Kenia-Tagebuch von Freia Dondorf

Die Lehrhebamme Freia Dondorf aus Kaufbeuren bereiste von 20. Januar bis 15. April 2008 zum zweiten Mal den Norden Kenias. Sie führte dort, wo der Weg zur nächsten Krankenstation zu weit ist, Geburtshilfekurse für traditionelle Hebammen durch. Lesen Sie hier ihre regelmäßigen Tagebucheinträge.

 

Mehr Informationen zu ihrer ersten Reise 2007 finden Sie auf unserer Projektseite und in ihrem Tagebuch. Einen Eindruck von der Lebenssituation der Halbnomaden vermittelt die Bildergalerie.

 

 

Montag, 10.12.2007

 

Es ist Vorbereitungszeit zu Weihnachten aber für mich nicht nur. Ich darf mich zum zweiten Mal auf Kenia vorbereiten. Ich freue mich! Es ist dieses Mal einfacher, da ich schon mal in North Horr war aber ich muss mich für mindestens zwei Monate vorbereiten und habe begrenzte Möglichkeiten für mein Gepäck. Impfungen usw. habe ich alles, gesund bin ich auch (die Gallenblase habe ich im September geopfert) und so hoffe ich, dass alles gut gehen wird.

 

An den Vorbereitungen für die workshops für die traditionellen Hebammen in Nord-Kenia muss ich noch etwas arbeiten. Die Materialien habe ich soweit bestellt und/oder gesammelt.

 

Heut ist noch eine Besprechung bei LandsAid mit Toni Mahl, dem Missionar aus North Horr, Gerhard Melchinger und mir. Ich hoffe, dass dann alles geregelt ist und ich die Vorweihnachtszeit noch genießen kann. Wünsche Euch allen das Gleiche. Bis zum neuen Jahr! Ein Folgebericht kommt in Kürze.

 

Freia

 

 

 

Freitag, 11.01.2008

 

Ja das neue Jahr hat angefangen und ich sitze in den Startlöchern. Leider sind in Kenia einige Unruhen und ich werde oft gefragt was ist jetzt, fliegst du ??? Ich hoffe,die Situation wird sich in der nächsten Woche noch ganz beruhigen. Von Toni Mahl bzw seinem Bruder habe ich gehört,daß es in North Horr ganz ruhig ist. Ich denke schon daß ich am 20.1. fliegen kann und hoffe daß alles gut geht. Allen meinen Bekannten und Freunden möchte ich hier noch ganz herzlich danken ,für die Spenden insbesondere der Praxis Löffler und Uhl.

 

Die Entscheidun g ob ich ausreise wird nächte Woche von Kenia aus getroffen.Ich glaube die Leute vor Ort können es auch besser beurteilen. Ich vertraue ihnen und hoffe,daß ich dann den Koffer und Rucksack packen kann. Ich freue mich schon und bin auch schon auf Wärme eingestellt. Sollte noch etwas dazwischen kommen werde ich den Einsatz verschieben und nicht allzu traurig sein. Wünsche eine gute Zeit und ich werde mich dann nächste Woche noch melden.

 

 

 

Samstag den 19.1.08. 17 Uhr

 

So, die Koffer sind gepackt,der Tagesrucksack mit den Papieren und Geld kommt dann noch dran. Gestern Abend habe ich noch mit Toni Mahl telefoniert,er war schon in Nairobi. Soweit ist dort alles ruhig und er hat ein OK für den Flug gegeben. Ich bin froh,daß das Unsichere jetzt ein Ende hat und es morgen los geht. Cornelia Schießel aus Augsburg wird mitfliegen,sie macht ein Praktikum in North Horr so sind wir zu Zweit und werden es schon meistern. Wenn ihr diese kurzen Zeilen lest, sind wir schon in Kenia und ich werde dann kurz anrufen und Weiteres berichten

  Ade Deutschland  Gruß  Freia

 

 

 

Montag, 21. Januar 2008 - Nairobi

 

Heute morgen bin ich in Nairobi angekommen. Die Abholung hat gut geklappt und auf den Strassen ist es sehr friedlich. Man sieht zwar viel Polizei, aber es sind wohl momentan keine Unruhen zu erwarten. Wir waren heute sogar schon unterwegs, um Material für die Kurse zu kaufen, und andere Vorbereitungen zu tätigen. Am Donnerstag wollen wir dann mit dem Auto losfahren in den Norden.

 

 

 

Dienstag, 22. Januar 2008 - Nairobi

 

es ist ruhig hier und keine Gefahr. Fuer Donnerstag sind noch mal Demos angesagt! Aber wir hoffen ,dass wir vorher alles erledigt haben und am Donnerstag in der Frueh los fahren koennen.

 Wir fahren eine ander Strecke ueber Loangalani und duerfen dort das kleine Schwimmbad geniessen. Dann will Toni in einer kleinen Gemeinde einen Gottesdienst halten und wir werden dann am Sonntag in North Horr ankommen

  Gruesse Freia

 

 

Mittwoch 23.01.08 - Nairobi

 

Hallo uns gehts allen gut. Ich hatte noch nicht berichtet, dass ein Koffer fast zur Haelfte (Naht) am Boden aufgerissen war! Zum Glueck hatte ich noch einen Gurt zur Sicherheit rum gemacht. Den Koffer habe ich gestern Abend gut verklebt und ich hoffe er uebersteht die drei Monate Kenia.

 

Gestern waren wir in der deutschen Botschaft. Hatten ein gutes Gespraech mit dem deutschen Botschafter. Er bedauert auch die Lage hier. Fuer die Wirtschaft ist es eine Kathastrophe und bis sich die Touristen wieder hertrauen kann es Jahre dauern (er raet zur Zeit den Touristen auch ab ins Land zu kommen). Das Problem ist, das sich die Staemme Kikuja und Luo bekriegen. Die Kallenchin halten mit den Luo zusammen. Falls Mischehen im Westen bestehen, sind diese Familien nun zerrissen, weil sie nicht mehr miteinander leben koennen. Die armen Kinder. Das waere die politische Lage.

 

Wir haben den ganzen Nachmittag eingekauft fuers Projekt, und Lebensmittel fuer drei bis vier Monate fuer North Horr. Da kommt einiges zusammen. Es sind dann auch bis zu sieben Personnen in NH. Wenn wir was vergessen kann man nicht in den Laden um die Ecke, man muss dann verzichten.

So heute ein neuer Tag zum Vorbereiten von wichtigen Dingen wie Inlandsfluege buchen usw.

Gruesse aus Nairobi

Freia

 

 

Donnerstag, 24. Januar 2008

 

Wir sind auf dem Weg in den Norden. Heute morgen haben wir noch die letzten Besorgungen gemacht. Wir haben eine Demonstration aus der Ferne gesehen, aber haben keine Probleme bekommen. Heute abend hoffen wir, in Maralal zu übernachten, und wollen dann morgen weiter nach Loyangalani.

 

 

Mittwoch, 30. Januar 2008 - North Horr

 

Vor 4 Tagen sind wir in North Horr angekommen. Am ersten Tag hatten wir dann gleich eine Besprechung mit Anton Mahl und Mollo, dem Clinical Officer. Wir haben ein sehr straffes Programm zusammen gestellt, und ich konnte schon Schwangerenberatung für 14 werdende Mütter machen.

 

Vor zwei Tagen kam hier eine Erstgebärende mit leichten Problemen an. Wir haben sie hier behalten. Gestern mußten wir dann unsere Besprechung aufgrund der einsetzenden Wehen unterbrechen. Um 14.30h kam ein gesunder kleiner Knabe mit 3kg Gewicht zur Welt.  Für die Geburt bekam die Gesundheitsstation von der Familie das traditionelle "Baby leg", das Hinterbein einer Ziege, geschenkt.

 

Jetzt muß ich noch einige Themen für meine Schulung sauber ausarbeiten. Wenn alles gut geht, wird North Horr in der kommenden Woche ans mobile Telefonnetz angeschlossen. Das würde die Kommunikation mit Deutschland natürlich sehr erleichtern.

 

 

Donnerstag, 31. Januar 2008

 

Alles ist vorbereitet, ab morgen werden wir mit den Kursen beginnen. Durch die politische Situation bedingt, mussten wir heute noch Vorräte einkaufen. Wir befürchten, dass Lebensmittel in der nächsten Zeit knaper und damit um einiges teurer werden. Wir haben 14 manyattas (= Siedlungen der Halbnomaden) in das Programm aufgenommen, überall wollen wir 2 Tage bleiben.

 

Wir fahren nach Burra, wo wir alle traditionellen Geburtshelferinnen zu dem morgigen Kurs einladen.

 

 

Freitag, 1. Februar 2008

 

Am ersten Workshop nehmen 11 traditionelle Gebursthelferinnen aus den Manyattas Horigudha und Burra teil. Sie sind sehr interessiert. Nach 4 Stunden intensiver Schulung sind alle ermüdet, die Frauen gehen nach Hause zurück, um zu kochen. Morgen wird eine Schwangere am Kurs teilnehmen, so daß wir auch praktisch üben können.

 

 

Samstag, 2. Februar 2008

 

Am zweiten Tag halte ich den Workshop nicht in der Kirche, sondern im Kindergarten der Siedlung ab. Es kommen 12 Frauen. Wir wiederholen den Stoff. Als ich die Schwangere bitte, sich hinzulegen, gibt es ein großes Palaver. Bei den Gabbras legt man sich nicht in der Öffentlichkeit hin, denn wer liegt, wird als tot angesehen. Nach einigem Hin und Her tut sie es dann doch. Wir können mit dem Herztonrohr die Herztöne des Babys hören, und die Frauen sind sehr erstaunt darüber, dass so etwas möglich ist.

 

Vor der kleinen Beatmungspuppe haben sie Angst. Und dabei habe ich extra eine Puppe mit schwarzer Hautfarbe mitgenommen. Doch nach einigen Zureden geht es dann doch ganz gut und die Frauen üben fleißig an der Puppe. Sie lassen sich dabei sogar fotografieren, was mir zeigt, dass sie großes Vertrauen in mich haben. Denn die Menschen hier haben Angst, dass sie ihre Seele verlieren könnten, wenn man sie fotografiert.

 

 

Dienstag, 5. Februar 2008

 

Gestern waren wir in der Siedlung Goricha, dort kamen 11 traditionelle Geburtshelferinnen zum Kurs. Auf dem Weg besuchte ich eine Wöchnerin mit einem Neugeborenen .  Heute, in Elwako Mala, kamen sogar 15 Frauen zum Kurs. Sie sind immer sehr interessiert und freuen sich riesig über die Materialien, die ich ausgebe. Es ist sehr gut, dass wir auch an einer Schwangeren üben können, die Herztöne des Kindes zu hören. In unserem Land Rover fahren jedesmal Anhalter mit, es sind bis zu 14 Passagiere in dem Fahrzeug. Und es gibt auch immer jede Menge Ladung - heute z.B. 5 große Wasserkanister für einen Kindergarten.

 

 

Donnerstag, 7. Februar 2008

 

Gestern früh sind wir schon um 7.30h aufgebrochen und nach Malgot gefahren. Dort habe ich 16 frauen geschult. Doch zuerst musste ich mit einer Helferin die ganze Siedlung ablaufen und die Frauen zusammentrommeln - die Bewegung hat mir mal gut getan. Ich sitze hier sonst viel zu viel. Heute in Worno kam sogar ein Mann zum Kurs, der sich hier als Geburtshelfer betätigt. Ich hatte anfangs noch zweifel gehabt, ob die Frauen seine Teilnahme akzeptieren würden, doch das war gar kein Problem.

 

Meine Kollegin, Gerlinde Fischer, ist seit gestern Abend in Nairobi und wird morgen dann mit einem kleinen Flugzeug nach North Horr fliegen. Sie hat dann am Samstag noch einen Ruhetag, danach geht es für uns weiter hinaus. Das heißt, dass wir dann auch nicht mehr abends zurückfahren können, sondern in den Siedlungen über Nacht bleiben werden.

 

 

Freitag, 8. Februar 2008

 

Den Kurs in Qorqa wollten wir fast absagen, da zeitgleich eine Veranstaltung der Regierung angesagt war. Wir hielten ihn dann trotzdem ab, und es kamen 15 Frauen. Ich wurde von einem jungen Mann begrüßt, der letztes Jahr an der Schulung teilgenommen hatte. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, so dass wir schon um 16h die Heimreise antreten mussten. Wir versprachen aber, morgen wieder zu kommen.

 

 

Samstag, 9. Februar 2008

 

Heute morgen hatte ich ziemlich Mühe, die Teilnehmerinnen zusammen zu trommeln. Irgendwann wurde es mir dann zu viel, und ich fing einfach mit den 10 anwesenden Frauen mit dem Kurs an. Dem Fahrer sagte ich, er solle mit dem Wagen die übrigen Frauen abholen. Und wie durch ein Wunder waren ganz schnell nochmal 7 Frauen da. Abends konnte ich Gerlinde begrüßen, die gestern mit dem Flugzeug von Nairobi gekommen war.

 

 

Freitag, 15. Februar 2008

 

Gerlinde Fischer berichtet: "Heute arbeitete ich ca. 50km von north Horr entfernt in Vano. Ich war alleine, weil Freia Malaria bekommen hat und im Bett liegt. Auch ich selbst kämpfe mit meiner Gesundheit - vor allem mein Magen rebelliert immer wieder. Die Fahrt durch diese karge, riesige Mondlandschaft war richtig unwirklich. Es ist kaum vorstellbar, dass hier Menschen leben sollen. Und plötzlich tauchen dann doch 18 Hütten auf, ganz verstreut.

 

Mit 7 Frauen saß ich dann unter dem Schatten eines Baumes. Sie waren sehr interessiert, vor allem die Plazenta war ein großes Diskussionsthema. Ich habe erfahren, dass Steislagen hier nichts ungewöhnliches sind, und meist gut ausgehen. Das mitgebrachte Beckenmodell aus Kunststoff hat die Frauen sehr amüsiert, und eine Frau traute sich sogar an das schwarze Kunststoffbaby heran, um das Reanimieren zu üben."

 

 

Montag, 18. Februar 2008

 

Gerlinde Fischer berichtet: "Ich habe Probleme mit den Augen - sie entzünden sich immer wieder bei der trockenen Hitze und dem vom Wind aufgewirbelten Staub und Sand. Freia ist wieder gesund, und heute hatten wir einen Kurs mit 26 Frauen. Dabei mussten wir sogar die letzten zwei Kilometer der Anfahrt zu fuss zurücklegen, da das Fahrzeug die Hütten nicht erreichen konnte. Ab morgen wollen wir zum ersten Mal für vier Tage am Stück unterwegs sein. Doch heute Abend gönnen wir uns zunächst einmal etwas Lagerfeuerromantik."

 

 

Mittwoch, 20. Februar 2008

 

Gestern und heute Kurs in der Siedlung Al Hadi. Die Fahrt dorthin war sehr weit, über 200km. Wir schulen 18 Frauen, 10 davon sind traditionelle Geburtshelferinnen. Es scheint sich um eine "fruchtbare Gegend" zu handeln - wir besuchen insgesamt 7 Schwangere.  

 

 

Sonntag, 24. Februar 2008

 

In den Siedlungen El Gade und Kurawa treffen wir auf 20 sehr gut ausgebildete Geburtshelferinnen. Man merkt sehr deutlich, dass sie vor kurzem ein staatliches Training besucht haben. Im Sonntagsgottesdienst habe ich morgens einen Pfarrer getroffen, den ich schon von meinem letzten Aufenthalt in Kenia kannte.

 

 

Mittwoch, 27. Februar 2008

 

Gerlinde Fischer berichtet: "Gestern machten wir unseren Workshop in Olom. Es waren ca 5-7 TBA's und ca 25 Frauen und jede Menge Kinder. Der Raum war fast zu voll. Die Frauen erzählten, daß sie ihre Schwangerschaft lange geheimhalten und Übelkeit mit Malaria begründen. So erfährt die Dorfgemeinschaft auch nichts

von Fehlgeburten - das scheint ein Tabuthema zu sein. Eine Schwangere

berichtet über Nierenprobleme - sie trinken bei dieser Hitze hier oft zu wenig,

müssen das Wasser oft kilometerweit vom Brunnen in schweren Kanistern

zum Dorf schleppen. Heut sind wir in Kutur, eine kleine Manyattasiedlung, doch mit einem Brunnen mit funktionierender Pumpe - keine Selbstverständlichkeit. Hier gibt es auch viele große schattige Bäume. Die Frauen diskutieren angeregt über die Er-

nährung der Wöchnerin. So ist es hier üblich, daß die Frauen nach der Geburt

3 Wochen lang nur Suppe und starken gesüßten Tee bekommen. Begründet

wird dies mit ihrer Tradition. Wir haben betont wie wichtig eine gute Ernährung

auch mit Milch und Fleisch ist, damit die Frau wieder zu Kräften kommt und

ihr Kind gut stillen kann. Zum Abschluß haben die Hebammen für und mit uns

gesungen und getanzt. Nach einer Geburt wird gefeiert. Die Frauen bilden einen

Kreis, klatschen, singen und ein paar Frauen stützen sich an Schultern der

anderen ab und hüpfen mit beiden Beinen so hoch es geht. Das hat richtig

Freude gemacht."

 

Donnerstag, 28. Februar 2008

 

Gerlinde Fischer berichtet: "Schon gestern am frühen Abend sind wir in Rage angekommen. Auf dem Weg dorthin haben wir eine Frau besucht, die vor 2 Monaten eine Totgeburt hatte. Sie fühlt sich schwach und schwindlig. Wir haben ihr Vitamin- und Eisentabletten gegeben. Hier in Rage halten wir unseren Kurs im Women's house, das die Frauen- gemeinschaft aus Bambusholz selbst gebaut hat. Heut ist mein letzter Workshop 13 Frauen waren mit Interesse dabei. Eine Frau erzählte von Blutungen in der Spätschwangerschaft - das Kind kam am Termin gesund zur Welt. Wir besprachen das Problem des schweren Tragens - auch in der Schwangerschaft. Freia und ich regten an, daß die Frauen- oder Dorfgemeinschaft einen Esel anschaffen könnte, der dann den schwangeren Frauen zum Wasserholen zur Verfügung steht. Eine gute Idee fanden die Frauen. Die Babypuppe, mit der wir den Geburtsweg durch das Becken zeigen, sorgte wieder für Heiterkeit."

 

Freitag, 29. Februar 2008

 

Gerlinde Fischer berichtet: "Übernachtet haben wir in Kalacha. Heut gehts für mich zurück nach Nairobi und anschließend zurück nach Deutschland. Freia fährt zurück nach North Horr und macht dann noch im Gebiet von Dukana 9-10 Tage weitere Workshops. In einem Monat haben wir ca 245 Frauen geschult, davon die Hälfte traditionelle Hebammen und sind bestimmt annähernd 2000 km im Gebiet des Gabrastammes umhergefahren. Gestern abend hatten wir ein kleines Abschiedsessen mit unseren einheimischen Begleitern Gabriela, der Krankenschwester und Guo unserem Fahrer in einer sog. Lodge. Nach 1 Woche Tütensuppe hat der Reis und das Hühnchen köstlich geschmeckt. Wir nutzen die Zeit bis das Flugzeug mich abholt zum "Mensch ärgere dich nicht" spielen, was den beiden richtig Spaß macht. Früher als erwartet ist taucht der Flieger am Himmel auf. So fällt der Abschied kurz aus; die Maschine wartet schon als wir an der "Flugpiste" ankommen."

 

Sonntag, 2. März 2008

 

Gerlinde Fischer berichtet: "Jetzt heißt es Abschied nehmen von Kenia. Mit vielen neuen beeindruckenden Erfahrungen und Begegnungen mit freundlichen Menschen, die so völlig anders in einer sehr kargen, fast unwirtlichen Landschaft mit Gelassenheit und Zufriedenheit leben. Ich bin beeindruckt von den Menschen dort, v.a. den Frauen, die die Hauptlast zu tragen haben: Kinder erziehen, die Tiere versorgen, den Haushalt und das Wasserschleppen. In Nomadengebiet Nordkenias wird mir bewußt, welch kostbares Gut genügend und sauberes Wasser ist, welch ein Luxus hier frisches Gemüse und Obst ist - für uns zuhause eine Selbstverständlichkeit. Auch Nairobi ist  im Vergleich dazu ein Kultur- und Klimawandel. Dort gibt es wie bei uns alles zu kaufen. Aber anders als bei den Gabras sehr große Slumviertel, wo Armut und Krankheit(häufig AIDS) herrscht.

 

Ich bin glücklich und dankbar für diese fast 4wöchige Arbeit mit den Hebammen und Frauen der Gabranomaden. Ich denke unserer Projekt bringt auch positive Veränderungen und Anregungen für die TBA's und letztlich den Frauen und ihren Kindern.

 

Spät abends komme ich müde und erschöpft. aber gesund und froh in München an und freu mich auf meine Familie, Freunde und Heim.

Viele Grüße an alle von LandsAid

Bis bald, Gerlinde"

 

 

Dienstag, 4. März 2008

 

Freia Dondorf wird sich noch einige Zeit in Nordkenia aufhalten. Sie berichtet heute: "Gestern, am Sonntag, bin ich Katello begegnet, ihm geht es gut, er läuft und geht nächstes Jahr in die Schule. (Anm.: Der Junge wurde vergangenes Jahr von ihr in ein Krankenhaus gebracht, um eine lebensrettende Operation durchzuführen.)

Von heute bis zum Samstag, den 8. März bin ich in Dukama. Von dort aus werde ich an verschiedenen Orten Tagesausbildungen durchführen. Heute schule ich in Tubi Atki 17 Teilnehmerinnen.

Einen besonderen Dank sende ich denjenigen, die mir einen MP3-Player geschenkt haben, ich genieße die Musik!

North Horr hat jetzt endlich den langersehnten Anschluß an das Mobilfunknetz bekommen. Am Wochenende bin ich nun unter folgender Handynummer zu erreichen: 00254-712197166. Am besten abends um 18.00 / 19.00 Uhr deutscher Zeit.

 

Freia"

 

 

Sonntag 9.3.08

 

Mir geht es gut! Letzte Woche habe ich noch vier verschiedene Maniatas in Dukana besucht und zu meiner ganz großen Freude die kleine Susanne, das Mädchen, das letztes Jahr mit dem spektakulären Kaiserschnitt von Dr. Susanne und Dr. Albert Holtz-Joas entbunden wurde, getroffen. Die Kleine läuft und der Mutter geht es auch gut. Sie war bei mir im Kurs. Das was damals geschehen ist, beschäftigt die Frauen immer noch sehr und alle in dem Kurs von Susannes Mutter wollten von der „weißen Frau“ untersucht werden.

 

Nächste Woche werde ich in eine Primary und eine Secondary School gehen und dort ein bisschen Aufklärung betreiben und veranschaulichen, wie eine Geburt funktioniert. Toni Mahl hat mich darum gebeten und die Lehrer sind damit einverstanden. Es gibt ein Schulbuch dazu und an das werde ich mich anlehnen.

Liebe Grüße von Freia.

 

 

Mittwoch 12.03.08

  

Am Samstag, den 8 März bestieg ich den „Duble Dublin“ (wie man den genau schreibt, weiß ich nicht). Er ist ein kleiner Berg, das „Wahrzeichen“ North Horrs. Der Aufstieg dauerte 20 Minuten, leider konnte man keinen Sonnenuntergang sehen. Was das Wetter anbelangt: Es ist heiß, und wir haben hier viele Sandstürme, ständig knirscht es im Mund, weil man immer Sandkörner zwischen den Zähnen hat. Eigentlich sollte die Regenzeit schon anfangen, aber die verschiebt sich wohl. Die Menschen sind besorgt, ob wieder eine Trockenperiode kommen wird (ich denk dabei schon an ein weiteres Ziegenprojekt).

 

Gestern am Dienstag, 11. März musste ich vier Stunden auf meine Kursteilenehmerinnen warten. Es kamen dann 15 Frauen. Nach und nach erfuhr ich, dass Ziegen aus einem Stamm gestohlen wurden, und wohl erstmal eine Auseinandersetzung zwischen zwei Stämmen ausgetragen werden musste, bevor die Frauen zu mir in den Unterricht kommen konnten.

Nachts um 1.00 Uhr tauchten dann vier Verletzte in der Missionsstation auf, die wir versorgten. Zwei von ihnen geht es nicht gut, eine Frau hat einen zermatschten Bruch am Knie und ein Mann eine schwere Kopfverletzung. Wir konnten lediglich die Wunden reinigen, ansonsten müssen die beiden warten, bis sie ins Wamba Hospital geflogen werden können.

 

Zum Schluss noch ein nettes Erlebnis: Letzte Woche verloren wir irgendwo auf der Strecke zwischen Dukana und Walessa unseren 30 l Teetopf, der auf dem Dach des Jeeps offensichtlich nicht ganz so gut angebracht war.

Als wir dies dem Katechisten in Walessa erzählten, meinte er, er hätte von einer Frau gehört, dass irgendjemand einen solchen Blechtopf gefunden hätte. Und auf irgendwelchen Kanälen kam unser Verlust dem Finder zu Ohren und ein junger Mann brachte und dann den Pott. Er musste immerhin 15 km zu Fuß gehen. Das hat uns dann doch sehr gefreut.

 

Alles Liebe nach Deutschland, bis nächste Woche.

Freia

 

 

Mittwoch, 19. März 2008

 

Vor einer Woche war ich noch mal in Valessa, um eine Gruppe von Frauen zu unterrichten. Anwesend war auch ein Katechist. Dank seiner Übersetzung habe ich mal erfahren, worüber die Frauen sich unterhalten, was sie mir aber nicht sagen würden: Nach der Geburt treten sie mit den Sandalen auf die Nabelschnur, die auf dem schmutzigen Boden liegt und schneiden sie danach mit einem Messer oder einer Rasierklinge durch…

 

Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag um 6.00 h früh Nordic Walking zu betreiben, aber es ist einfach zu heiß!

 

Dafür hatte ich Zeit für eine kleine Statistik:

 

Während 5 ½ Wochen habe ich - und Gerlinde - Kurse durchgeführt.

Dabei habe ich - wir - 20 verschiedene Maniatas besucht.

355 Frauen wurden geschult.

2900 km sind wir mit dem Jeep gefahren, und, was das Beste ist, wir hatten NIE einen Platten oder sonstige Probleme mit dem Auto!

 

Gestern unterrichtete ich in einer Secondary School in North Horr. Bevor es jedoch dazu kam, musste ich doch tatsächlich einmal meine eigenen Fahrkünste unter Beweis stellen. Es stand kein Fahrer zur Verfügung, und so meinte Toni Mahl, ich soll selber fahren. Nelly, eine Volontärin wollte mit zu der Schule und hatte auch riesig Lust, den Land Rover zu lenken. Gut, stimmte ich zu. Vor der Schule dann das Pech: Nelly fuhr in eine Sandbank, und da saßen wir fest. Es gelang ihr nicht mehr den Wagen irgendwie zu bewegen, auch nicht mit Einlegen des Spezialganges an den Rädern. ABER zum Glück hatte ich bei LandsAid letztes Jahr ein Offroad-Training absolviert und indem ich das, was ich damals gelernt hatte, anwendete, schaffte ich es doch tatsächlich, Millimeter weise den Geländewagen aus der Sandbank herauszumanövrieren!

 

Zurück zur Schule: Mein Vortrag fand vor ausschließlich männlichen Schülern im Alter zwischen 14 und 18/19 Jahren statt, die extra in ihrer Mittagspause gekommen waren, um mir zuzuhören. Irgendwann waren es an die 100 Jungs und junge Männer in der Aula. Sie waren sehr interessierte Zuhörer und stellten Fragen, die mich dann doch sehr erstaunt haben: Warum wird die Nabelschnur abgeklemmt? Was passiert mit der Wundfläche in der Gebärmutter? Was ist die genaue Funktion der Plazenta? Wie geht eine Geburt bei Beckenendlage von statten? Wie können sich die Schädelknochen bei der Geburt übereinander schieben? Welche Überlebenschance hat eine Frühgeburt? Über die medizinische Versorgung diesbezüglich in Europa und North Horr haben wir dann noch länger diskutiert.

 

Es war ein sehr schönes Erlebnis.

 

Alles Liebe nach Deutschland, bis nächste Woche Eure Freia

 

 

Dienstag, 25.03.2008

 

Am Ostersamstag dachten wird, dass die Welt untergeht. Nachmittags wurde es ganz plötzlich dunkel. Stockdunkel.

Und dann ging es los. Ein Sandsturm, wie ihn hier noch niemand erlebt hatte. Der Wind toste und tobte. Durch alle Ritzen drang der Sand in die Häuser ein. Wir hatten ihn in den Augen, Ohren, in der Nase im Mund. Im Haus zogen wir uns Decken über den Kopf, um uns zu schützen. Toni f(Anton Mahl) war mit ein paar einheimischen Männern im Auto unterwegs. Sie verloren total die Orientierung. Nach einer halben Stunde, fing es an zu regnen, und nach einer ganzen Stunde war der Spuk, der uns wirklich in Atem gehalten hat, vorbei. Es klarte auf, und alles war wie immer.

Meine Arbeitszeit hier ist nun zu Ende. Jetzt mache ich noch ein bisschen Urlaub und hoffe mit Toni den Mount Kenia zu besteigen.

Liebe Grüße von Eurer Freia.

 

 

Mittwoch, 26. März 2008

die Zeit in NH ist zu Ende. Ich habe mit meinen Mitarbeitern und dem gesamten Team ein Abschiedsessen am Ostermontag gemacht, auch eine Rede gehalten.
Am Mittwoch sind wir dann endlich mit vollbepacktem Auto und vollbesetzt, Fahrer Toni, drei Weisse ansonsten Vater mit krankem Sohn (8 Jahre), Frau mit orthopaedischem Leiden und noch vier weitere. Es war erst eine gute aber heisse Fahrt, ich sagte noch zweitausend Kilometer ohne alles, was wird diese Fahrt bringen. Dann der erste Platten, aber wir hatten Helfer genug. Ein anderer Reifen lies etwas Luft, aber es ging noch. Nach ca. einer halben Stunde der zweite Platten, allerdings nicht der mit wenig Luft. Nun hatten wir leider keinen Ersatzreifen mehr. So ca. 40 km vor Marsabit wurde es kritisch. Wir versuchten Henry ein guter Bekannter, Schweizer und Alleskoenner zu erreichen. Leider nichts! Aber dann sahen wir Strassenbaumaschinen und die haben den Reifen aufgepumpt. Dann mit Verspaetung nach Marsabit. Dort eine Mitfahrerin und Vater mit Kind abgeladen, er haette eigentlich nach Wamba gesollt, aber gut fuer uns, so konnten wir uns einen Umweg ersparen. In der Mission wurden wir herzlich aufgenommen und konnten heiss duschen, es war noetig. Nach dem Abendessen haben wir noch Henry besucht. In der Nacht haben mich die Moskitos verstochen, ich dachte es gibt keine wg. der Kaelte und ich habe das erste Mal gefroren.

 


Donnerstag, 27. März 2008

 
Nun mussten erstmal die Reifen repariert werden. Nelli hatte ihren 21. Geburtstag, den wir leider nicht gebuehrend feiern konnten. Gegen elf Uhr ging es los, wir hatten ca. 8 Stunden Fahrt vor uns.
Unterwegs traffen wir einen einheimischen Pfarrer mit Autoproblemen, Toni half, Zeitverlust. Unser linker Hinterreifen hatte eine Blase von ca. 15 x 8 cm, toll. Etwas Luft rauslassen und Freia musste im Rueckspiegel den Reifen beobachten. Ging leider nicht lange, der naechste Platten. Dann ging es mit einem Ersatzreifen weiter. Dann ein tolles Erlebnis, 6 Giraffen sind im Galopp 10 Meter vor uns ueber die Strasse. Ausserdem ein Zebra, einige Antilopen und viele Dick Dicks. Die Fahrt nahm kein Ende ... Es wurde dunkel und dann auch noch Regen. Ueber die Berge gings im ersten Gang, die Geschwindigkeit war fast zum Mitlaufen. Der Brother in Nanjuky ist sehr unfreundlich wenn man zu spaet kommt, war jedoch telefonisch nicht zu erreichen. Gegen 21 Uhr kamen wir an, Pole. Am naechsten Tag die grosse Entscheidung, ob wir auf den Mount Kenia gehen koennen.

 


Freitag 28. März 2008

Sieben Uhr Mount Kenia ohne Wolken sehr schoen!!!
Toni musste noch ein Auto ca. 20 Kilometer abschleppen, pole pole wir sind in Afrika. Es ziehen Wolken auf, vor dem Mittagessen sagt uns einer vom Buero, er sollte auch anrufen, oben Mount Kenia voller Eis und Schnee und unten alles dickster Matsch. Wir entschliessen uns  nach Nairobi zu fahren. Nach dem Essen die Frau noch in die orthopaedische Klinik gebracht, auf dem Weg dorthin konnten wir den Mount Kenia in seiner Pracht bewundern, glasklar.
Nun haben wir Gott sei Dank nur noch Teerstrasse vor uns. Es wird langsam dunkel und faengt wiedermal an zu regnen. Toni faehrt diese Strecke ungern in dieser Situation. Auf einmal abrupptes Bremsen und Schimpfen. Er hatte so komische Taschenlampen gesehen, aber warum??? Er ist ueber ein Nagelbrett gefahren. Die gibt es hier oeffter bei Polizeisperren. Nach ca. 10 Minuten linker Hinterreifen platt, er hatte einen Stachel aufgespiesst. Es war eine Gegend, in der man freiwillig nicht gerne anhaelt. Aber wir waren ein geuebtes Team und der Reifenwechsel ging sehr schnell.
So, was kommt nun noch alles. Toni war ganz still, das hat ihn schon etwas geschockt. In Nairobi dann ein riessen Stau, aber warum es ist schon zuspaet fuer Feierabendverkehr. Es muss ein Unwetter gewesen sein. Die Strassen ueberflutet, Unfaelle, Verstopfungen, jedes Auto wollte noch schnell in eine Luecke, so ein Chaos hab ich noch nicht erlebt. Eigentlich wollten wir noch mit Hermann zum essen und ihn dann um 23 Uhr an den Flughafen bringen, aber wir waren zu kaputt, sind dann nur noch zum Pizza um die Ecke.
 

 
Samstag, 29. März 2008


Nichts mit ausruhen. Mit Toni los vier neue Reifen kaufen. Gab aber nur zwei in dieser Groesse, besser als nichts. Montieren, warten, einkaufen. Ausserdem Flugbuchung fuer mich nach Mombasa. Mittagessen. Toni scheut keine Muehen. Er ist dann mit uns nach Boma gefahren, dort gibt es nachgebaute Doerfer und Taenze, war eine schoene Abwechslung.
 

 
Sonntag, 30. März 2008

Da haben wir was sportliches Unternommen. Wir sind ca. eine Stunde Auto gefahren und dann Aufstieg zum Longonot Krater, ca. eine Stunde, und drei Stunden Umrundung. Zum Glueck waren immer mal wieder Wolken da und dadurch nicht zu heiss.

 
Montag, 31. März 2008

So einiges erledigt und dieses Tagebuch nachgeschrieben. Nelli ist so nett und tippt es fuer mich in den PC, sonst haette es Stunden gedauert. Ab 1.4.08 dann Urlaub in Mombasa. Wenns was aufregendes gibt, melde ich mich nochmal, ansonsten erst nach meiner Ankunft, 15.4.08 in Deutschland. Gruesse aus dem hier nicht mehr so heissen Kenia. Bis bald Freia

 

Dienstag, 15. April 2008 - Kairo, Ägypten

 

Leider war Mombasa nicht so schön wie erhofft. Das Meer schmutzig und ich habe mich sooo aufs Schwimmen gefreut. Aber ich habe die Ruhe und das Essen genossen. Gestern war es um 6h schon unerträglich schwül warmund es goß in Strömen. Um 14h in Nairobi fand ich es dann fast kühl und abends habe ich dicke Socken und den Pulli gesucht. Wie wird das nur in München sein??

 

Freia 

 
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