Kenia-Tagebuch von Sylvia Rohrhirsch

Die Krankenschwester Sylvia Rohrhirsch (Bellenberg) und der Arzt Dr. Ralf Bürger (Nürnberg) arbeiten für LandsAid von 8.-22. März 2008 im Westen Kenias. Sie stellen die medizinische Versorgung von Flüchtlingen sicher, die im Zuge der Unruhen nach den gescheiterten Parlamentswahlen ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Hintergrundinformationen zum Projekt finden Sie hier 

 

 

Dienstag, 4. März 2008 

 

Sylvia Rohrhirsch berichtet: "Am Samstag werden Ralf Bürger und ich nach Kisumu in Kenia fliegen. So schnell kann es gehen noch vor 1 Woche hatten wir beide keinen Gedanken bald bei einem humanitären Einsatz in Afrika zu sein. Mein Arbeitgeber beim ASB Neu-Ulm hat nicht gezögert und mir für die 2 Wochen FREI gegeben!

 

Nachdem das erste Team mit Hans Musswessels zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge nach Kenia ging, war schnell klar, dass hier längerfristig dringend Hilfe von Nöten ist. In den deutschen Medien gibt es keine Neuigkeiten mehr von Kenia. Kaum jemandem ist bewusst, dass hier 400 000 Flüchtlinge unterwegs sind. (Lassen Sie diese Zahl mal auf sich wirken!) Diese Menschen haben alles verloren. Aufgrund mangelnder Hygiene, kaum Möglichkeit abgekochtes Wasser zum Kochen und Trinken zu verwenden, keinerlei Schutz vor Moskitos sind vor allem - wieder einmal - die Kinder die Leidtragenden.

 

Eine arbeitsreiche und bestimmt auch anstrengende Zeit mit allgegenwärtiger Not und Leid wird auf uns zu kommen! Trotz allem, ich freue mich darauf und sehe es als Privileg in der Lage zu sein diese Arbeit zu leisten!

 Sylvia"

 

 

Sonntag, 9. März 2008

 

Endlich angekommen! heute abend sind wir gegen 15.30h in kisumu angekommen. peter, der projektkoordinator hat uns herzlich empfangen und uns zu unserer unterkunft gebracht.
peter ist ein sehr erfahrener mann, der schon viele solcher projekte, unter anderem auch mit hans und michael koordiniert hat.
 
heute gab es noch eine ca. 3std. besprechung und wir werden wohl bald sehr muede in unseren betten liegen.
 
Bereits morgen frueh werden wir dann um 08.00 h von peter abgeholt um unseres ziel - onyinjo - bald moeglichst zu erreichen, um mit der Behandlung der patienten beginnen zu koennen.
 
Bis bald und herzliche gruesse nach hause!
sylvia

 

 

Montag,10.03.2008

 Heute vormittag hatten wir ein meeting mit der Distrikt health officer. Dadurch konnten wir erst am Nachmittag mit der Behandlung beginnen.Wir versogten von 12.30h bis 17.00 h 72 Patienten. Kinder (ca. 90 % der von uns versorgten Menschen) hatten den Vorrang!Fuer einen Saeugling kamen wir wie man so sagt in letzter Minute,denn das Kleine haette eine weitere Nacht sicher nicht ueberlebt!(Dies ist nur ein Beispiel, wie wichtig unsere Arbeit vor Ort ist)Die meisten der Kinder leiden unter Fieber und|oder starkem Durchfall. Auch Malariafaelle kommen gehaueft vor. Da die Regenzeit noch bevor steht, wird die Zahl der Malariafaelle sicher noch zunehmen, da die Fluechtlinge schutzlos den Moskitos ausgesetzt sind.Die Menschen sind bewundernswert, da sie trotz der grossen Not und nach all dem was sie durchgemacht haben nie ungeduldig oder unfreundlich sind.Keiner beschwert sich, wenn er trotz 5 Stunden Wartezeit abgewiesen werden muss. Es war heute einfach nicht moeglich uns um alle zu kuemmern, denn es sind zu viele!Abends heisst es dann noch Bericht schreiben, sowie die Medikamentenkisten fuer den naechsten Tag zu richten und um 23.30 h freuen wir uns dann in unseren Betten liegen zu duerfen - mit Moskitonetz!!!Gruss an alleSylvia, Christl und Ralf

 

Dienstag, 11.03.2008

 

Afrika!!
Die Versorgung konnte heute erst 2 Stunden spaeter als geplant beginnen.
Wir versorgten in 7 Stunden 143 Patienten. Heute mussten wir niemanden abweisen - ein gutes Gefuehl!

Ein Kind wiesen wir ins Krankenhaus ein, um Cholera sicher ausschliessen zu koennen - leider haben wir bisher noch keine Rueckmeldung ueber den Zustand des Jungen!

Unter den Patienten waren heute auch viele aeltere Menschen mit unbehandelten chronischen internistischen Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Herzinsuffiziens, Diabetes mit Sehverschlechterung. Hier sind uns leider deutliche Grenzen gesetzt!

Wie schoen ist es doch in Deutschland leben zu duefen, wo ein Gang zum Arzt kein Problem ist!

Es gruessen Euch
Sylvia, Christl und Ralf

 

 

Mittwoch, 12.03.2008

 

Heute mussten wir vormittags dringend notwendige Medikamente einkaufen.

Dadurch verzögerte sich unsere Ankunft in Nyabondo um ca. 1,5 Stunden.

Trotz allem wurden an die 200 Patienten behandelt.

Zwischen unseren Übersetzern gab es wohl im Lauf des Tages einige Missstimmungen bzgl. ihrer Kompetenz untereinander, dieses Problem konnten wir aber zum Glück schnell lösen. Wie so häufig sind oft Missverständnisse Schuld und durch ein sachliches Gespräch konnten diese schnell aus dem Weg geräumt werden.

 

Ganz zufällig treffe ich Kathy aus Hamburg.

Kathy ist Krankenschwester und arbeitete letztes Jahr für 7 Monate in Nicaragua in einem Krankenhaus und hält sich nun seit Februar für 6 Monate in Kenia auf. Sie startet für ein Projekt mit Zahnärzten - jedoch erst in ca. 2 Monaten. Wir verstehen uns gut. Kathy würde gerne für Landsaid einige Wochen arbeiten und wir können jede helfende Hand gebrauchen!

Sie wird morgen mit dem Landsaid Büro Kontakt aufnehmen um die hierfür notwendigen Formalitäten zu erledigen.

 

Ich hoffe, dass sich Kathy morgen bei mir melden wird, und sie die ersten Tage mit unserem Team "Probe" arbeitet. Erst nach einigen Tagen wird sich dann wohl endgültig entscheiden, ob wir gut miteinander harmonieren, denn dies ist für diese Art von Arbeit unerlässlich!   

 

Bis morgen und viele Grüße an alle

Sylvia und Team

 

 

 

Donnerstag,13.03.2008

 

Heute fahren wir nach Koru. Wir verlassen das Gebiet der Luo und fahren Richtung Rift Valley. In dem Flüchtlingslager treffen wir ausschließlich auf Leute vom Stamm der Kikuo. Die meisten der Menschen befinden sich seit 2 Monaten im Lager, jedoch kommen immer noch Flüchtlinge an.

 

Keiner traut sich das Lager zu verlassen, da nach wie vor die Lage sehr angespannt und nicht sicher ist.

 

Die Menschen sind durchwegs alle psychisch stark traumatisiert. Durchfallerkrankungen nehmen immer mehr zu. Einen jungen Mann im Alter von 20 Jahren mussten wir sofort isolieren, da er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit an Lungentuberkulose leidet. Hoffentlich bleibt er der Einzige!!

Doch die Isolation allein reicht nicht aus. Wir müssen die Fahrt zum Krankenhaus sicherstellen, da keiner der Flüchtlinge bereit ist, ohne Schutz das Lager zu verlassen - die Angst ist zu gross, das Erlebte so tief in die Seele eingebrannt!

 

Pünktlich um 16.00 Uhr verließen wir das Lager um in Sicherheit bei Tageslicht Kisumu zu erreichen.

 

Auf dem Weg sahen wir heute so viele abgebrannte Häuser und Felder auf Grund der Auseinandersetzungen! Naturkatastrophen sind schlimm und katastrophal! Doch was Menschen sich gegenseitig antun koennen, dafür finden wir keine Worte!

 

Uns geht es gut, und wir schicken Grüße an alle, die uns kennen und mögen

Sylvia, Ralf und Christl

 

 

Freitag, 14.03.2008

 

Heute waren wir in einem Slumviertel namens Magodi am Rande von Kisumu.
Allein in diesem Viertel starben bei den Auseinandersetzungen ca. 40 Personen. Leider hatten wir - wieder einmal - nur 5 Stunden Zeit um die vielen kranken (ca. 90% davon Kinder) und verletzten Menschen zu versorgen.

Am haeufigsten traten hier, wie erwartet, bei Kindern unter 5 Jahren und Saeuglingen schwere, zum Teil hoch fieberhafte Durchfallerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Malaria auf.

Aber auch Verletzungen in Folge der Auseinandersetzungen mussten versorgt werden. So hatten wir z.B. eine 27 jaehrige Frau mit einer Schussverletzung am Kiefer. Sie hatte sich waehrend der Unruhen mit ihrem Kind im Haus zurueckgezogen und wurde dort von aussen scheinbar grundlos von einem Polizisten angeschossen - wie sie erzaehlte.
Niemand kuemmert sich um ihre Verletzung, sie kann kaum reden und sich nur mittels eines Strohalmes durch fluessige Nahrung ernaehren.
Wir versorgten sie so gut es uns moeglich war.

Leider schafften wir in der kurzen Zeit nur 110 von mind. 200 wartenden Patienten, wollen aber, wenn moeglich, naechste Woche wieder kommen.

Bei Kerzenlicht konnten zum Schluss in grosser Eile die letzten Medikamente verteilt werden. Da die Dunkelheit hier schnell einbricht und der drohende Regen im Ruecken sitzt, mussten wir so schnell wie moeglich die Gegend verlassen.

Wie auch in den letzten Tagen wurden wir hier genauso herzlich verabschiedet, wie wir begruesst worden sind.

Kathy, unsere neue Teamkollegin sagt mir, dass ihr die Arbeit heute sehr gefallen hat. Sie ist wirklich eine Bereicherung fuer das ganze Team - WELCOME Kathy from Hamburg.

Viele Gruesse nach Deutschland
Sylvia und Team
 

 

Samstag, 15.03.2008

 
Heute ueberqerten wir den Aequator in Richtung Uganda und kamen nach ca. 2 Stunden Fahrt an unser Ziel Barolengo an.
IDCCS, unsere Partnerorganisation vor Ort, hatte laut eigener Angabe den Ort informiert. Niemand war jedoch da, keiner wusste Bescheid.
Was tun?
Der Pfarrer vor Ort meinte dies sei kein Problem, wir sind Improvisationskuenstler und die Menschen hier sehr flexibel. Die "Buschtrommel" hat funktioniert und bereits nach einer halben Stunde sassen die ersten Patienten bereit!
Zunaechst hatten wir sehr viele aeltere, internistische Patienten. Am spaeten Nachmittag war die Information auch zu den Muettern durchgedrungen und wir sahen viele, teilweise schwerst erkrankte Kinder.

Ein Beispiel:
Eine Grossmutter erschien mit ihrem einjaehrigen Enkelkind, welches die Mutter einfach bei ihr zurueckgelassen hatte. Das Kind war massiv unterernaehrt, kachektisch und hatte Eiweissmangeloedeme. Eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus waere notwendig gewesen, die Grossmutter hatte allerdings noch 3 andere Kinder zu versorgen, so dass keine obligate Begleitperson vorhanden war. Ob das Kind ins Krankenhaus komm, koennen wir nur hoffen!

Leider mussten wir auch heute viele Patienten unbehandelt zuruecklassen.
Wir fragen uns taeglich warum diese Kinder keinen Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung haben!

Geplant ist, in der kommenden Woche dort vor Ort zu uebernachten, um die lange Anfahrtszeit, die von der Behandlungszeit abgeht, zu sparen.
Damit sind leider doppelte Uebernachtungskosten und weitere finanzielle Belastungen verknuepft.

Wir hoffen, dass die finaziellen Ressourcen fuer einen laengerfristigen Einsatz vorhanden sind - es ist bitter notwendig!

Uns geht es allen gut und neben allem Schlimmen was wir sehen gibt es viele frohe Momente!

Herzliche Gruesse
Sylvia, Ralf, Kathy und Christl

 

 

Sonntag, 16.03.2008
 
RUHETAG!

Auch wir und unsere lokalen Mitarbeiter brauchen mal Pause und haben heute die touristischen Schoenheiten rund um den Viktoriasee genossen - so gut es jedenfalls ging.
Nur Touristen sahen wir keinen!

Cosmas, mein Bekannter aus Eldoret, der letztes Jahr fuer 3 Monate bei mir zu Gast war, hat keine Muehen gescheut und die muehsame 3stuendige Fahrt mit seinem kleinen Sohn auf sich genommen, um uns in Kisumu zu besuchen.
Es war ein sehr schoenes und herzliches Wiedersehen!

Gruesse an alle
Sylvia und Team und Cosmas  
 

 

 

Dienstag, 18.03.2008

 

Wir hatten heute nur Säuglinge und Kleinkinder, alle super krank (Malaria, Lungenentzündung, fiebrige Durchfälle etc.) Ca. die Hälfte davon konnten wir behandeln. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Zeit, die man hier für die Menschen hat, einem in den Fingern zerinnt.
Kathy ist heute ihr Fotoapparat abhanden gekommen, dies ist besonders tragisch, weil sie so viele Bilder verloren hat.
Neben der abendlichen Teambesprechung werden wir also noch mal alle Medikamentenkisten durchsuchen, vielleicht taucht der Fotoapparat ja wider Erwarten doch noch mal auf - arme Kathy!
Gruss aus Kenia
Sylvia und Team

 

 

 

Mittwoch, 19.03.2008

 
Heute sind wir rechtzeitig in Kisumu abgefahren, denn der Weg war weit. Nach ca. 2 stuendiger Fahrt kamen wir in Ujugis an und wurden dort bereits von Tobias und seinen Mitarbeitern von IDCCS erwartet und uns zu unserem Einsatzort gebracht. In dieser Gegend leben im Moment ca. 400 Fluechtlinge.

Der Tag verlief ueberraschend gut organisiert. Insgesamt konnten wir ca. 90 Patienten behandeln, darunter wieder ein Grossteil sehr kranker Kinder.
Praktisch kein Kind war ohne Wuermer!

Besonders 3 Kinder werden uns nachhaltig in Erinnerung bleiben!
Alle drei (8,4 und 2 Jahre alt) waren unterernaehrt, hatten zum Teil am ganzen Koerper infizierte Scabies und fieberhafte Bronchitis.
Die Kinder waren so geschockt und traumatisiert, dass sie die Untersuchungen voellig teilnahmslos ueber sich ergehen liessen.
Sie wurden von der Nachbarin gebracht. Sie haben keine Eltern und leben bei ihrer Grossmutter, die selbst schon sehr alt und zu krank ist, um das Haus zu verlassen.
Wir versuchten mit der Community vor Ort eine weitere Betreuung und Unterstuetzung der Familie zu organsisieren.
Ein weiterer Besuch durch Folgeteams ist dringend notwendig und soweit auch geplant!

Leider mussten wir wieder einmal Patienten ungesehen zuruecklassen.
Es waren viel zu viele!

Am Ende des Tages hatte ich ein Gespraech mit dem district officer.
Dieser bat uns dringend regelmaessig wieder zu kommen, da der Bedarf an medizinischer Hilfe enorm hoch sei.
Das naechste health center bedeute fuer alle einen teilweise mehrstuendigen Fussweg. Endlich angekommen erwarte die Menschen oftmals eine lange Warteschlange, so dass sie oft unbehandelt wieder zurueck muessten. Selbst nach der Untersuchung koennten sie sich die verordneten Medikamente nicht leisten und muessten zwischen Nahrung und Medizin entscheiden.


Wir freuen uns auf Dr. Christoph Schade, der morgen aus Deutschland zu uns kommen wird.

Lieben Gruss nach Zuhause
Sylvia und Team 
 
 

 

Donnerstag, 20.03.2008

 
Unser letzter Tag!
Komisches Gefuehl!

So langsam gewoehnt man sich daran,die Dinge gehen leichter von der Hand und dann ist auch schon wieder Ende. Es war auf jeden Fall ein guter letzter Tag, gut organisiert. Wir waren innerhalb von Kisumu, in Tamsifu, einem katholischen Zentrum in dem jetzt IDP (internal displaced persons - Fluechltinge) untergebracht sind.

Wuermer, Fieber, Durchfall, Malaria, Atemwegserkrankungen, Magen-Darmbeschwerden, Hauterkrankungen und viele psychisch traumatisierte Menschen. "Das Uebliche"!

Doch der Zustand der Kinder und der Erwachsenen scheint besser als auf dem Land. Bei weitem nicht so viel Unterernaehrung und Schwerstkranke.

Nachdem wir abgebaut hatten, kam noch eine Familie mit einem Sauegling, der schwere Verbrennungen an beiden Beinen und an der linken Hand durch heissen Porridge davongetragten hatte.
Wir haben ihn so gut es ging mit antibiotischer Gaze, Verbaenden, Antibiose und Schmerzmittel versorgt.
Wie uns Peter gesagt hat, waere die Behandlung im Krankenhaus auch nicht anders gewesen.

Ich, Christl und Ralf fliegen morgen heim! Kathy und Christoph, den wir gleich vom Flughafen abholen werden halten die Stellung.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von Kisumu und den Menschen die so dringend unsere Hilfe brauchen.

Ein Dankeschoen an alle die uns in den letzten beiden Wochen begleitet  und unterstuetzt haben. Besonders danken wir Peter unserem Koordinator, Tom und Cladis, dem gesamten Landsaid Team in Deutschland einschliesslich Michael, der von Gambia aus die Internetseite pflegt, den Apothekern ohne Grenzen (Christl und Thomas), sowie allen die auf irgend einer Weise diese Arbeit ermoeglichen.

Viele Gruesse aus dem warmen Afrika
Sylvia und Team

 

 

Ostersonntag, 23.03.2008

 
Ich bin Christin, glaube an einen Gott!


Ich war heute in der Kirche, und da habe ich mir so die Leute angeschaut.
"Dieser Gott hat ja schon einen Humor den ich manchmal nicht verstehe".


Die Menschen sitzen hier, haben warme Mäntel und Jacken!
- Soviele Kinder hatten wir mit Atemwegserkrankungen und Lungenentzuendungen weil sie auf blanken Boden schlafen muessen, keine Decken vor Schutz gegen die Kälte und die Nässe (die Regenzeit beginnt!) und keine Moskistonetze (Malaria, Malaria, Malaria....). 


Ich bin heute mit meinen Kindern bei meiner Schwester zum Essen eingeladen - ich freue mich!
- wir hatten so viele Kinder mit hoch fieberhaften Durchfallerkrankungen die Mütter haben keinen Zugang zu sauberem Wasser - keine Möglichkeit das bisschen Essen gruendlich zu kochen.
Unterernährten Säuglinge und Kindern fehlt es an kindgerechter Nahrung!


Gestern abend habe ich mir ein heißes Bad und saubere Kleidung gegoennt!
- in Kenia hatten so viele Kinder Hautausschlaege, Wurmerkrankungen, Krätze - zum Teil eitrig und hoch infiziert -, weil diese Kinder keine saubere Wäsche, geschweige denn Seife oder warmes Wasser bzgl. der Hygiene haben.


Wenn ich mir verletze, bin ich gleich im Krankenhaus.
- wir hatten eine Frau die von einem Polizisten angeschossen und das ganze linke Kiefer zerstoert war - wir waren nach 2 Monaten die ersten die sich der Wunde annahmen.


Bei jedem schweren Verkehrsunfall wird bei uns der Notfallseelsorger geholt, es gibt Krisenintervensionsteams (zum Glueck!).
- ein junger Mann war bei mir, er fragte nach einer Tablette gegen das Weinen.
Ich habe mir die Zeit genommen mit ihm zu reden! (draußen sitzen noch 100 Patienten und warten - wir werden wieder nicht alle versorgen können!)
Er erzaehlt mir wie er Zeuge von Gewalttaten war, die ich hier nicht wiederholen moechte, die fuer uns nicht vorstellbar sind.
"Jedes mal" sagt er "wenn ich darueber nachdenke, wenn ich zur Ruhe komme fließen Traenen aus meinen Augen, ich schäme mich dessen, ich weis nicht wo meine Familie ist, ich bin alleine, habe niemanden - als Mann zu weinen ist eine Schande in meinem Stamm - ich schäme mich der Traenen, aber ich habe ständig  diese schlimmen Bilder im Kopf - bitte geben Sie mir dagegen eine Tablette, damit endlich die Bilder und die Tränen und die Trauer verschwindet"
"NEIN, ICH HABE KEINE TABLETTE GEGEN SEINE TRAENEN" muss ich ihm sagen. Ich habe im Moment nicht mehr länger Zeit fuer ihn - draussen sind noch so viele kranke Kinder. Er  soll warten wir machen bald Mittagspause, dann kann ich ihm noch länger zuhören. Ich suche ihn in der Pause - er ist nicht mehr da. Vielleicht kamen ja schon wieder die Tränen - und es ist eine Schande hier wenn Männer weinen...

Und doch, er ist vielen einen Schritt voraus, er konnte darüber reden  was passiert ist - viele schauen mich nur mit diesem typischen lehren Blick an, der nicht mich zu sehen scheint, der mir sagt, "egal was was Du jetzt mit mir machst, Du kannst mir nicht mehr weh tun, denn das Schlimmste und das Schmerzhafteste an Leib und Seele habe ich schon erlebt! 

Ach ja, ich vergass ich bin doch Christ!
Wie steht noch mal in der Bibel?
"UND FRIEDE DEN MENSCHEN IM HIMMEL UND AUF ERDEN!"

2005 war ich mit einem medizinischen Team im Erdbebengebiet in Pakistan.
Naturkatastrophen sind schrecklich, schlimm, einfach katastrophal!
Aber was Menschen sich gegenseitig antun, hierzu fehlen mir die Worte.
Der Mensch! Ich glaube, er ist das gefährlichste Lebewesen hier auf Erden...




Sylvia
       

 
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