Westafrika-Tagebuch von Marco Siniscalchi
Anfang März startete Marco Siniscalchi aus Augsburg mit seinem LandRover nach Westafrika. Er begleitete die Überführung eines Krankenwagens nach Gambia. Im Tagebuch erzählte er von seinen Erlebnissen:
Freitag, 29.02.2008
Seit Monaten schraube ich an meinem Landrover. (Landy-Besitzer wissen sicher was das bedeutet :-) ) jetzt steht der Wagen startbereit vor der Tür. Für den 2. März ist der Aufbruch geplant. Entlang der westafrikanischen Küste werde ich einen Krankenwagen über Marokko, Western Sahara, Mauretanien, Senegal bis nach Gambia begleiten.
Der Land-Rover und ein gespendeter Krankenwagen der Firma Alzchem GmbH (Trostberg) werden voll beladen sein mit Verbandsmaterial, medizinischen Geräten und Kinderkleidung. Die Sachspenden sind für verschiedene Medizinische Einrichtungen in Westafrika bestimmt, der Krankenwagen wird in Gambia an die Organisation „Riverboat Doctors“ übergeben. Diese betreibt in einem kleinen Dorf am Ufer des Gambiaflusses eine Gesundheitsstation, deren Arbeit von Lands Aid regelmäßig mit ehrenamtlichem medizinischen Personal unterstütz wird. Die Ärzte und Pflegekräfte behandeln dort Malaria, tropische Infektionen, Haut- und Wurmerkrankungen und Geburtskomplikationen. Die Patienten sind meist Kinder und ihre Mütter. Ohne die Hilfe von Lands Aid wäre für viele von Ihnen eine ärztliche Behandlungen nicht bezahlbar
08.03.2008: - Chefchaouen/Marocco
So dann mal die beste Nachricht gleich zuerst. Beide Autos haben es schon mal bis Marocco geschafft :).
Der Landrover zwar ein bisschen angeschlagen, aber auch er ist drüben.
Da de erste längere Aufenthalt erst in Gambia geplant ist,werden die ersten Berichte fast ausschließlich Reisebericht sein.
So erst mal ging es 3 Tage später los als geplant, da mein Visum für Mauretanien nicht rechtzeitig fertig wurde.
Schließlich Abfahrt am Mittwoch den 5.Maerz.Ueber Lindau ging es dann nach Bregenz, wo sich auch schon ein Befestigungsgummi vom Dach loeste und gleich mal den Rückfahrscheinwerfer zertrümmerte. Durch die Schweiz ging es dann ganz proplemlos, sodass wir über Genf nach Frankreich einreisten. Nach einer wegen Sturmböhen wacklicken Übernachtung im Landrover, ging es in dann Frühmorgens gleich weiter Richtung Montpellier.
Leider nicht lange, denn kurz darauf brach einer der Kraftstoffleitungen und das Auto musste auf den Hänger und abgeschleppt werden. Ein paar Std. später war eine gebrauchte Spritleitung eingebaut und Weiterfahrt.
Kurz darauf ging es dann über die Pyrenäen nach Spanien. Etwa 500 km vor Zaragoza dann der nächste Zwischenfall. Der Overdrive (das ist sowas ähnliches wie ein 5.Gang beim Landy) hat sich verabschiedet, sodass ich seit dem nur noch mit 4 Gängen fahre. Ok egal, weiter Richtung Madrid....Etwa 200 Km später:
Bei voller Fahrt Reifenplatzer auf der Autobahn. Da durch einen schwer beladenen Dachträger das Auto sehr instabil ist,war es schwierig das stark schwankende Auto auf den Seitenstreifen zu steuern.
Auch ein bisschen Glück gehabt, dass genau da kein Lkw daneben war, sonst wäre es vielleicht ein bisschen eng geworden. Nach ca 2 Std Reifenreparatur gings dann aber weiter.
Am Tag darauf erreichten wir dann Algeciras, wo wir überschifften.
Mittlerweile hatte auch noch die Kraftstoffanzeige den Geist aufgegeben und das Getriebe verliert auch sowas einen halben Liter Öl auf 1000 Km. Kurz darauf Einreise nach Marocco mit sehr stressigen Grenzbeamten
Aber mit viel Laecheln, Bonbons und Freundlichkeit ließen die mich nach fast einer Std. auch aus der Mangel.
So danach noch weiterfahrt bis Chefchaouen auf den Campingplatz, schnell einen Tagebucheintrag schreiben und dann nach 3 etwas anstrengenden Tagen Fahrt: ), ein wenig Ruhe bis morgen früh.
Morgen früh gehts weiter Richtung Marrakesch...
Mittwoch, 12.03.2008 - Echtoucan / Western Sahara
Man passiert die Schneise zwischen Atlantik-und Mittelmeer und kurz darauf findet man sich in der Arabischen Welt wieder.Verschleierte Frauen,schreiende Imane die zum Gebet aufrufen und lecker duftendes Tajine (Maroccos Nationalgericht).
Wir setzen unsere Fahrt fort,wobei sich immer wieder das gleiche schoene Bild wiederholt.
Wunderschoene geheimnisvolle Doerfer,schreiende und winkende Kinder und immer wieder sehr freundliche Maroccaner,die mir sofort behilflich sind den richtigen Weg zu finden.Die Reise fuehrt unser weiter Richtung Marrakech.
Auf der Fahrt durch das rote Gebirge zwischen Marrakech und Agadir ueberholt ein Tonneschwerer Lkw so halsbrecherisch,dass ich gezwungen bin Grandpa ( mein Auto ) in den Graben zu lenken. Links und Rechts faellt die Strasse jeweils in eine Schlucht ab.Aber beim Vergleich David gegen Golliath haette ich in diesem Fall wohl den kuerzeren gezogen,sodass mir keine andere Wahl blieb.Durch das Offroad Training bei Landsaid wusste ich ja das der Landy erst bei mehr als 25 Grad Schraeglage kippt : ),naja und wir hatten so etwa 20 Grad.Also kein Proplem und weiter gings Richtung Agadir.
Dort treffen wir dann den Rest der Crew,die Jungs mit dem Krankenwagen,die aus Zeitgruenden einen Tag Vorsprung hatten.Nachdem wir uns lachend in die Arme fallen,erfahre ich,dass sie sehr grosse Propleme bei der Einreise nach Marocco hatten.Der Krankenwagen ist vollbeladen mit Verbands- und aehnlichen Materiall und der Zoll in Marocco wollte daher eine von der Deutschen Botschaft in Marocco bestaetigte Bescheinigung des Deutschen Gesundheitsministeriums sehen.Hatten wir natuerlich nicht.Nach mehr als vergeblicher fuenfstuendiger Verhandlung mit den Grenzposten gab es nur die Moeglichkeit umzukehren und sein Glueck am naechsten Tag bei einer anderen Grenzschicht zu versuchen.Also zurueck nach Ceuta,Blaulicht runter,Ladung etwas mit Klamotten getarnt und durch.
Im zweiten Anlauf hat alles proplemlos geklappt.
Mit beiden Fahrzeugen ging es dann weiter Richtung Western Sahara.Immer wieder Roadblocks und Radarkontrollen.Naja,da dachten wir ,dass wir auch mal die Polizei wieder unterstuetzen sollten und druckten wegen ueberhoeter Geschwindigkeit mal schnell 80 Euro ab.So jetzt gehts dann weiter nach Dakhla und kurz darauf folgt der gefaerliche Abschnitt Richtung Nouadhibou.Das Gebiet,dass das Volk der Sahraouis und die Marocccanische Regierung gleichzeitig fuer sich beansprucht ist gefaerlich und vermint.Ein Aussteigen aus dem Auto und Treten neben der Fahrbahn ist lebensgefaerlich.Dazu kommt,dass der Fahrstil der oft uebermuedeten Lkw Fahrer immer halsbrecherischer wird und es immer wieder zu sehr schweren Unfaellen kommt.
Also Augen auf und durch : ) Richtung Mauretanische Grenze...
Dienstag, 18.3.2008 - Nouakchott/Islamische Repuplik Mauretanien
Auf dem Weg durch die Westernsahara,unmittelbar vor dem Grenzuebergang nach Mauretanien liegt das wohl in diesem Gebiet bekannteste Minefeld.Der Blick aus dem Fenster erinnert mich an die vielen Laender,in denen auch heute noch scharfe Minen liegen,und dort oft noch Kinder als Minensucher benutzt werden.Eine fuer uns Mitteleuropaer unglaublich schreckliche Vorstellung.Mehr als 5000 Km haben wir schon zurueck gelegt und langsam naehere ich mich den eigentlichen Grund meiner Reise.
Die Suche nach Afrikas stillen Helden.
Menschen die in ihrer Heimat vieles zurueck gelassen haben,und aufgebrochen sind,sich den in unserer Zeit scheinbar immer mehr krankenden Fatalismus entgegen zu setzen.Hoffnung in die Herzen derjenigen zu saen,die nicht das Glueck hatten in einem Land wie das unsere geboren zu sein.
Ich freue mich darauf,solche Menschen hoffentlich bald zu treffen und wuensche mir natuerlich,dass wir soviele wie moeglich auch mit unserer Arbeit unterstuetzen koennen.Der Krankenwagen fuer das Ehepaar Tautz,die am Gambia-River eine Gesundheitsstation betreiben,ist doch denke ich mal schon ein ganz guter Anfang.Dazu werde ich aber mehr berichten,wenn wir den Krankenwagen samt Inhalt dann uebergeben.
Grandpa war in den letzten 2000 Km wirklich sehr treu.
Ich habe gelernt ihn so zu behandeln wie man auch eine Frau behandeln sollte.Mit viel Liebe und immer ganz gut lauschen und vor allem sehr gut zuhoeren.
Ein bisschen Oelverlust,mal leckte der Tank und irgendwann musst ich nochmal eine undichte Kraftstoffleitung austauschen.Aber ausser diesen Kleinigkeiten,gab es da Gott sei Dank nicht grossartiges.Wir stehen vor den Grenzuebergang zur Islamischen Repuplik Mauretaniens.
Wieder das gleiche Programm.
Zoll,Polizei,Gendarmerie und Millitaer auf der einen Seite und das gleiche tolle Spiel dann auf der anderen Seite nochmal.
Vier oder Fuenf Stunden spaeter setzen wir unser Fahrt durch die Wueste fort.
Meine Gedanken wandern zu den 4 Franzoesischen Touristen die hier vor nicht mal 11 Wochen grausam ermordet wurden und an all die Terror-und Reisewarnungen die diesem bettelarmen Land in letzter Zeit leider soviel Negativ Schlagzeilen brachten.
Selbst die Rallye Paris-Dakar sagte deshalb zum ersten Mal in ihrer Geschichte
dieses Grossveranstaltung ab.
Auf dem Weg essen wir in einen von einem Tuareg gefuerten Beduinenzelt eine spaerliche aber fuer uns alle ausreichende Mahlzeit und weiter gehts Richtung Haupstadt.
Nochmals denke ich daran,dass ich mich jetzt in einem Land befinde,indem in vielen Orten das Gesetz der Islamischen Scharia noch zaehlt.
Oft dachte ich an diese Drakonischen Strafen die in manchem Laendern der Welt immer noch ausgefuehrt werden und jetzt bin ich selber mal in so einem.Ein komisches Gefuehl.
Spaet nachts treffen wir voellig von der Wueste verstaubt und mit unglaublichen Durst endlich In Nouchakott an.
Der Betreiber dieser Unterkunft hat doch tatsaechlich noch ein paar Dosen gekuehltes Bier.
Dieser Luxus in diesem Land hellt unsere Gesichter nateurelich schnell wieder auf und nach einer tropfenden aber halbwegs funktionierenden Dusche fallen wir alle todmuede ins Bett.Am naechsten Tag gehts weiter Richtung Senegalesische Grenze...
Kaolack, Senegal
Nach einer kurzen, sehr warmen und von Moskitos verstochenen Nacht ging es am naechsten Morgen weiter. Da ich aufgrund meiner hoffentlich laenger geplanten Reise keine Malariaprophylaxe nehme, gehen da einen natuerlich in den folgenden Tagen bei jeder Muedigkeit deines Koerpers viele Gedanken durch den Kopf. Einer der Jungs liegt seit 2-3 Tagen schon flach und wir hoffen natuerlich, dass es ihn nicht erwischt hat. Die naechsten Tage werden es zeigen.
Bei der Fahrt durch Mauretanien verstehe ich,warum soviele Menschen so fasziniert von dem Anblick der Sahara sind. Soweit man sieht nur Wueste und wenn nachts die Sonne unterging, fuehlte ich mich in dieser unendlichen Weite und Groesse selber auch nur wie ein kleiner Sandkorn.
Die letzten Hundert Km zur Senegalesischen Grenze sind wirklich fuer Fahrer und Material noch mal eine grosse Belastung und weil es eh wegen der Hitze und der Strasse nicht schon anstregend genug ist,kommt natuerlich nochmal eine Reifenpanne dazu. Naja dann wieder mal Reifenwechsel und weiter Richtung Grenzuebergang Diama.
Dann gings wieder mal los. Unendlich lange Diskussionen mit den Zollbehoerden aufgrund der Tatsache,dass wir Verbandsmaterial und Medizinische Geraete in den Senegal einfuehren wollen. Da wir uns von vornherein gesagt haben, dass wir immer alles Moegliche versuchen wollen, um der in Westafrika leider so krankhaften Korruption die Stirn zu zeigen, packten wir erst mal die Campingstuehle aus und setzten uns vor die Grenze. Ich hoerte von Menschen die sowas schon mal 3 Tage gemacht hatten, aber fuer so eine Aktion fehlte uns leider die Zeit, da einer der Jungs schon bald heimfliegen musste. Also hofften wir darauf, dass all unsere Verhandlungen und ruhigen Gespraeche zum Erfolg fuehren wuerden, aber es half nichts. Spaet nachts sagten die Zoellner, dass sie jetzt schliessen, also entweder wir laden alles hier ab und koennen fuer etwas weniger Zollgebuehren durchfahren, oder wir bezahlen eine Zolleskorte und koennen rein.
Uns blieb keine Wahl, sonst waehre unsere ganze Mission hier beendet. Trotzdem moechte ich jedem sagen der durch Westafrika reist, nichts irgendwo zu Bezahlen, ausser es ist wirklich etwas bei dem man schon in Reisefuehrern oder aehnliches hingewiesen wird, denn sonst unterstuetzt man nur weiterhin die Korruption.
Wir konnten ins Land und zusaetzlich wurde uns ein netter Eskortservice in Form eines Soldaten ins Auto gesetzt, der aufpassen soll, dass wir nichts in einem Krankenhaus im Senegal abladen. Speatnachts erreichen wir den Campingplatz der Zebrabar.
Zu allem Uebel hat der auch noch geschlossen und so bleibt uns nichts uebrig als hungrig ins Bett zu gehen.
Wir fahren am naechsten Morgen weiter Richtung Krankenhaus und fragen unsere Soldaten Georg ob wir nicht auf einen Sprung vorbeifahren koennen, natuerlich auch in der Hoffnung, dass wir die dort wirklich gut zu gebrauchenden Geraete abliefern zu koennen.
Die Deutsche Aertztin Hannelore Diawa leitet dort die Gynaekologische Abteilung des Krankenhauses.Aber all die Gespreache bringen nichts.
Trotzdem bewundere ich irgendwie die Art wie pflichtbewusst und hoefflich Georg seine Arbeit verrichtet.
Ich bin mir sicher wenn alle Menschen sich so wie George verhalten wuerden, dann wuerde es auch im Senegal keine Korruption geben.
In den kommenden Tagen freundeten wir uns immer mehr an und Georg war immer total besorgt , dass wir auch ueberall gut behandelt werden. Ich fand das irgendwie immer total suess, da das halt alles gar nicht noetig war, denn wir sind einfach unkompliziertes und ganz einfaches Essen und Schlafen schon gewoehnt.
Wir ereichten die Katholische Mission in Kaolak.
Als wir die heruntergekommenden und leider auch etwas uebel richenden Schlafraeume sahen, entschieden wir uns in diesem Fall lieber fuer die Uebernachtung in Innenhof der Mission, ohne zu vergessen Moskitonetze zu spannen. Am naechsten Tag duschten wir uns in einer naja was soll man dazu sagen, egal aber es kamm etwas Wasser und das war das wichtigste. Also dann mal los Richtung Gambia, wo das Ehepaar Tautz schon auf den Krankenwagen und Teile des Inhalts warteten. Wie wir dann den Rest noch zurueck in den Senegal beschaffen, das wissen wir zum Heutigen Tag noch nicht, aber das wird sich zeigen. Erst mal muessen wir unter der Obhut von Georg aus dem Senegal ausreisen...
31.03.2008 - Banjul / Gambia
Wir erreichen die Grenze Gambias. Dort verabschieden wir uns zunaechst mal von Georg und bedanken uns, dass er uns sicher durch den Senegal geleitet hat. Da es im Senegal bei den meisten Strassensperren normalerweise sehr stressig ist, hat Georg das mit einem Begleitschreiben fuer uns jedesmal sehr angenehm erledigt. Ausser den ueblichen Diskussionen an den Grenzstationen, ging es dann einigermassen proplemlos durch. Nach sovielen Grenzuebertritten in den letzten Wochen habe ich da jetzt einfach schon an Uebung gewonnen. Eigentlich ist es immer das selbe Spiel. Ich habe mir auf der Reise vorgenommen ein paar Dinge einzuhalten.
-Stets freundlich und hoefflich bleiben.
-Immer unendlich viel Zeit haben.
-Versuchen in der kuerzen Zeit eine persoenliche Beziehung zu den Grenzbeamten aufzubauen.
Nach dem Uebertreten der Grenze fuhren wir auf direktem Weg zu einem Health-Center in Bunjandu. Kaum angekommen springen uns schon Manfred und Kerstin entgegen. Die beiden haben die letzten 4 Wochen in dem Health-Center mitgearbeitet. Sie haben Ihre Arbeit auch in einem eigenen Tagebuch dokumentiert.
Dort treffen wir auch die beiden 21.Jaehrigen jungen Frauen Elisabeth und Anita. Elisabeth hat vor einem Jahr bei einem Landsaid Einstiegsseminar Seminar fuer Humanitaere Hilfe im Ausland mitgemacht. Naja,damals hatte es Nachts so um die 10 Crad Minus und wir haben in Zelten uebernachtet. Da ist es jetzt ein Jahr spaeter Temperturmaessig schon etwas angenehmer.
Nachdem wir ein paar Tage zusammen verbracht haben, moechte ich gerne ein wenig ueber die 2 jungen Frauen in meinem Tagebuch berichten. Die beiden sehen sich natuerlich selber ueberhaupt nicht als Helden, aber meine Meinung ist da einfach ein wenig anders.
Im Septemper letzten Jahres fassten die beiden den Entschluss sich eine Auszeit von einem Jahr zu nehmen, um in Gambia in Gesundheitszentren und Krankenhaeusern zu arbeiten. Auch wenn die beiden das nicht so gerne hoeren, aber ich finde das wirklich mutig und auch Ihre Unbekuemmertheit und Ihr selbstloses Auftreten beeindrucken mich doch sehr. Die ersten paar Monate arbeiteten Sie ihn einem Health-Center in Banjandu an der Nordkueste des Gambia Rivers. Momentan nehmen Sie sich eine Auszeit, sodass wir alle zusammen ein paar freie Tage verbringen koennen. Falls alles so klappt wie die beiden sich es vorstellen, moechten Sie in 2-3 Wochen dann wieder die Arbeit aufnehmen um in einem Krankenhaus in Gambia weiter zu arbeiten. Man kann jetzt natuerlich denken ;Wow,das ist ja echt super was die beiden mit 21 Jahren so machen und damit liegt man natuerlich auch nicht falsch.
Meine Gedanken aber wandern da auch in eine ganz andere Richtung. Es ist selbstverstaendlich schoen, wenn man auch schon in so einem jungen Alter so einen Entschluss fasst, mal so etwas zu machen und fuer ander Menschen dazusein um damit Naechstenliebe auch zu anderen Kulturen, Staemmen usw. zu zeigen.
Was ich aber viel wichtiger finde, und das ist meiner Meinung nach absolut gesunder Egoismus, ist dass man sowas wenn man die Moeglichkeit hat, vor allem seiner Selberwillen machen sollte.
Ich wuensche mir, dass das Beispiel von Anita und Elisabeth viele andere Jungen Menschen motiviert und ermutigt, sich in erster Linie mal selber mit vielen Dingen auseinander setzten zu muessen. Einfach mal einen Schritt gegen das Sicherheitsdenken zu machen, das sich in unserer Gesellschaft ja schon so einen festen Platz erobert hat. Manchmal muss leider oft immer erst etwas passieren, dass man mal die Augen aufmacht was denn eigentlich wirklich wichtig im Leben ist.
Viele Jugendliche stehen meiner Meinung nach bei uns leider oft auch schon von Zuhause aus unter so einem Druck, dass man in erster Linie erst mal immer an seine Altersversorgung, Karriere oder aehnliche Dinge denken muss.
Ich moechte hier nicht den Eindruck erwecken, dass man sich Planlos in irgendein Abenteuer stuerzen sollte, aber ich glaube wirklich, dass man vor allem im jungen Alter sich erst mal selber richtig kennenlernen sollte und dazu ist so eine Reise die die beiden machen sicherlich eine ganz tolle Moeglichkeit.
Weg von der Heimat, Familie und all den Sicherheiten auf die man ja immer schnell zugreifen kann wenns mal eng wird.
Viele Menschen sind oft von Mythen und Abenteuergeschichten begeistert, denn sie wecken sicherlich etwas in uns.
Ich frage mich da nur immer warum wir selber dann oft den Schritt nicht machen, wenn wir die Moeglichkeit haben uns mal selber in ein Abenteuer zu stuerzen ohne den Ausgang zu wissen.
Weiter moechte ich aber in diese Richtung nicht gehen. Ich denke da kann sich ja jeder wenn er moechte selbst mal so seine Gedanken darueber machen.
Elisabeth und Anita werden sich Morgen in ein Buschtaxi setzen um durch den Senegal weiter nach Guineau-Bissau zu Reisen.
Michael und ich haben in den letzten Tagen ein paar Gespraeche mit Hilfsorganisationen gefuehrt und vielleicht ergibt sich eine Moeglichkeit, dass wir in naechster Zeit wieder Mitarbeiter von LandsAid in Hilfsprojekten einsetzen koennen.
Zunaechst muessen wir aber versuchen einen Teil unserer Ladung an Medizinischen Geraeten und Verbandsmaterial wieder in den Senegal zu bringen.
Das Krankenhaus dort kann all diese Dinge wirklich sehr,sehr gut gebrauchen...
05.04.2008 - Serrekunda / Gambia
Nach ein paar Tagen Nachdenken fassen wir den Entschluss es nochmal zu propieren in den Senegal einzureisen, wo das Krankenhaus die Medizinischen Geraete die wir bei uns haben dringend benoetigt. Wir nehmen also wieder die Autofaehre von Banjul nach Barra in Richtung Senegal. Dieses mal hatten wir nicht soviel Glueck und es dauerte fast 5 Std. bis wir auf der anderen Seite angelangt waren. Trotzdem ist so eine Fahrt auf einer Faehre in Afrika, wirklich Afrika pur. Stress und Geschrei ohne Ende und Huehner, Ziegen, Rinder, Schafe um nur einige zu nennen. Dazu dann noch die verschiedensten Kleider der Voelkergruppen der Madinka, Wolofs und Fulba und dazwischen ein paar ganz wenige Tupaps ( so werden wir als Auslaender hier freundlich gennant). Das ist wirklich eine ganz schoen bunte Angelegenheit und man sollte das in Afrika ruhig mal selber miterleben.
Wir erreichen den Grenzuebergang Gambia-Senegal. Naja wir denken es wird schon irgendwie gutgehen. Tatsaechlich haben wir dieses mal ueberhaupt keine Propleme und koennen ohne Zusatzgebuehren in den Senegal einreisen. Das ist halt auch Afrika und manches muss man einfach nicht Anfangen verstehen zu muessen.
Auch an all den Strassensperren und Checkpoints von Milllitaer und Polizei werden wir durchgewunken. Wegen der katastrophalen Strassenlage beschliessen wir uns eine Unterkunft fuer die Nacht zu suchen um dann am naechsten Tag weiterzufahren. Hier im Senegal ist die Moskitoplage weitaus groesser als in Gambia und trotz Schutz werde ich Morgens wieder von einigen Stichen geplagt. Am Morgen habe ich wieder kurz den Gedanken ob ich jetzt schon mit Malaria infiziert bin? Schnell wische ich den Gedanken aus meinem Gedaechtnis und wecke die anderen zur weiterfahrt.
Wir kommen bis Kaolak und haben kaum mehr Benzin. An diesem Tag gibt es in der ganzen Stadt und auch im Umkreis kein Benzin mehr. Man verweist uns auf Morgen frueh. So stehen wir jetzt da. Es ist 3 Uhr Nachmittag, kein Benzinmehr, das Handynetz funktioniert nicht und die Temperatur zeigt ueber 40 Crad an. Naja Volksfeststimmung sieht da wohl etwas anders aus. Wir denken nach und suchen nach einen Callcenter wo wir versuchen die Deutsche Aerztin Hanne anzurufen die im Krankenhaus in Diourbel die Gynaekologische Abteilung betreibt. Es klappt und sie kann es Organisieren, dass uns jemand entgegenfaehrt und auch irgendwo im Senegal ein wenig Benzin fuer uns besorgt.
3 Std spaeter ist er da und wir laden die ganze Medizinische Fracht um. Ich telefoniere dann nochmal ganz kurz mit Hanne und gib ihr Bescheid, dass jetzt alles geklappt hat und die Sachen zum Krankenhaus unterwegs sind. Uebergleucklich bedankt sie sich oefters bei mir und ist begeistert, dass wir es letztendlich doch noch geschafft haben, alles dort hinzubringen wo wir es von Anfang an haben wollten.
Wir machen uns auf die Rueckreise Richtung Gambia. Ein paar Tage spaeter uebergeben wir dann auch den Krankenwagen mit dem restlichen Verbandsmaterial an ein Health-Center in Bunjadu / Gambia.
So,damit haben wir,wenn auch ein wenig auf Umwegen alles im Kompletten Zustand uebergeben und hoffen, dass durch unseren Beitrag in den letzten Wochen, sovielen wie moeglich geholfen werden kann. Die anderen Jungs fliegen nach Hause und ab ich bleibe zurueck. In den naechsten Tagen ueberkommt mich eine Traurigkeit. Ich denke an alle die Dinge die ich mir noch vorgenommen habe und all die Schwierigkeiten die mir wohl noch bevorstehen. Irgendwie fuehle ich mich etwas ausgelaugt und schwach und ich beginne zu zweifeln ob das wirklich alles so eine gute Idee war ? Gerade in diesen,denke ich mal normalen menschlichen Augenblicken, indem dein Glaube an etwas dich verlaesst, habe ich gelernt auch ohne Glauben weiterzugehen. Der Glaube wird frueher oder spaeter ganz von alleine zurueckkehren. Da ich vor der Reise mit dem Kauf und dem Umbau meines Autos und waehrend der Fahrt fuer Visas, Diesel, Zolleinfuhr, Versicherungen, Maut usw. meine Ersparnisse fast aufgebraucht habe, werde ich versuchen einen Job zu finden um mir damit meine Weiterreise und die Suche nach Afrikas stillen Helden weiter finanzieren zu koennen.



















