Haiti-Tagebuch von Janek Leibiger
Ende Februar startete der Dresdner Krankenpfleger Janek Leibiger zusammen mit der Ärztin Susanne Schönberger (München), Rettungsassistent Kevin Mertens (Berlin) und Apothekerin Sabine Kerkau (für Apotheker ohne Grenzen e.V.) ins Erdbebengebiet von Haiti. Sie stießen dort zu den medizinischen Teams, die bereits im Elendsviertel Cité Soleil tätig waren. Dank Internet-Tagebuch können Sie hier direkt und zeitnah an ihren Erfahrungen teilhaben.
Projektinformationen finden Sie hier
23. Februar 2010
Vor 3 Tagen sind wir in Haiti angekommen. Die ersten Eindrücke sind für uns „neue“ doch sehr beeindruckend. Das 3. Team von LandsAid hat uns im Gästehaus von St. Damien herzlich empfangen. Auf dem Gelände des Kinderkrankenhauses sind zahlreiche Helfer aus Europa untergebracht. Mittags und Abends wird für jeden gekocht. Die Stimmung hier ist sehr freundlich.
Auf dem Weg zu den mobilen Kliniken stockt einem jedoch der Atem. Das Erdbeben vor über einen Monat hat zwar Teile der Stadt nahezu verschont. Andere, wie um Christroi herum, traf es so stark, dass kaum ein Gebäude stehen blieb. Der Geruch verrät, dass dort noch zahlreiche Menschen vergraben sein müssen. Zudem ist der Lärm von den Straßen und durch dutzende Helikopter ist ohrenbetäubend – doch man gewöhnt sich hier wohl an viele Ungewöhnlichkeiten.
In den letzten Nächten gab es erneut Beben. Spätestens durch das Weinen der Kinder aus dem Krankenhaus sind die letzten unter uns aufgewacht. Es ist zu spüren, dass die Nerven vieler Haitianer blank liegen. So worden nun auch alle Patienten in den Innenhof evakuiert.
Durch die kleinen Fenster der Klinik Christroi dringen angespannte Stimmen. Die Angst vor weiteren Erdbeben ist sehr präsent.
Janek Leibiger
25. Februar 2010 – Susanne Schönberger schreibt:
Heute war ein sehr guter, wenn auch etwas emotionaler Tag, da wir vermutlich das vorerst letzte Mal in „unserem“ Krankenhaus in Christ Roi gearbeitet haben. Emotional, da uns die Angestellten dieser Klinik, als auch die Patienten in der doch sehr kurzen Zeit ziemlich ans Herz gewachsen sind. So freute sich heute die unglaublich kompetente und freundliche Apothekerin sehr über ein Stück Seife, da auch sie ihr Haus aufgrund des Erdbebens verloren hatte. Ebenso wie unsere Dolmetscher. Beide schlafen seither in Zelten. Wie es während der Regenzeit weitergehen soll, weiß keiner von ihnen. Ebenso wie all die anderen Menschen, die alles verloren haben und ihre Zelte überall auch auf Gehsteigen aufgeschlagen haben.
Es gab doch einige Erfolgserlebnisse: Ein 2-jähriges Mädchen, dass schwer an Malaria erkrankt war, kam heute das erste Mal fieberfrei und konnte zumindest etwas lächeln. Wunden waren abgeheilt oder doch deutlich besser geworden und zumindest konnten wir den sehr traumatisierten Menschen das Gefühl vermitteln, uns für ihren Alltag und ihre großen und auch kleinen Sorgen zu interessieren.
Sehr beeindruckt hat uns heute auch das Verhalten unseres Fahrers, der vor der Katastrophe Politologe war. An einer Ampel beginnt ein Mann das Auto zu putzen, und fährt auch nach deutlichem Kopfschütteln damit fort. Als er abschießend nach Geld fragt, fängt Mario -der Fahrer- an seinen Geldbeutel zu durchforsten, in dem allerdings gar nichts mehr ist, woraufhin er ihm eine Flasche Saft schenkt, die er sich gerade gekauft hatte. Auf unser Nachfragen hin meint er, es hat viele Menschen viel schlimmer getroffen, er schläft zwar auch draußen, aber immerhin hat seine Familie überlebt.
Susanne Schönberger
27. Februar 2010 - Apothekerin Sabine Kerkau schreibt:
In den letzten 2 Tagen habe ich wieder viel erlebt. Heute habe ich ein wenig
über Vodoo und einen gleinen Unfall zu berichten.
Vorgestern ging es mir nicht wirklich gut, ich hatte sehr starke
Magenkrämpfe und es kündigte sich ein Durchfall an. Auf der Fahrt zu unserem
Einsatzort in Cite Solail wurden die Magenschmerzen so stark, dass ich schon
dachte ich könnte gar nicht arbeiten. als wir am Ziel angekommen waren, hat
mir dann jemand den Nebenraum von unserem Schulzimmer geöffnet, damit ich
mich dort etwas ausruhen sollte. Plötzlich kam eine alte haitianische Frau
herein und begann mit mir kreolisch zu reden. Sie schien mich zu verstehen,
obwohl ich weder kreolisch, noch französisch spreche. Irgendwann legte sie
Ihre Hände auf meinen Bauch und Ihren Kopf an meine Brust. Das ganze dauerte
nur einen kurzen Moment.Ich war so überrascht, dass ich gar nicht wusste,
was ich sagen sollte. Aber ob ihr es nun glaubt oder nicht, die Schmerzen
und Beschmerden waren auf einmal weg und sind bisher auch nicht zurück
gekommen.
Zu unserem Einsatzort werden wir in einem sogenannten Taptap gefahren, das
ist so ein ähnliches gefährt wie ein Thailändisches TukTuk, nur dass es hier
4 Räder hat. Die Fahrt dauert zwischen 30Min und 2 Stunden, das hängt vom
Verkehr ab. Gestern war Traficjam. Unser Fahrer musste einmal ziemlich
kräftig bremsen und dabei bin ich hinten gegen die Wand zwischen Ladefläche
und Fahrerhaus geschleudert worden und mit dem Kopf zuerst dagegen geprallt.
Zum Glück habe ich ausser ein paar blauen Flecken nichts abbekommen.
Die letzten 2 Tage in Cite Solail waren sehr anstrengend. Wir hatten immer
um die 120 Patienten und jeder hat ca 3 bis 4 Verordnungen. Ich muss Tütchen
beschriften und die Tabletten aus 1000der Gefässen abzählen.
Teilweise standen heute bis zu 30 Patienten vor mir und haben gewartet. Zum
Glück habe ich Mitho, meinen Übersetzer, der von Englisch auf Französisch
übersetzt, er hat mir Heute auch beim Abzählen der Medis geholfen, sonst
würde ich da wohl jetzt noch stehen.
Ich muss jetzt versuchen zu schlafen, was nicht leicht sein wird, da eine
Gruppe Italiener Abschied feiert auf unserem Dach.
Herzlichen Gruss und einen schönen Tag
Sabine Kerkau
27. Februar 2010 - die Ärztin Susanne Schönberger schreibt:
Tolle Neuigkeiten!
Am Montag starten wir bereits unsere neue Tätigkeit im neuen primary health care center in Casul, ein Stadtteil am Rande von Cite Solei. Unsere Zeltklinik steht dort auf dem Gelände des alten Pristerseminars. Damit haben wir einen ersten Erfolg erziehlt, die akute Katastrophen-Hilfe in eine nachhaltigere medizinische Versorgung umzuwandeln. Dort wird auch die Kinderklinik St. Damiens Zelte zur Essensverteilung und Physiotherapie nutzen. Unser Klinik-Standort zuvor in Cite Solei wird hoffentlich bald wieder als Schule genutzt werden. Wobei der Termin des Schulbeginns nach dem Erdbeben wiedereinmal um einen Monat nach hinten verschoben wurde. Unsere Patienten von dort können so weiter versorgt werden, da beide Standorte nur ca. 200 Meter voneinander entfernt sind.
Nachdem nun heute schon Samstag ist (also noch 2 Tage bis zur „Eröffnung“), haben wir versucht eine Art Einrichtung für das Zelt zu besorgen.
„Wo können wir denn Möbel einkaufen?“
Ganz einfach: Nirgendwo...
Also wird es eine ganze Tagesaufgabe Tische, Stühle, Liegen und Kisten zu organisieren. Natürlich im Krankenhaus, da es ja sonst nichts zu kaufen gibt. Conan, der Chef-Logistiker, gibt uns 2 Klapptische und 5 Stühle aus der Gynäkologie. Worn, der die Organisation der St. Luc Apotheke übernommen hat, überlässt uns 3 leere Kisten. Und 2 Feldbetten sammeln wir auf dem Krankenhausdach ein, die von den abgereisten Italienern übergeblieben sind. Unsere Medikamente haben wir aus Cite Solei mitgenommen, und damit steht die primäre Klinikausstattung. Der Rest wird sich finden. Es ist eben sehr kompliziert, banale Gegenstände zu organisieren, wenn es einem Land an beinahe Allem fehlt.
Um mit Father Rick zu sprechen: „Wenn du 100 Prozent hast, verteile 90 Prozent, aber stell sicher, dass du die restlichen 10 Prozent behältst.“
1. März 2010 - Apothekerin Sabine Kerkau schreibt:
Guten Abend Euch/Ihnen allen, bzw guten Morgen,
denn bei Euch/Ihnen ist es ja schon fast vier Uhr morgens.
Wir haben unsere Mobile Klinik heute an einem neuen Standort aufgebaut, in
Cazeau.
Das liegt ebenfalls in den Slums von Cite Soleil.
Eigentlich wollten wir ja gegen zehn Uhr die ersten Patienten versorgen,
aber dann stellte sich leider heraus, dass unser Fahrer keine Ahnung hatte,
wo wir hin mußten. Das Ergebnis war, dass wir nach einer Stunde Irrfahrt
wieder am Krankenhaus ankamen, wo alles in heller Aufregung war, weil es mal
wieder ein leichtes Nachbeben gegeben hatte. Selbst das haben wir auf Grund
der schlechten Strassen nicht mitbekommen.
Beim zweiten Anlauf hat unser Taptap Fahrer dann unseren neuen Standort
gefunden.
Aber auch jetzt konnten wir nicht gleich mit dem Behandeln der Patienten
loslegen. Zunächst war erst einmal eine halbe Stunde Müll aufräumen
angesagt.
Es ist erstaunlich wie dreckig Port au Prince ist!. Überall liegt Müll,
teilweise Meter hoch und die Luft ist so verschmutzt, dass einem schlecht
wird vom Atmen, bzw sich recht schnell Kopfschmerzen einstellen. Trotzdem
sind die Menschen zwar ärmlich aber immer sauber gekleidet.
Nachdem wir nun den Müll entsorgt und unser Zelt eingerichtet hatten, konnte
es gegen zwölf endlich losgen.
Wir hatten schon befürchtet, dass kaum ein Patient kommen würde, aber ganz
im Gegenteil, vor unserem Zelt versammelte sich sehr schnell eine grosse
Zahl Menschen. Viele Jüngere kamen eigentlich nur der Neugier wegen,
ernsthaft erkrankte haben wir heute nicht gesehen.
Gegen 15 Uhr war ich zurück in unserem Krankenhaus und hier ging die Arbeit
gleich weiter. Wir haben vor Zwie Tagen eine grosse Lieferung an
Medikamenten und vielen anderen Hilfs und Verbandsmitteln erhalten und ich
habe heute angefangen die Medikamente zu sichten und zu sortieren. Dann
mussten ja auch noch die Bestellungen aus den drei mobilen Kliniken
zusmmengestellt werden. und so endete mein Arbeitstag gegen 21 Uhr.
Nun noch schnell eine Mail an Euch/Sie alle und dann muss ich ins Bett, bin
wirklich müde heute.
Liebe Grüsse
Sabine Kerkau
3. März 2010
Fast zwei Wochen sind nun bereits vergangen. Die Tage fühlen sich sehr kurz an. Es gibt hier wenige Konstanten im „Alltag“. Eine Planung der nächsten Tage ist mit vielen Hürden verbunden, da gerade in der letzten Woche insgesamt zu wenig Ärzte für die mobilen Kliniken zur Verfügung standen. Die Organisation und Aufrechterhaltung von Christ Roi und Caseau erfordert von allen große Flexibilität und Kraft.
Vor allem aber von Sabine Hartmann, unsere von allen Seiten sehr geschätzte Koordinatorin. Sie wird das Team übermorgen, nach vier Wochen Einsatz, verlassen. Ihren intensiven Bemühungen ist es zu verdanken, dass die vier mobilen Klinken, welche von St. Damiens aus betrieben werden, fast ohne Unterbrechungen versorgt werden konnten. Das Telefon klingelt bei ihr im gewohnten halb-stunden Rhythmus. Kontakte knüpfen und miteinander verbinden, dass ist hier in dem ungeordneten Informationsdschungel von großer Bedeutung, wenn man etwas etablieren möchte. Mit „Caseau“ konnten wir Anfang der Woche nun eine Klinik starten, welche sich längerfristig um die gesundheitlichen Nöte der umliegenden Einwohner kümmern wird. Ich möchte mich hiermit für ihre tolle Arbeit im Namen unseres Teams in aller Form bedanken. Hoffentlich werden die Anstrengungen der letzten Tage auch längerfristig Früchte tragen!
Die letzte Nacht riss wieder einmal so manchen aus dem Schlaf. Der Regen prasselt wie Donnerschläge auf unser Blechdach. Bis auf kleine Überschwemmungen auf dem Fußboden blieben die meisten von unseren Zelten trocken. Nur was ist mit den tausenden Menschen, die unter provisorisch zusammen gesuchten Planen schlafen. Unsere Gedanken sind bei ihnen.
Susanne und ich sind heute das wohl letzte Mal in die von unser sehr ans Herz gewachsene mobile Klinik „Christ Roi“ gefahren. Einige Patienten sind uns sehr bekannt, da sie sich regelmäßig zur Wundversorgung vorstellen. Und dass mit guten Ergebnissen. Obwohl die meisten der Verbände kaum noch weiß aussehen, kann man sehr oft die guten Heilungsprozesse erkennen. Am frühen Morgen stellte sich eine 17-jährige Mutter bei uns vor. Ihr drei Monate altes Kind hatte eine schwere Pneumonie entwickelt, welche zwingend stationär therapiert werden muss. Die junge Frau verlor bei dem Erdbeben ihren Mann und ihr Haus. Sie wird, wie viele andere hier, auch dringend psychologische Betreuung gebrauchen können. Nachdem wir 50 Patienten gesehen und behandelt haben, nahmen wir Mutter und Kind mit nach St. Damiens. Es heißt, es gibt keine freien Betten mehr, aber eine Alternative bleibt der kleinen Familie nicht.
liebe grüße,
janek
5. März 2010
Wir packen unsere Kisten für den Rücktransport nach St. Damien. Die netten Männer vom alten Priesterseminargelände helfen uns beim Aufladen ins TapTap. Unser neuer Arbeitsplatz ist sehr schön zwischen Mangobäumen im Grünen gelegen. Der Schatten bewahrt uns im Zelt vor größerer Hitze. Jeder Patient bekommt beim Einlass eine WHO-Karteikarte und eine Nummer. Das klingt vielleicht typisch deutsch – hilft aber sehr um ein Chaos zu vermeiden. Eine haitianische Schwester kontrolliert Kreislauf und Temperatur. Alles klappt nach ein paar Tagen Einarbeitung immer besser. So konnten wir zum Beispiel einem 68 jährigen Mann mit einem extrem hohen Blutdruck (RR: 250/140) relativ zügig behandeln.
Trotz der vielen positiven Seiten unserer neuen Klinik sind wir alle doch auch ein wenig traurig, dass der Weg unserer Patienten aus Cite Soleil nun zu lang geworden ist. Hoffentlich finden sie eine gute weitere Versorgung. Hier, auf den neuen Gelände wird nun die Versorgung erweitert. Neben unserer Klinik werden auch Zelte für Reha-Programme sowie Nahrungsverteilung aufgebaut. Wir werden sehen, wie gut sich das kleine Dorf in der nächsten Zeit entwickelt und angenommen wird.
7. März 2010
Der Sonntag ist ein besonderer Tag für alle. Die mobilen Kliniken bleiben geschlossen, da die meisten Haitianer heute zum Gottesdienst gehen. Dieser findet unter großen Festzelten statt. Es ist eine Freude durch die Straßen zu fahren. Obwohl der derzeitige Regen die Straßen und Zelte aufweicht und neue Flüsse entstehen - überall sind elegant gekleidete Menschen zu sehen. Vieles wurde durch das Beben den Menschen genommen. Die Kultur und die Religion sind hier, so hat man den Eindruck, umso wichtiger geworden. Unser lokaler Fahrer Mario erzählt, es gibt die Kraft und Hoffnung auf bessere Zeiten.
Währenddessen verändert sich die Stadt täglich. Trümmer werden tonnenweise weg transportiert. Das Eisen aus den Betonwänden wird mühevoll mit kleinen Sägen zerschnitten und für neue Zwecke in Form gebracht. Einsturzgefährdete Häuser werden langsam abgerissen. Bagger arbeiten sich Stück für Stück durch die Überbleibsel der Gebäude vorwärts. Doch sind die Fortschritte minimal im Vergleich zu der Anzahl der Ruinen.
Wir haben uns entschieden den Tag außerhalb der Stadt zu nutzen. Sobald man aus Port au Prince herausfährt blickt man auf die Berge. Schön, mal etwas Grünes zu sehen und aus dem städtischen Hupkonzert flüchten zu können. Auf dem Hinweg dann ein grausamer Moment. Wir fuhren an einem Verkehrsunfall vorbei, wobei ein Passant ums Leben kam. Die Leiche war bereits zugedeckt. Da unsere Vorgänger bereits einige schlimme Unfälle gesehen haben, nehmen wir bei solchen Fahrten immer unseren Notfallkoffer mit.
Viele Grüße,
Janek
9. März 2010
Gestern ist Birgit Stecher – Hame zu uns gestoßen. Sie wird nun 4 Monate vor Ort die Arbeit koordinieren. Leider war ihr Einstieg gleich mit einigen Herausforderungen verbunden. Ihr Gepäck ist bis jetzt nur teilweise angekommen und in „Christ Roi“ wurde von Gaston (Chef der kleinen Klinik) unser bester Übersetzer, Serge, von heute auf morgen abgewiesen. Er hatte sich seit den letzten Wochen zu einem unserer besten lokalen Mitarbeiter entwickelt. Zum Glück konnten wir ihm eine neue Arbeit im St. Damiens vermitteln. Jeder Tag ist eine Herausforderung, da es ständig Veränderungen gibt. Das bekam unsere neue Koordinatorin leider gleich zu spüren. Wir sind froh sie in unserem Team zu haben!
Ebenso begrüßen wir nun Orthopädietechniker Michael Mais. Er wird für LandsAid eine Prothesenwerkstatt aufbauen. Grobe Schätzungen belaufen sich auf 4000 bis 12000 Amputationen nach dem Erdbeben. Die Gehstützen sind teilweise am Straßenrand zu kaufen.
Montag war der Andrang auf unsere mobilen Kliniken wie bereits bei den letzten Wochen zuvor sehr groß. Insgesamt mussten 3 Kinder durch unsere italienischen und slowakischen Teams nach St. Damiens eingewiesen werden. Die Situation ist jedoch weiterhin sehr schwierig. Die 124 Betten sind ständig belegt. Die haitianischen Kinderärzte an ihren Grenzen. Umso erfreulicher für uns, dass wir heute alle Patienten ambulant behandeln und versorgen konnten. Jetzt folgt gleich das tägliche Team-Meeting der mobilen Kliniken. Bis bald mit weiteren Neuigkeiten..!
Grüße,
Janek
11. März 2010
Gute und weniger gute Nachrichten aus Port au Prince. In den letzten Tagen liefen alle mobilen Kliniken sehr gut. 3 amerikanische Ärzte und eine Schwester sind verteilt auf „Christ Roi“ und „Caseau“ mit raus gefahren und haben uns unterstützen können . Kinder, die wir mit einem Malaria-Tests etwas ärgern mussten, konnten wir doch alle mit einem kleinen Luftballon (ein aufgeblasener Einmalhandschuh mit Smilie - Danke Robert für die Idee) wieder zum Lachen bringen. Immer wieder gibt es kleine besondere Momente. So sahen wir zum Beispiel heute einen unseren kleinsten Patienten (ca. 3 Monate) mit deutlichen verbesserten Allgemeinzustand wieder. Das macht uns alle glücklich! Denn wie oft kommen Patienten zu uns, die z.B. eine Operation nötig hätten. Das Problem dabei ist, dass es keine dringende Notfälle sind und die Krankenhäuser zur Zeit solche Eingriffe strikt ablehnen. Für solche Fälle gibt es zur Zeit nur die privaten Kliniken, welche sich die Patienten aber nicht leisten können.
Heute wurde bekannt gegeben, dass das Guesthouse von St. Damiens indem wir uns befinden, Ende nächster Woche für alle Organisationen geschlossen werden soll. Ursprünglich war dies Unterkunft für die Nachbehandlung einiger Kinder und der Hospital-Verwaltung. Da man hier verständlicher Weise wieder zur Normalität zurückkehren möchte, wurde jetzt diese Entscheidung getroffen. Für uns bedeutet es, dass wir uns leider eine neue Unterkunft und ein Lager suchen müssen. Das wird nun vor allem das 5. Team betreffen, welches morgen Vormittag hier einfliegen wird. Nach einer Übergabe, werden morgen Susanne und Sabine wieder Richtung Deutschland aufbrechen. Wie schnell doch die 3 Wochen hier vergangen sind...
Beste Grüße - Janek
13. März 2010
Heute ist das neue Team – Dietlinde, Freia, Sabine und Bernward – mit mir nach „Caseau“ gefahren. Ihr erster Arbeitstag war noch relativ ruhig geblieben und so konnten sich alle erst einmal mit den ca. 35 Grad im Zelt versuchen vertraut zu machen. Bisher sind die anderen geplanten Aktionen von St. Damiens ( Essensverteilung, Mutter-Kind-Porgramme, und psychologische Betreuung) auf dem Priestergelände noch nicht angelaufen. Wenn dies soweit ist, wird sich unsere Klinik sicher noch weiter herumsprechen. Mundpropaganda funktioniert hier sehr gut.
Laut Father Rick gibt es zur Zeit in Citè Soleil, dem Slum von Port au Prince, eine Eingangssperre auf Grund von Unruhen – gut, dass wir vor 2 Wochen doch mit der mobilen Klinik umgezogen sind!
Grüße,
Janek
15. März 2010
Ein typischer Montag hier in Port au Prince fängt nie so an, wie man es am Abend zuvor noch geplant hatte. Mit dem neuem Team ging es zu unserer Klinik „Caseau“. Doch dort war noch kein Tisch und Stuhl in unserem Zelt aufgebaut. Nach einer kleinen Suchaktion nach unserem Guard stellte sich heraus, dass er den Schlüssel zu unserem Lager verloren hatte. Also mussten wir erstmal in unser Lager einbrechen. Kurz darauf konnten wir dann aber doch anfangen.
Für mich und Kevin ist es der letzte Arbeitstag. In unserer Zeit ist hier soviel passiert. Viele intensive Eindrücke die bleiben werden. Nun ist es Zeit von hier Abschied zu nehmen. Die hier gewonnen Freundschaften machen es allerdings nicht leichter.
Wir packen die Materialkisten für die Rückfahrt nach St. Damiens. Ich schaue aus dem TapTap auf die lebendigen Füßgängerpassagen. Dann ein kleines Mädchen, dass mir so wundervoll zulächelt. Ich winke ihr zurück und sie verschwindet plötzlich in der Menschenmenge. Es poltert heftig. Das TapTap schleudert uns ordentlich durch. Sicherlich ein kleiner Momente. Aber er hinterlässt einen weiteren prägenden Eindruck.
Viele Grüße,
Janek
Spenden Sie jetzt für die Erdbebenhilfe in Haiti:
Spende online oder an Spendenkonto 10022
VR Bank Landsberg am Lech, BLZ 700 932 00
Internationale Bankleitzahl BIC: GENODEF1STH
Internationale Konto-Nr. IBAN: DE55700932000000010022
LandsAid sagt im Namen der Betroffenen vielen herzlichen Dank!



























