Tagebuch von Mujtaba Haider Imran (Pakistan Relief)
An dieser Stelle finden Sie (ins Deutsche übersetzte) Ausschnitte aus der Berichterstattung von Mujtaba Haider Imran, dem pakistanischen Leiter unserer Partnerorganisation "Pakistan Relief"
Hintergrundinformationen zum Projekt finden Sie hier
Montag, den 2. Juli 2007
"...vor einigen Tagen kamen wir aus Kahuta, an der Grenze zwischen Pakistan und Indien, zurück. Diesmal wurden dort erfolgreich 56 Katarakt-Operationen durchgeführt. Wir arbeiten immer noch die Folgen des Erdbebens von 2005 auf und haben jetzt auch ein Gesundheitszentrum eröffnet.
Jetzt sind die Menschen in Pakistan schon wieder betroffen. Diesmal von heftigen Regenfällen und Überschwemmungen, hauptsächlich im Süden, in den Provinzen Sindh und Belutschistan. Viele Dörfer stehen nach einer Woche Regen dort unter Wasser, in Karachi sind nach starken Unwettern bereits 280 Tote bestätigt worden. Mindestens 1,6 Mio. Menschen sind betroffen.Dämme sind gebrochen und haben die Familien zerrissen. Vielen Menschen werden vermisst, viele sind schwer verletzt worden. Es ist die schlimmste Umweltkatastrophe in Belutschistan seit 150 Jahren.
Tausende von Familien sind jetzt auf der Flucht, auf der Suche nach höher gelegenen Orten, wo sie bleiben können. Sie haben ihren Besitz verloren, ihre Tiere, die Ernte ist vernichtet. Obdachlose Menschen campieren an Bahnstrecken oder Strassen. Laut Wettervorhersage wird es mindestens 72 Stunden weiter regnen, weitere Stürme sind vorhergesagt.
Wir haben einen Hilferuf an alle unsere ehrenamtlichen Helfer herausgegeben. Und wir hoffen auf Hilfe aus dem Ausland. Nur so können wir, wie auch schon vor zwei Jahren, gemeinsam etwas bewirken."
Dienstag, den 10. Juli 2007
Nach einigen Tagen Vorbereitung ist Jörg Leggewie auf dem Weg zum Flughafen; wir hoffen, dass er im pakistanischen Kosulat noch rechtzeitig sein Visum bekommt. In der Zwischenzeit hat uns der Bericht des Assessment-Temas von Pakistan Relief erreicht.
Mujtaba Haider Imran schreibt: "Wir waren seit Samstag Morgen in den betroffenen Gebieten und viele haben uns gesagt, dass wir die Einzigen hier sind. Mehr mals mussten wir unsere Route ändern, da es kein Durchkommen gab. Der einzige Weg, die Menschen zu erreichen, ist in vielen Fällen aus der Luft oder zu Wasser. Wir konnten einige Dörfer besuchen und sahen Menschen, die sich behelfsmäßige Unterstände gebaut hatten, um sich vor der Hitze zu schützen. Sie essen Fisch und Datteln. Das eMail, das ich Euch schicken wollte, kam nicht durch. Ich hatte 2 Stunden versucht, Fotos hochzuladen, und dann brach die Internetverbindung ab. Sorry. Ich versuch es nochmal..."
Donnerstag, den 12. Juli 2007
Jörg Leggewie hat leider kein Visum bekommen und musste wieder nach Hause reisen. Es ist sehr deprimierend, wenn man helfen möchte, und es aus politischen Gründen nicht möglich ist. Mujtaba Haider Imran schreibt: "Gestern hatten wir ein Meeting, in dem wir unser weiteres Vorgehen diskutiert haben. Es fehlen uns die nötigen finanziellen Mittel, um genug Medikamente zu beschaffen. Manches davon ist auch gar nicht in Pakistan zu bekommen und sollte von Deutschland aus geliefert werden. Wir werden ab 14. 7. für drei Wochen mit einem Ärzteteam nach Belutschistan reisen und vor Ort medizinische Hilfe leisten."
Samstag, den 14. Juli 2007
Das Ärzteteam von Pakistan Relief ist mittlerweile im Katastrophengebiet tätig und Irtaza Haider, der Bruder von Mujtaba Haider Imran, hat die Berichterstattung übernommen. Er schreibt: "Es war eine hektische Aufgabe, das Team auf den weg zu bringen. Aber schliesslich haben wir es dann doch geschafft."
Samstag, den 21. Juli 2007
Irtaza Imran, Pakistan Relief: "Unser Ärzteteam hat Islamabad am 17.7. verlassen und nach 36 Stunden Fahrt Chukki Village erreicht. Der Wasserstand dort gin von 12 Fuß auf 8 Fuß zurück. Wir sind die einzige NGO, die hier arbeitet. In Shadadkot wurde von PIMA (Pakistan Islamic Medical Association) ein Zeltkrankenhaus aufgebaut. Von Chukki aus braucht man eine Stunden, um es zu erreichen. Es besteht dringend Bedarf an mobiler medizinischer Hilfe, da sich viele Menschen nicht über weite Entfernungen bewegen können, um Hilfe zu bekommen. Nach Absprache mit der mobilen Klinik von PIMA startete unser team die Arbeit am 20.7. und behandelte an diesem Tag 234 Patienten."
Mittwoch, 25. Juli 2007
Auszug aus dem Bericht von Mujtaba Haider Imran: "Leider war es uns wegen der Wassermassen unmöglich, nach Chucki zu fahren. Also änderten wir den Plan und versuchten den Ort Kachhi Pul zu erreichen. Dort angekommen, liefen die Menschen schon den Fahrzeugen entgegen in der Hoffnung auf Lebensmittel, Hilfsgüter oder Medizin. Obwohl manche Straßen wieder hergestellt sind, erreicht man die meisten Orte immer noch nicht über Land...Durchfall, Hauterkrankungen und Hitzschläge sind sehr verbreitet. Die meisten Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze und haben kein Geld, um sich auf den Weg in eine sicherere Umgebung zu machen. Viele sind so arm, dass sie nicht mal einen Arzt sehen können, selbst wenn sie ernsthaft krank werden. Am schlimmsten trifft es die Alten, Kranken, die Frauen und Kinder. Menschen und Tiere leben zusammen und trinken dasselbe Wasser. Seit einem Monat wurde ihnen nicht geholfen, und jetzt verlieren sie ihren Mut und die Hoffnung auf eine Verbesserung der Umstände...man kann mit Worten nicht beschreiben, wie aufgeregt und froh diese Menschen waren, als sie ein medizinisches Team eintreffen sahen. Wir behandelten 176 Patienten am ersten Tag und verliessen den Ort erst bei Sonnenuntergang...der Wasserstand hat erst 1 bis 3 Fuß abgenommen und, wie es scheint, wird es 1-3 Monate dauern, bis alles wieder trocken ist. Es gibt so viele Schlangen, dass fast jede Familie davon erzählt, eine oder zwei täglich zu töten...sie brauchen Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Häuser und ihrer Felder, wenn das Wasser sie irgendwann mal alleine lassen wird. Die meisten sind Analphabeten und abhängig von Landwirtschaft und Viehzucht. 65-80 % der Herden sind tot und der Rest ist stark geschwächt...ein Militär-Hubschrauber warf 5 bis 6 Mehlsäcke ab in der Nähe unserer mobilen Klinik. Die Starken schnappten sich die Säcke, und Frauen und alte Menschen standen da, und sahen dem Hubschrauber zu, wie er am Himmel verschwand...."
Sonntag, 5. August 2007
"Wenige sind bisher in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt und haben angefangen, die reste ihres Eigentums aus dem Schutt herauszufischen. Die meisten Menschen sind nach wie vor in Sammelunterkünften untergebracht oder leben bei Verwandten in den Städten. Die Ärzte warnen vor Infektionskrankheiten, wenn die Menschen weiterhin aus stehenden Gewässern trinken. Viele Mütter sind zu schwach, um ihre Babys zu stillen.
Das heisse Wetter macht unserem Team zu schaffen. Es gibt kein fliessendes Wasser aus der Leitung. Das (Trink-)Wasser wird auf Eselskarren geliefert und ist teuer geworden. Das Team kommt manchmal erst nach Mitternacht von der Arbeit zurück. Sie sind alle sehr müde, aber glücklich, dass sie den Menschen helfen können."
Donnerstag, 16. August 2007
"Zunächst möchte ich mit Euch die gute Nachricht teilen, dass wir laut Patientenstatistik heute unseren 10.000sten Patienten behandelt haben. Wir sind froh, dass wir nichts ungenützt liessen, um unser Ziel auch zu erreichen. Trotz der vielen Schwierigkeiten - aufgrund des Wetters, Sicherheitsrisiken, Nachschubprobleme etc. - war es bisher alles in allem ein sehr effektiver Einsatz....
...der Einsatz wird am 20. August zu Ende gehen...es gibt immer noch einen riesigen Bedarf an medizinischer Hilfe, und wir planen, unseren Einsatz irgendwie noch für 2 Monate fortzusetzen. So weit draussen gibt es keine anderen medizinsichen Teams, und die Menschen brauchen dringend Hilfe. Durch das Projekt mit Arche Nova und LandsAid haben wir ihnen Hoffnung gebracht..."
Wenn Sie uns helfen möchten, auch bei zukünftigen Naturkatastrophen schnell und unkompliziert zu helfen, bitten wir Sie, hier zu spenden. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!















