In 2 Wochen sitzen wir bereits im Flieger nach Dar es Salam. Die Antimalariamittel liegen bereit, zusammen mit den Mitbringseln, vor allem englische Fachliteratur für den Arzt und die Medical Assistants (Hilfsärzte) in Isoko. Es werden uns alle möglichen Gegenstände angeboten zum Mitnehmen: Rollstühle, Altkleider, etc. Das ist lieb gemeint, aber unsere Rucksäcke fassen leider nur 15 Kilo.
Es sind schon einige Spenden für die Moskitonetze eingegangen. Vielen Dank Euch allen! Wir suchen gerade nach günstigen Einkaufsquellen für Netze im Land. Im Norden des Landes, am Fuße des Kilimanjaros, werden sehr gute Netze hergestellt. Aber in Tansania ist Transport und Logistik ein großes Problem. Vielleicht gibt es noch eine Fabrik, die näher liegt. Wir sind sehr gespannt, wie stark sich das Land seit unserem letzten Aufenthalt im Jahr 1993 verändert hat. Der Endspurt beginnt.
Wir werden wieder berichten.
Susanne und Albert
Samstag, 15. August 2009
Afrika hat uns wieder!
Mit dem Sonnenuntergang flogen wir in Kairo ein, wo unsere alten Freunde aus Tanzania, Familie Riedner, uns am Flughafen abholten und freudig begruessten.
Wir, das sind Susanne, Albert und Amani Joas und unser Patenkind Milena.
Noch bis Freitag Mittag haben wir in unserer allgemeinmedizinischen Praxis gearbeitet und von unseren Patienten alle guten Wuensche mit auf den Weg bekommen. Sehr viele hatten gespendet fuer unser geplantes LandsAid Malaria-Projekt in Suedtanzania und uns gleichzeitig gewuenscht, doch gesund wieder zurueck zukommen. Gespendet haben sie fuer ein Moskito-Netz Projekt, das LandsAid nach WHO Standards beginnen wird im abgelegenden Hospital Isoko.
Bevor wir morgen Nacht direkt weiterfliegen nach Dar es Saalam muss von Susanne noch geklaert werden, wer uns die Moskito-Netze zu welchen Konditionen liefern kann, welche Qualitaet sie haben, wie lange die Impraegnierung halten wird. Susanne hat inzwischen Telefon- und Emailkontakt zu einigen Anbietern in Arusha und Dar es Saalam und auch schon Transportangebote. In einigen Tagen werden wir nach einem Zwischenstop in Mbeya schon in Isoko ankommen und auch schon die erste Teillieferung der Moskitonetze mit dabei haben. Unser Sohn Amani ist natuerlich schon sehr gespannt, wie dieses Isoko aussieht, wo er vor 21 Jahren im Missionshaus geboren wurde.
Montag, 24. August 2009
Am 10.8. kamen wir in Dar Es Salaam an, wurden herzlich empfangen von unserem Freund, der derzeitige Pressesprecher des Aussenministeriums. Aber auch er lebt noch sehr einfach, ohne Strom aber mit fliessend Wasser mit seiner Familie in Dar . Die Frau betreibt eine kleine Landwirtschaft mit einer Kuh, einigen Schweinen und Huehneren. Nur so kann die Familie ueberleben. Das tansanische Prinzip war schon immer , erst die Felder bestellen, um unabhaengig zu sein, dann erst einen weiteren Berufserwerb.
Am 21. 8. fuhren wir mit der TAZARA, der Bahnlinie ,die Tansania mit Sambia verbindet ,22 Stunden auf sehr abenteuerlichen Schienen nach Mbeya im Sueden des LAndes. Dort konnten wir dann am naechsten Tag schon in Erfahrung bringen, wo es die impraegnierten , in Tansania hergestellten Netze zu kaufen gibt. Wir konnten nach einigen Erkundigungen schon mal 50 davon erwerben und bekamen die Garantie, dass wir dort weitere 1000 bekommen koennten. Ebenso konnten wir ohne Probleme die elektrischen Zusatzteile fuer die Solaranlage bekommen, die uns 2 Tage vor der Abreise fuer das Krankenhaus gespendet wurde.
Am 24.8. holte uns der Gelaendewagen des Krankenhauses in Mbeya ab und wir fuhren voll bepackt, es passen ja in diesen Laendern der Erde erstaunlich viel mehr Passagiere in Fahrzeuge , als zu gelassen…,durch die wunderschoene Berglandschaft entlang der Grenze zu Malawi. Abends kamen wir in unserer alten Heimat an. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.. Die Menschen bebauen ihre Felder noch immer mit der Hacke. Die Haeuser sind aber selten strohbedeckt wie frueher, sondern haben eher Wellblechdaecher. Es gibt ueberall Sekundarschulen auf dem Land. Das ist ein grosser Fortschritt. Viele Menschen haben HAndys, man sieht hier und da Sendemasten. Und ich sitze gerade am PC im Buero und habe Internetzugang, ein grosses ,ungeahntes Wunder hier in der entlegenen Gegend. Ich habe heute frueh die Visite mitgemacht , um festzustellen, dass es wirklich viel mehr Malaria als frueher gibt. Ich stelle bei einem Kind ,welches wegen einer bronchitis aufgenommen wurde ,einen angeborenen Herzfehler fest. Schulterzucken bei dem tansanischen Kollegen, denn die familie haette nie das Geld ,weitere Diagnostik ,geschweige denn Therapie zu veranlassen. So ging es weiter mit anderen Patienten. Man stellt eine Diagnose, aber die Vorstellung ,weitere Masnahmen zu ergreifen ,um zu verhindern, dass sich die Krankheit verschlechtert, das ist kaum vorstellbar, weil die Mittel fehlen.
Gerade bespricht Albert mit einem der Techniker ,wie und wo die Solarpanele installiert werden. Das Krankenhaus hat nicht immer zuverlaessig Strom. Deshalb ist diese Spende auch sehr hilfreich. Ich werde gleich unser Moskitonetz Projekt mit den Zustaendigen besprechen.
Gestern wurden wir herzlich im 3 Stunden dauernden Gottesdienst empfangen. Vor allem Amani , unser 21-jaehriger Sohn ,der hier in Isoko geboren wurde, ist herzlich im Kreis der Gemeinde empfangen worden. Alle bitten uns laenger zu bleiben. Sie brauchen dringend die Unterstuetzung durch weitere Aertze, weil sie nur zu zweit sind und auf Dauereinsatz. Es ist sehr schwer, fuer diese entlegene Gegend gutes Personal zu bekommen.
Die HIV Rate ist im Vergleich zu anderen Regionen dafuer aber niedriger, weil die Menschen nicht so mobil sind. Dennoch sind erschreckend viele unserer Bekannten aus den achtziger Jahren bereits verstorben. Man spricht nicht gerne darueber, auch das Personal nicht. Ueberall haengen Plakate, die ueber HIV aufklaeren, aber die Epidemie schreitet fort.
Wir werden Krankenschwestern aussuchen, die die Patientenaufklaerung ueber den Einsatz der Malarianetze verantwortlich uebernehmen. Ich berichte weiter.
Susanne
Montag, 14. September 2009
Unsere erste Moskitonetzexkursion in den grünen Hügeln oberhalb des Krankenhauses von Isoko war für die Krankenschwestern, Dr. Shibanda , zwei Münchner Medizinstudentinnen und für uns ein guter Start. Eine bunte Kinderschar verfolgte uns von Haus zu Haus. Schon bei den ersten Kontakten merkten wir, dass es hier nicht nur um die Verteilung der Netze geht, sondern um die Bewusstmachung des Problems.
Die meisten Eltern konnten uns zwar erklären, warum Kinder Fieber und Malaria bekommen. Dass man aber die Erkrankung verhindern kann, indem man die Kinder unter Netzen schlafen lässt, das wussten viele nicht. Erst wenn es spürbar wird, dass die eigenen Kinder oder auch die der Nachbarn dadurch weniger oft erkranken, wird sich die Haltung langfristig verändern. Wir haben angeregt, dass auch an den örtlichen Schulen der Sinn und Zweck der imprägnierten Netze gelehrt werden soll. Bis Ende des Jahres sollen 1.000 Netze verteilt werden.
Wir haben in der Mbeya Region ein weiteres Krankenhaus besucht. Dort werden täglich ca. 100 Kinder ambulant behandelt. Die Kinderstationen waren überfüllt, vor allem mit Kindern, die unter Malaria litten. So werden wir unser Projekt auch auf die Region von Mbalizi ausweiten, wenn genügend Spenden für Netze eingehen.
Erfolgreich konnte Albert mit den Krankenhauselektrikern eine kleine Solaranlage für die Ambulanz von Isoko installieren. Strom ist immer wieder ein großes Problem. So haben wir dem Krankenhaus auch eine finanzielle Zusage gemacht, damit die Staumauer für das Wasserkraftwerk erneuert werden und so auch in der Trockenzeit genügend Strom erzeugt werden kann.
Wir werden nach unserer Rückkehr live berichten.
Viele Grüße, Susanne und Albert
Samstag, 10. Oktober 2009
Rückkehr aus Tansania
In Oberbayern ist der Herbst eingekehrt und unsere harmlosen Mücken hier verpassen uns noch die letzten bösen Stiche.
Wie gut, wenn man weiß, dass sie keine tödlichen Krankheiten übertragen wie in Tansania.
Wir haben Eure Spenden heil nach Isoko gebracht. Dort werden in den nächsten Monaten 1.000 Netze verteilt werden. Dr. Laubenthal und seine Frau aus Eching bei Landsberg werden ab Anfang November in Isoko sein, um zu sehen, dass das Malariaprojekt gut weiterläuft. Wir haben in Isoko festgestellt, dass noch weitere Hilfen im medizinischen und technischen Bereich erforderlich wären. Aber vorerst gilt es, die Mosquitonetze zu verteilen.
Die Menschen dort haben sich sehr gefreut, dass wir als Vertreter von LandsAid Anteil nehmen an ihrer Not. Wir waren beeindruckt, welchen Wandel das Land in den letzten 20 Jahren genommen hat. Es gibt viel mehr Schulen. Die Menschen sind so bildungshungrig, wie man sich hier kaum vorstellen kann. Die Hauptbitten von Privatleuten betrafen eine Unterstützung für das Schulgeld ihrer Kinder, Schulbücher und Schulkleidung. Die Menschen haben inzwischen weniger Kinder, weil sie wollen, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Da kann man sich nur 3-4 Kinder leisten, nicht wie noch vor 15 Jahren 6-8. Die Geburtenregelung hat auch dazu geführt, dass die Frauen allgemein gesünder sind, weil sie nicht andauernd schwanger sind. All das ist ein großer Fortschritt.
Dennoch herrscht eine materielle Armut, die für viele von uns unvorstellbar ist. Ich sah Kinder auf der Kinderstation mit Herzfehlern und Geschwülsten, die hier bei uns ganz selbstverständlich behandelt werden könnten. Dort haben die Menschen nicht einmal genügend Geld, um in die Kreisstadt zu fahren, geschweige denn zu einem medizinischen Zentrum zu reisen, wo ganz vielleicht weiterführende Hilfe möglich wäre.
Unsere Kollegen werden in Isoko arbeiten und berichten, welche Unterstützung wir von LandsAid dort noch leisten sollten.
Wir danken Ihnen allen für Ihre Hilfen!
Susanne Holtz-Joas
Wenn Sie die Arbeit der Hofstettener Ärzte mit einer Spende untersützen möchten, freuen wir uns sehr. Füllen Sie dazu das Spendenformular aus oder spenden Sie an:
LandsAid e.V.
Konto 100 22
VR Bank Landsberg am Lech
BLZ 700 932 00










